Gerüstbauhandwerk und Bausektor entwickeln sich unterschiedlich

Bauaussichten 2018

Für einen Ausblick auf die Entwicklungen im Gerüstbauhandwerk sind der Industrie- und Fassadengerüstbau getrennt voneinander zu betrachten. Der sogenannte Industriegerüstbau umfasst Gerüstbauleistungen, die in der Regel auf einem Werksgelände erbracht werden, z.B. bei Revisionen von Industrieanlagen oder der Instandhaltung von Produktionsgebäuden. Der Begriff „Fassadengerüstbau“ ist branchenspezifisch und steht sinnbildlich für das Einsatzgebiet Baustelle. Er umfasst alle Leistungen im Gerüstbau. Eine exakte Trennlinie zwischen den zwei Tätigkeitsfeldern gibt es nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Bau- und Gerüstbauhandwerk nicht parallel verläuft. Dennoch beeinflusst die Lage der Bauwirtschaft insbesondere den Fassadengerüstbau. Der ZDB veröffentlicht eine positive Einschätzung der aktuellen Situation. U. a. hat die Auftragslage im Sommer 2017 gegenüber dem Vorjahr um 4 % zugelegt. Weil es besser lief als erwartet, hat die deutsche Bauindustrie Mitte des Jahres ihre Wachstumsprognose für 2017 von 5 auf 6 % angehoben und in der Voraussage für 2018 ein Umsatzplus von 5,5 % veröffentlicht. Aus den Gesprächen mit den Mitgliedern von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau ergibt sich im Fassadengerüstbau ein ähnliches Bild zur wirtschaftlichen Entwicklung wie im Bauhauptgewerbe. Das gilt nicht für den Industriegerüstbau. Der Produktions- und Energiestandort Deutschland befindet sich im Umbau und teilweise im Rückbau. Es ist daher von einer entsprechend rückläufigen Umsatzentwicklung für diesen Gerüstbauzweig im Jahr 2017 aus zugehen. Das hat die Wettbewerbssituation verschärft und den Preisdruck erhöht.
Ausgehend von der aufgezeigten aktuellen Lage folgt der Blick auf 2018. Auch, wenn die Bauindustrie für 2018 von einem deutlichen Umsatzwachstum ausgeht, sind wir nicht davon überzeugt, dass das Gerüstbauer-Handwerk diesem Trend im Ganzen folgen kann. Wie bereits dargestellt, entwickelt sich der Gerüstbaumarkt nicht 1 : 1 mit dem Bausektor, und wir gehen davon aus, dass dieses Phänomen auch für den Aufschwung gilt. Das Umsatzvolumen im Wohnungsbau wird aller Voraussicht ansteigen aber leider verschiebt sich die Umsatzverteilung zu Lasten der Bestandsmaßnahmen Richtung Neubau.
Bezogen auf das Gesamtvolumen eines Bauvorhabens, ist der auf Gerüstbauleistungen entfallende Umsatzanteil bei Bestandsmaßnahmen regelmäßig größer als beim Neubau. Auf Grund der geringeren Umsatzanteile im Neubau gehen wir davon aus, dass ein Teil des wachsenden Bauvolumens auf Grund der Umverteilung Richtung Neubau für den Gerüstbau verloren geht. Der Industriegerüstbau wird auch 2018 wegen der strukturellen Veränderungen in Deutschland bei der Umsatz- und Preisentwicklung deutlich hinter dem Fassadengerüstbau bleiben. Bitte verstehen Sie die für den Gerüstbau aufgezeigte Situation nicht falsch. 2017 war ein gutes Jahr. Die Auftragsbücher waren insgesamt gut gefüllt. Vielleicht auch zu voll und Hektik hat das Ruder übernommen, was häufig negative Auswirkungen auf die Produktivität und Rentabilität hat. Der Facharbeitermangel ist der größte Bremsklotz für eine bessere Entwicklung. Aber selbst wenn 2017 das Gerüstbauer-Handwerk aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung im Industrie- und Fassadenbereich im Gesamtschnitt stagniert, darf nicht vergessen werden, dass bereits 2016 das größte Umsatzvolumen seit 1996 erzielt wurde. Grundlegend gehen wir daher wie im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe für 2018 von einer positiven Marktentwicklung aus. Unsere Einschätzung ganz konkret: 2018 werden die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen um 2 % steigen können. Bei den Betriebszahlen sehen wir für das kommende Jahr wiederholt einen Seitwärtstrend. Trifft die Prognose zu, würde Ende 2018 für einen Betrachtungszeitraum von 22 Jahren bei Umsatz und Beschäftigung ein neues „Allzeithoch“ erreicht werden.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Bis zu 40 Prozent des Gesamtgewichtes im Gerüstaufbau wird durch die Beläge verursacht

Belagstechnik im Gerüstbau

Bei Arbeits- und Fassadengerüsten sind die Beläge das zentrale horizontale Flächenbauteil. Während glattflächige Baukörper durch Systemgerüste prinzipiell einfach und schnell eingerüstet werden können, zeigt sich die tatsächliche Aufbauflexibilität und Nutzungssicherheit eines Belagssystems erst bei Objekten mit komplexen Grundrissen.

weiterlesen

Mit rund 10 000 m² ist das MAC-Forum am Airport München die größte überdachte Freifläche Europas

Unten Schutzgerüst – oben Arbeitsgerüst

Mitte des Jahres verwandelte sich das Areal des MAC-Forums am Airport München in eine große Baustelle. Die Konstruktion, die die Freifläche überspannt, wird aufwändig saniert. Mit rund 10 000 m² ist das MAC-Forum am Airport München die größte überdachte Freifläche Europas. Auf diesem Gelände werden vom Flughafen München ganzjährig zahlreiche Events aller Art ausgerichtet. Große Anziehungskraft üben zum Beispiel Public-Viewing-Veranstaltungen rund um große Fußballereignisse aus.

weiterlesen

Die ursprüngliche Verantwortung für die baustellenspezifischen und gewerkeübergreifenden Arbeitsschutzmaßnahmen liegt nach der Baustellenverordnung immer beim Bauherrn

Auswirkungen der TRBS 2121-1 auf die Baustellenpraxis

Mit der Neufassung wird für alle Baubeteiligten sichtbar, warum das Thema der sicheren Höhenarbeit alle Baubeteiligten betrifft – ob Bauherr, Architekt, Gerüstnutzer oder den Ersteller eines Gerüstes. So trägt der Bauherr nach der Baustellenverordnung (BaustellV) generell die übertragbare Gesamtverantwortung für die Sicherheit auf „seiner“ Baustelle. Den vom Bauherren beauftragten Architekten beziehungsweise Bauunternehmern sollte deshalb bei der Vergabe von Gerüstbauarbeiten bewusst sein, dass die Folgen der Neufassung der TRBS 2121-1 in der Regel für den Auftragnehmer einen gesteigerten Aufwand bedeute, der logischerweise zu einem erhöhten Vergütungsanspruch führt. Denn um die geschuldete […]

weiterlesen