Plettac Modulgerüst im Schloss Neuschwanstein

Sanierung der Prunkräume mit dem Sängersaal

Hohenschwangau (ABZ). – 1,5 Mio. Besucher, bis zu 10 000 pro Tag, aus aller Herren Länder kommen Jahr für Jahr ins oberbayerische Hohenschwangau bei Füssen. Seine Weltberühmtheit verdankt der 300-Einwohner-Ort dem Märchenschloss von König Ludwig II. Hand an das vor majestätischer Alpenkulisse prunkende Schloss Neuschwanstein legen zu dürfen, bedeutet fast so etwas wie einen Ritterschlag für Handwerksunternehmen. Im Sängersaal stehen 22 t plettac contur Modulgerüst, millimetergenau eingepasst und gespickt mit raffinierten Sonderlösungen von Fleck Gerüstbau aus Koblenz. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor war das Schloss schon zu seinen Bauzeiten. 1869 begannen die Arbeiten. Bis zu 300 Handwerker beschäftigte der König auf seiner Baustelle, die zwei Jahrzehnte lang der größte Arbeitgeber in der Region war. Sie schufen Gewaltiges dort im Gebirge, auf nacktem Felsen. Allein für die beiden Jahren 1879/1880 belegen die noch vorhandenen Statistiken einen enormen Materialverbrauch: 465 t Salzburger Marmor, 1550 t Sandstein, 400 000 Ziegelsteine und 2050 m³ Holz für das Baugerüst. Mehr als 6 Mio. Mark verschlang der 150 m lange und bis zu 65 m hohe Prachtbau zu Lebzeiten des Königs, eine damals astronomische Summe – selbst für einen Monarchen.

Die Überschuldung des Staatsoberhaupts veranlasste dann auch die bayerische Regierung 1886, den König zu entmündigen und für regierungsunfähig zu erklären. Ludwig II. traf diese Nachricht am 9. Juni 1886 in Neuschwanstein. Am 12. Juni musste er unter Bewachung das Schloss verlassen und wurde nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht, wo der 40-Jährige am 13. Juni 1886 ertrank. Vollendet wurde Schloss Neuschwanstein nie. Die fantastischen Pläne des weltfremden Königs reichten weit über das hinaus, was wir heute bestaunen. Hinter der strahlenden Fassade klaffen unzählige Kubikmeter leerer Raum. Nur 15 der rd. 200 Zimmer und Säle sind fertiggestellt.

22 t plettac contur Modulgerüst türmen sich bis unter die reich verzierte Kassettendecke des Sängersaals von Schloss Neuschwanstein

Edelstahl für Deutschlands vornehmste Baustelle. 22 t plettac contur Modulgerüst türmen sich bis unter die reich verzierte Kassettendecke des Sängersaals von Schloss Neuschwanstein. Zehn Nächte arbeitete die auf historische Gebäude spezialisierte Kolonne von Fleck Gerüstbau an diesem Präzisionswerk.

Zig Millionen Besucher pilgern seit 1886 durch die Gemächer, Flure und Treppentürme von Neuschwanstein. Sie bringen nicht nur Geld in die Kassen, sondern schleppen auch Schmutz und Feuchtigkeit ins Schloss – der schleichende Ruin der Pracht. Teils zentimeterdicker Staub, festgebacken wie Zement, trübt den goldenen Glanz vergangener Zeiten. Schimmelpilze fressen sich tief in Textilien und Verputz und zerstören dabei die Farben der Kunstwerke. Um dem Verfall Einhalt zu gebieten, wird seit 2017 im großen Stil gereinigt, saniert und restauriert. 2329 Positionen umfasst die To-do-Liste der Restauratoren, darunter 65 Gemälde, 355 Möbel, 228 Textilien und Lederobjekte, 322 kunsthandwerkliche Objekte sowie 664 Fenster und Außentüren. Gut 20 Mio. Euro will der bayerische Staat bis 2022 in die Innenrestaurierung von Schloss Neuschwanstein investieren.

Sanierung der Prunkräume mit dem Sängersaal

Im Oktober 2018 startete die Sanierung der Prunkräume mit dem Sängersaal. Mit 27 m Länge und 10 m Breite ist er der größte Raum im Schloss und ein Höhepunkt jeder Besucherführung. Eine Sperrung dieser Sehenswürdigkeit oder gar von ganz Neuschwanstein für die Dauer der Arbeiten würde einen enormen wirtschaftlichen Verlust und einen noch fataleren Imageschaden bedeuten und ist daher undenkbar.

Gerüstbauingenieur Andreas Dölz von der Firma Fleck ist verantwortlich für die Planung und Ausführung der Einrüstung des Sängersaals bei laufendem Besucherbetrieb. Er beschreibt die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen: „Wir dürfen am Gerüst nur nachts arbeiten und müssen die Sicherheit und den freien Zugang der Besucher jederzeit gewährleisten. Es darf selbstverständlich nichts runterfallen und die historische Substanz darf keinesfalls beschädigt werden. Eine besondere Herausforderung bestand darin, das Gerüst schallgedämmt auszubilden. Der Bauherr verlangte das, denn die Restauratoren arbeiten tagsüber bei laufendem Besucherbetrieb. Ihre Bewegungen auf dem Gerüst sollen bei den Führungen möglichst nicht zu hören sein. Um diese Forderung zu erfüllen, haben wir eigens ein Probegerüst erstellt, an dem wir verschiedene Schalldämmmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüfen konnten. Wir verwenden nun einen schwer entflammbaren Flachfilz zur Trittschalldämmung, der auf die SL-Auflagen des plettac contur Modulgerüsts verschraubt und festgetackert wurde.“

22 Tonnen Plettac Gerüst verbaut

Insgesamt 22 t plettac contur Gerüstmaterial fanden Stück für Stück mit einem Telefonzellen-kleinen Personenaufzug seinen Weg nach oben. 40 m über dem Eingangsbereich thront der Sängersaal direkt unter dem Dach des Schlosses. Das gesamte Gerüst ruht auf Lastverteilungsbalken, die dafür sorgen, dass statt punktueller Lasten eine Flächenlast auftritt. „Zu den 22 t des plettac contur Modulgerüsts kommen ja noch die etwa 6 t einer durchschnittlichen Besuchergruppe. Die Statik musste also penibel berechnet werden“, erläutert Dölz.

Alle Eventualitäten eines solch diffizilen Projekts im Vorfeld abzusichern ist nahezu unmöglich. Fehlende Gerüstteile bedeuten im vom Bauherrn aufgestellten Null-Toleranz-Zeitrahmen eine potenzielle Katastrophe. Im Ernstfall muss Hilfe schnell, unkompliziert und kompetent erfolgen. „Sogar über Nacht wurden wir mit fehlenden Bauteilen versorgt. Bei einem derart anspruchsvollen und zeitkritischen Projekt ist ein verlässlicher Partner natürlich besonders wichtig. Da können wir uns auf den Außendienst und das Team in Plettenberg hundertprozentig verlassen“, sagt Dölz und fährt fort: bei solch komplexen freitragenden Konstruktion wie hier im Sängersaal mussten wir keine einzige Kupplung einbauen. Die serienmäßige Keilverbindung gewährte uns alle benötigten Freiräume. Das komplette Gerüst kommt ohne Schraubverbindung aus. Dieser Grad an Perfektion des Gerüstsystems begeistert.“ Fleck Gerüstbau setzt seit Jahrzehnten auf die erfolgreiche Partnerschaft zum Plettenberger Gerüsthersteller Altrad plettac assco GmbH.

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