Gebraucht kaufen · 10 Min. Lesezeit

Gebrauchte Gerüstteile prüfen – woran Sie gute Ware erkennen

Welche Mängel an gebrauchten Gerüstteilen nur Optik sind und welche ein Teil unbrauchbar machen – Bauteil für Bauteil, mit Checkliste zum Abhaken.

Halbkupplung mit Bolzen – Detail beim Prüfen gebrauchter Teile
Halbkupplung mit Bolzen – Detail beim Prüfen gebrauchter Teile

Ein gebrauchtes Gerüst hat Jahre auf Baustellen hinter sich. Kratzer, Mörtelreste, Farbspritzer und eine matte Zinkschicht gehören dazu und sagen wenig über die Tragfähigkeit. Entscheidend sind andere Dinge: Ist ein Stiel krumm? Hat eine Schweißnaht einen Riss? Greift die Klaue eines Bodens noch sauber? Diese Fragen beantworten Sie mit einem geschulten Blick, einer Richtlatte und etwas Zeit.

Unsere Gebrauchtware im Lager Leipzig ist nach System sortiert und wird vor dem Verladen durchgesehen. Trotzdem lohnt es sich, die eigenen Augen zu schulen: beim Wareneingang, beim Kauf von privat, beim Übernehmen eines Altbestands und vor jedem Aufbau. Dieser Ratgeber geht die Bauteile der Reihe nach durch und zeigt, wo Sie hinschauen sollten.

Die Grundregel: aussortieren statt richten

Ein verbogenes tragendes Teil wird nicht zurechtgebogen. Beim Richten wird der Stahl ein zweites Mal kalt verformt, das Gefüge leidet, und die Zinkschicht platzt an der Biegestelle auf. Von außen sieht das Rohr danach wieder gerade aus, seine Tragreserve ist aber unbekannt. Gleiches gilt für Schweißarbeiten: Ein nachträglich geschweißter Rahmen entspricht nicht mehr dem geprüften Bauteil aus der Zulassung.

Was durchfällt, sollte sofort erkennbar gekennzeichnet werden, etwa mit roter Sprühfarbe, und getrennt vom guten Material lagern. Noch sicherer ist es, ausgemusterte Teile unbrauchbar zu machen oder direkt zum Schrott zu geben. Sonst landet der krumme Rahmen beim nächsten Aufbau doch wieder in der Wand, weil gerade einer fehlt.

Instandsetzen dürfen nur der Hersteller oder ein Betrieb, der dafür nach dessen Vorgaben ausgerüstet ist. Für Käufer gebrauchter Ware heißt das praktisch: Teile mit Schäden an tragenden Stellen gehören nicht in den Bestand.

Vorbereitung: Platz, Licht, Werkzeug

Prüfen Sie bei Tageslicht auf einer ebenen, festen Fläche. Ein Hallenboden aus Beton oder eine gepflasterte Hoffläche eignen sich gut. Sortieren Sie zuerst nach Teilart, denn dann fallen Ausreißer schneller auf: Ein Rahmen, der im Stapel nicht bündig liegt, ist oft der verzogene.

Diese Hilfsmittel reichen für die meisten Prüfungen:

  • Richtlatte oder Alu-Wasserwaage mit mindestens 2 m Länge, alternativ eine gespannte Schnur
  • Gliedermaßstab oder Maßband für Feldlängen und Breiten
  • Drahtbürste, um verdeckte Stellen und Prägungen freizulegen
  • Schraubendreher als Prüfspitze für Holz
  • Gerüstschlüssel zum Durchdrehen der Muttern an Kupplungen und Spindeln
  • Kreide oder Sprühfarbe zum Markieren, dazu Arbeitshandschuhe

Rahmen und Stiele

Gerade oder verbogen?

Legen Sie einen Rahmen flach auf den Boden. Liegt er an allen vier Ecken auf, ist er nicht verwunden. Kippelt er über die Diagonale, wurde er verdreht, meist bei einem Sturz vom Lkw oder beim Abbau. Danach die Latte längs an jeden Stiel halten: Ein Spalt in der Mitte zeigt eine Biegung, ein Knick an einer Stelle ist ein klarer Ausschlussgrund. Dellen im Rohr, bei denen der Querschnitt sichtbar oval geworden ist, gelten ebenfalls als Schaden.

Bei Stielen eines Modulgerüsts gehen Sie genauso vor. Zusätzlich drehen Sie den Stiel einmal um die eigene Achse und beobachten das Ende: Schlägt es aus, ist er krumm.

Schweißnähte

Am Rahmen sitzen die kritischen Nähte dort, wo Querriegel und Stiel zusammentreffen, sowie an den Aufnahmen für Böden und Geländer. Suchen Sie nach feinen Linien im Zink, die sich quer zur Naht ziehen. Ein Haarriss zeigt sich oft als dünne rotbraune Rostspur, weil dort Wasser eindringt. Bürsten Sie verdächtige Stellen ab und schauen Sie mit einer Taschenlampe im flachen Winkel darauf. Ein Riss in einer tragenden Naht bedeutet: Teil aussortieren.

Rohrverbinder und Anschlüsse

Der Zapfen oder Rohrverbinder am Stielende muss fest sitzen, gerade stehen und darf nicht aufgeweitet sein. Stecken Sie probeweise zwei Rahmen aufeinander. Geht das nur mit Gewalt, oder wackelt die Verbindung stark, stimmt etwas nicht. Prüfen Sie außerdem die Teile, mit denen Geländer und Diagonalen gehalten werden, also Kippstifte, Bolzen oder Laschen: vorhanden, beweglich, nicht abgebrochen. Bei Modulstielen schauen Sie auf die Lochscheiben. Sie dürfen nicht verbogen sein, keine Risse am Rand haben, und die Löcher dürfen nicht ausgeschlagen wirken.

Belagauflage

Die Auflage der Böden ist je nach System ein U-Profil oder ein Rohrriegel. Ein aufgebogenes U-Profil lässt Böden schief liegen oder herausrutschen. Halten Sie einen Boden zur Probe ein. Er muss sauber einrasten und darf auf beiden Seiten nicht unterschiedlich hoch liegen.

Böden und Beläge

Böden sind das am stärksten beanspruchte Teil eines Gerüsts. Sie werden getreten, mit Paletten belastet, geworfen und mit Mörtel zugesetzt. Entsprechend hoch ist hier die Ausschussquote bei alten Beständen.

Durchbiegung

Legen Sie den Boden mit der Lauffläche nach oben auf zwei Kanthölzer an den Enden. Hängt er in der Mitte sichtbar durch, ohne dass jemand darauf steht, hat er eine bleibende Verformung. Die Latte auf der Oberseite macht das messbar. Ein leicht gewölbter Boden ist kein Fall für weitere Nutzung.

Klauen und Haken

Die Klauen an den Stirnseiten tragen die gesamte Last in den Rahmen ab. Achten Sie auf verbogene Haken, Risse am Übergang zum Profil und lose Niete. Viele Böden haben eine Sicherung gegen Abheben, etwa eine Klappe oder einen Riegel. Sie muss funktionieren, damit Wind oder ein Schlag von unten den Boden nicht aushebeln.

Lauffläche je nach Material

  • Stahlboden: Ausbeulungen, eingedrückte Stellen, Durchrostung an den Längskanten. Die Lochung soll frei sein, damit Wasser abläuft.
  • Aluboden: Risse in den Profilen und an den Schweißnähten der Stirnkappen. Alu verformt sich nicht so leicht bleibend, kann aber bei Überlast reißen.
  • Robustboden: Die Holzplatte im Alurahmen darf nicht aufgequollen, durchgebrochen oder an den Rändern ausgefranst sein. Weiche Stellen deuten auf Feuchteschäden.
  • Holzbohle: Stechen Sie mit dem Schraubendreher in verdächtige Stellen. Dringt er leicht ein, ist das Holz morsch. Längsrisse, abgebrochene Ecken und fehlende Stirnbeschläge sind ebenfalls Ausschlussgründe.

Mehr zu den Unterschieden der Belagarten lesen Sie im Vergleich der Gerüstbeläge.

Durchstiegsböden

Beim Durchstieg kommen bewegliche Teile hinzu. Die Klappe muss sich ganz öffnen, von allein geschlossen bleiben und darf nicht verzogen sein. Die eingebaute Leiter braucht alle Sprossen, gerade Holme und intakte Befestigungen. Scharniere mit viel Spiel sind ein Hinweis, genauer hinzusehen.

Kupplungen

Kupplungen gibt es im Altbestand oft eimerweise. Nicht jede ist noch brauchbar. Prüfen Sie jede einzelne, wenn Sie Rohre damit tragend verbinden wollen:

  • Mutter auf der Schraube über die ganze Gewindelänge drehen. Hakt sie, ist das Gewinde beschädigt oder stark verrostet.
  • Die Hammerkopfschraube muss gerade sein und sicher in ihrer Aufnahme sitzen.
  • Bügel und Klappschale dürfen nicht aufgebogen sein. Eine Kupplung, die sich nicht mehr satt um ein Rohr mit 48,3 mm schließt, ist unbrauchbar.
  • Bei Drehkupplungen den Niet zwischen beiden Hälften prüfen: drehbar, aber ohne Spiel.

Gängige Kupplungen werden nach der Prüfung leicht geölt. Das verlängert ihre Lebensdauer deutlich und spart beim nächsten Aufbau Kraft. Ersatz bekommen Sie in unserem Bereich Gerüstkupplungen.

Diagonalen, Geländer, Bordbretter

Diagonalen steifen das Gerüst aus. Eine krumme Diagonale kann diese Aufgabe nur eingeschränkt erfüllen. Prüfen Sie das Rohr mit der Latte und vor allem die Enden: Klauen, Bolzenaufnahmen oder Keilköpfe dürfen weder abgeknickt noch eingerissen sein. Ausgeschlagene Bohrungen erkennen Sie daran, dass das Teil im eingebauten Zustand deutlich klappert.

Geländer werden oft als Hebel oder Tragestange zweckentfremdet. Ein leicht gebogenes Geländer wirkt harmlos, gibt aber im Ernstfall nach. Achten Sie auch auf die Endstücke, die in die Aufnahmen am Rahmen greifen.

Bei Bordbrettern aus Holz gelten die Kriterien der Holzbohle: keine Fäule, keine durchgehenden Risse, Stirnbeschläge fest verschraubt oder vernietet. Bordbretter aus Metall sollen gerade sein, die Endbeschläge vollständig.

Fußspindeln und Gerüsthalter

Die Fußspindel trägt die gesamte Last eines Stielstrangs in den Boden. Das Spindelrohr muss gerade sein, die Fußplatte eben und fest angeschweißt. Drehen Sie die Mutter einmal komplett hoch und wieder herunter. Ein klemmendes oder beschädigtes Gewinde ist ein Ausschlussgrund, denn beim Ausrichten unter Last lässt sich die Spindel dann nicht mehr fein einstellen.

Gerüsthalter sollen gerade sein, der Haken unverbogen, die angeschweißte Kupplung intakt. Ringschrauben und Dübel aus Altbeständen sollten Sie nicht wiederverwenden. Sie sind preiswert, und ihr Zustand nach dem Herausdrehen ist kaum zu beurteilen. Passende Teile finden Sie unter Gerüstanker.

Weißrost, Flugrost, Rost: was ist harmlos?

Gerüstteile aus Stahl sind in der Regel feuerverzinkt. Die Zinkschicht schützt das Eisen darunter, indem sie selbst langsam abgetragen wird. Deshalb sieht Zink nach einigen Jahren grau und stumpf aus. Das ist gewollt. Problematisch wird es erst, wenn der Stahl selbst angegriffen ist.

ErscheinungWoher sie kommtBewertung
Weißer, pulvriger BelagWeißrost: Feuchtigkeit ohne Luftzufuhr, typisch bei nass gestapelten TeilenMeist nur optisch; abbürsten, Teile luftig lagern
Grau-matte, fleckige OberflächeNormale Alterung der VerzinkungUnbedenklich
Bräunliche Flächen ohne AbplatzenOft Eisen-Zink-Schicht, die durchschimmertBeobachten, meist unkritisch
Rote Rostpunkte an KratzernZinkschicht örtlich verletztAn nicht tragenden Stellen vertretbar; Zinkspray hilft
Flächiger Rost mit Narben oder BlätternZink verbraucht, Stahl wird abgetragenWandstärke geschwächt: aussortieren
Rostlinie an einer SchweißnahtMöglicher Riss, in den Wasser eindringtGenau prüfen, im Zweifel aussortieren

Ein guter Test für Rohre: Klopfen Sie mit einem Metallgegenstand auf verdächtige Stellen. Ein dumpfer, anderer Klang als am Rest des Rohres kann auf Durchrostung von innen hinweisen. Bei Rohren, die lange offen gelagert waren, lohnt auch ein Blick ins Innere mit der Taschenlampe.

Checkliste: gebrauchte Gerüstteile auf einen Blick

Drucken Sie diese Liste aus oder nehmen Sie sie auf dem Handy mit. Jedes Teil, bei dem ein Punkt mit Nein beantwortet wird, wandert auf den Ausschussstapel.

  • Rahmen liegt flach auf, Stiele sind über die ganze Länge gerade
  • Keine Risse an Schweißnähten, keine Rostlinien quer zur Naht
  • Rohrverbinder fest, gerade, nicht aufgeweitet
  • Kippstifte, Bolzen, Laschen oder Lochscheiben vollständig und unbeschädigt
  • Belagauflage nicht aufgebogen, Boden liegt plan
  • Böden ohne bleibende Durchbiegung, Klauen gerade, Niete fest
  • Abhebesicherung der Böden funktioniert
  • Holz ohne weiche Stellen, Längsrisse oder fehlende Beschläge
  • Durchstiegsklappe schließt, Leiter vollständig
  • Kupplungen: Mutter läuft frei, Bügel nicht aufgebogen
  • Diagonalen und Geländer gerade, Enden intakt
  • Fußspindeln gerade, Gewinde gängig, Fußplatte eben
  • Kein flächiger Rost mit Narben an tragenden Teilen

Wer entscheidet, was noch gut ist?

Eine Sichtprüfung kann jeder durchführen, der weiß, worauf er achtet. Bei Zweifeln sollte eine befähigte Person entscheiden, wie sie die TRBS 2121 Teil 1 für die Prüfung von Gerüsten vorsieht. Für den Gerüstbaubetrieb ist das Alltag. Private Bauherren holen sich im Zweifel Rat bei einem Gerüstbauer oder lassen das Material von uns durchsehen, bevor es verladen wird.

Die Prüfung der Einzelteile ersetzt nicht die Prüfung des fertig aufgebauten Gerüsts. Wie diese abläuft und wer sie dokumentiert, steht im Ratgeber Gerüstprüfung vor der Benutzung.

Gebraucht kaufen ohne Überraschungen

Wenn Sie bei uns kaufen, kommt die Ware aus dem Lager in Leipzig, nach System sortiert und vor dem Verladen durchgesehen. Gebrauchsspuren wie verschmutzte Oberflächen oder matte Verzinkung sind normal. Sie können das Material vorher vor Ort ansehen oder sich per Video zeigen lassen. Die Fotos bei unseren Paketen sind Beispielfotos aus dem gemischten Lager, Ihr Material kann also anders aussehen, entspricht aber denselben Kriterien.

Sie suchen ein komplettes Gerüst? Dann schauen Sie in die gebrauchten Gerüste. Fehlen nur einzelne Teile, finden Sie diese unter Gerüstteile, sortiert nach Teilart.

Häufige Fragen

Darf ich einen leicht verbogenen Gerüstrahmen wieder gerade biegen?

Nein. Durch das Richten wird der Stahl ein zweites Mal verformt und die Tragfähigkeit ist danach nicht mehr bekannt. Verbogene tragende Teile werden ausgemustert und deutlich gekennzeichnet.

Ist Weißrost auf Gerüstteilen gefährlich?

In der Regel nicht. Weißrost ist ein Belag auf der Zinkschicht, der entsteht, wenn Teile nass und ohne Luft lagern. Abbürsten und luftig stapeln genügt meist. Kritisch wird erst flächiger roter Rost mit Narben, weil dann der Stahl selbst angegriffen ist.

Woran erkenne ich einen morschen Holzbelag?

Drücken Sie einen Schraubendreher in verdächtige, dunkle Stellen. Dringt er leicht ein oder fühlt sich das Holz schwammig an, ist der Belag nicht mehr tragfähig. Auch Längsrisse und lose Stirnbeschläge sind Ausschlussgründe.

Muss ich jede einzelne Kupplung prüfen?

Ja, wenn sie tragend eingesetzt wird. Drehen Sie die Mutter einmal über die ganze Gewindelänge und prüfen Sie, ob der Bügel sauber um das Rohr schließt. Das dauert pro Stück nur Sekunden und erspart böse Überraschungen auf dem Gerüst.

Kann ich gebrauchte Ware vor dem Kauf ansehen?

Ja. Sie können das Material im Lager in Leipzig besichtigen oder sich per Video zeigen lassen. Unsere Ware ist nach System sortiert und wird vor dem Verladen durchgesehen.

Gerüst gesucht?

Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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