Gebrauchtes Gerüst kaufen: Schritt für Schritt
Vom passenden System über die Stückliste bis zur Lieferung: der Ablauf beim Kauf eines gebrauchten Gerüsts, mit Checkliste und den Punkten, an denen Käufer am häufigsten stolpern.

Warum gebraucht?
Ein Gerüst besteht aus verzinktem Stahl oder Aluminium und ist für jahrzehntelangen Einsatz gebaut. Ein Rahmen, der fünf Jahre auf Baustellen stand, trägt bei gutem Zustand genauso wie am ersten Tag. Der Preis dagegen ist deutlich gefallen. Für viele Käufer, vom Bauherrn bis zum Malerbetrieb, ist das der Grund, gebraucht zu kaufen.
Damit der Kauf aufgeht, müssen aber ein paar Dinge zusammenpassen: das System, die Menge, die Ausstattung und der Zustand. Wer hier sorgfältig vorgeht, bekommt ein vollwertiges Gerüst. Wer nur auf den Quadratmeterpreis schaut, steht im schlimmsten Fall mit einem Haufen Teile da, die sich nicht zu einem regelgerechten Gerüst zusammensetzen lassen. Die folgenden Schritte zeigen, in welcher Reihenfolge Sie am besten entscheiden.
Besonders lohnt sich der Gebrauchtkauf in drei Fällen: wenn Sie ein Gerüst für ein einzelnes, längeres Projekt brauchen und es danach wieder abgeben wollen, wenn ein Betrieb seinen vorhandenen Bestand im selben System aufstocken will, und wenn kurzfristig Material gebraucht wird. Gebrauchtware liegt im Lager und muss nicht erst produziert werden.
Schritt 1: Das System festlegen
Die wichtigste Entscheidung fällt zuerst: Welches Gerüstsystem soll es sein? Davon hängt alles Weitere ab, von der Stückliste bis zum späteren Nachkauf.
Sie haben noch kein Gerüst? Dann wählen Sie nach Einsatz. Für Fassaden an Wohnhäusern ist ein Rahmengerüst die Regel, für verwinkelte Bauten, Treppentürme und Industrie das Modulgerüst. Im Lager in Leipzig führen wir unter anderem gebrauchte Rahmengerüste von Layher Blitz, Hünnebeck Bosta, Plettac SL und Rux Super sowie gebrauchtes Layher Allround. Achten Sie darauf, dass Sie später Ersatz und Ergänzung im selben System bekommen. Verbreitete Systeme haben hier einen klaren Vorteil.
Sie haben schon ein Gerüst? Dann kaufen Sie im selben System nach, und nur dort. Teile verschiedener Systeme gehören nicht in ein Gerüst, auch wenn Maße und Rohrdurchmesser ähnlich wirken. Wie Sie Ihr System sicher bestimmen, zeigt der Ratgeber Gerüstsystem bestimmen.
Zum System gehört auch die Breite. Rund 0,70 m (im Raster 0,73 m) genügen für Maler, Fensterbauer und Dachrinnenarbeiten. Rund 1,00 m oder 1,09 m sind sinnvoll, wenn auf dem Belag Material lagert oder gemauert wird. Und schließlich das Raster der Feldlängen: Gängige Systeme arbeiten mit 2,57 m oder 3,07 m langen Feldern, metrische Systeme mit 2,50 m oder 3,00 m.
Schritt 2: Paket oder einzelne Teile?
Für Erstkäufer ist ein Paket fast immer die bessere Wahl. Es ist für eine bestimmte Gerüstfläche zusammengestellt, und die Mengen der einzelnen Teile passen zueinander. Einzelteile kaufen Sie dagegen, wenn Sie ein vorhandenes Gerüst ergänzen oder eine genaue Stückliste aus eigener Planung haben.
Unsere Pakete gibt es in zwei Ausstattungen:
| Basispaket | Komplett nach AuV | |
|---|---|---|
| Rahmen, Fußplatten, Beläge | ja | ja |
| Geländer und Diagonalen | ja | ja |
| Anker | ja | ja |
| Bordbretter | nicht in jedem Feld | in jedem Feld der Arbeitslagen |
| Durchstieg | nein | ja |
| Preis je m² | niedriger | höher |
Das Basispaket eignet sich für Käufer, die schon Bordbretter und Durchstiege haben, oder die nur auf einzelnen Lagen arbeiten. Wer ein Gerüst nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung vollständig ausstatten will, ohne selbst nachzurechnen, nimmt das Komplettpaket. Fehlende Teile lassen sich beim Basispaket auch einzeln über Gerüstteile bestellen ergänzen.
Schritt 3: Die Menge bestimmen
Gerüst wird in Quadratmetern Gerüstfläche verkauft, also Länge mal Höhe der eingerüsteten Wand. Messen Sie jede Seite einzeln. Die Länge reicht vom ersten bis zum letzten Feld, an Ecken etwas über die Hauskante hinaus. Die Höhe misst man bis zur obersten Arbeitslage plus Geländer. Für das Dach brauchen Sie in der Regel eine Lage mehr als bis zur Traufe.
Ein Rechenbeispiel: Das Haus misst 11 × 8 m, die Traufe liegt bei 5 m. Rundum ergibt das 38 m Wandlänge, mit dem Überstand an den vier Ecken etwa 42 m Gerüstlänge. Bei 7 m Gerüsthöhe kommen knapp 300 m² Gerüstfläche heraus. Sollen nur die beiden langen Traufseiten eingerüstet werden, sind es etwa 2 × 12 m × 7 m, also rund 170 m².
Der Gerüstkalkulator rechnet aus Länge und Höhe eine Stückliste aus. Das ist für den Anfang einfacher, als Felder und Lagen selbst zu zählen.
Schritt 4: Die Stückliste lesen
Ob Paket oder Kalkulator: Am Ende steht eine Liste mit Teilen und Stückzahlen. Prüfen Sie sie mit einem kurzen Blick auf die Verhältnisse:
- Rahmen: Je Lage einer mehr als Felder. Bei 10 Feldern und 4 Lagen also 44 Rahmen.
- Beläge: Je Feld und Arbeitslage so viele, dass die Breite voll belegt ist, bei 0,70 m Breite meist zwei.
- Geländer: Je Feld und Lage zwei an der Außenseite (Geländer und Zwischengeländer), dazu Stirnseiten.
- Bordbretter: Je Feld und Arbeitslage eines, dazu Stirnbordbretter.
- Diagonalen: Nach AuV in bestimmten Feldern über die ganze Höhe, oft ein Zug je fünf Felder.
- Anker: Nach Ankerraster der AuV. Bei Netzen oder Planen deutlich mehr.
- Fußplatten oder Spindeln: Zwei je Rahmen in der untersten Lage.
Passen die Zahlen grob zu Ihrer Fläche, ist die Liste plausibel. Fehlt eine ganze Teileart, fragen Sie nach.
Schritt 5: Zustand und Besichtigung
Gebrauchte Gerüste haben Spuren: Kratzer, matte Verzinkung, Betonspritzer, Farbreste. Das ist normal und beeinträchtigt die Funktion nicht. Kritisch sind andere Dinge, und auf die sollten Sie achten:
- verbogene oder gestauchte Rohre und Rahmen
- Risse an Schweißnähten
- beschädigte oder fehlende Sicherungen an Belägen und Geländern (Klauen, Kippstifte, Fallstecker)
- starker Rost, der sich nicht abbürsten lässt
- bei Holzbelägen: tiefe Risse, Fäulnis, abgebrochene Enden
- Spindeln, die schwergängig sind oder einen verbogenen Schaft haben
Im Lager sortieren wir die Gebrauchtware nach Systemen, und vor dem Verladen sehen wir sie durch. Wenn Sie das Material selbst sehen wollen, können Sie es im Lager in Leipzig besichtigen oder per Video anschauen. Wichtig zu wissen: Die Fotos bei unseren Paketen sind Beispielfotos aus dem gemischten Lager, nicht die konkreten Teile Ihres Auftrags. Was Sie vor dem ersten Aufbau selbst prüfen sollten, steht ausführlich im Ratgeber gebrauchte Gerüstteile prüfen.
Schritt 6: Unterlagen beschaffen
Für jedes Gerüstsystem gibt es eine Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers und, bei zugelassenen Systemen, die Zulassung oder Bauartgenehmigung des DIBt. Ohne diese Unterlagen wissen Sie nicht, wie hoch Sie bauen dürfen, wie dicht Sie verankern müssen und welche Lastklasse das Gerüst hat. Die AuV ist bei vielen Herstellern online abrufbar oder auf Anfrage erhältlich. Laden Sie die passende Fassung herunter, bevor die Lieferung kommt, und lesen Sie sie einmal durch.
Schritt 7: Anfrage, Zahlung, Lieferung
- Anfrage stellen: Legen Sie Pakete oder Teile in den Anfragekorb oder schicken Sie die Stückliste aus dem Kalkulator ab.
- Auftragsbestätigung prüfen: Sie erhalten eine Bestätigung per E-Mail mit Teilen, Mengen, Preisen und Fracht. Vergleichen Sie sie mit Ihrer Anfrage.
- Unterschreiben: Verbindlich wird die Bestellung, sobald Sie die Bestätigung unterschrieben zurückschicken.
- Vorkasse: Die Zahlung erfolgt per Vorkasse. Andere Zahlungsarten bieten wir nicht an.
- Lieferung oder Abholung: Per Spedition zu Ihnen oder Abholung in Leipzig.
Planen Sie die Anlieferung mit: Ein Gerüst wiegt grob 10 bis 20 kg je m² Gerüstfläche. 300 m² sind also drei bis sechs Tonnen. Der Lkw braucht Platz zum Abladen, und das Material braucht eine trockene, ebene Lagerfläche.
Nach der Lieferung: Wareneingang
Wenn der Lkw da ist, nehmen Sie sich Zeit für den Wareneingang. Zählen Sie die Teile nach Arten und vergleichen Sie die Zahlen mit der Auftragsbestätigung. Bündel und Paletten lassen sich meist gut überblicken, bei losen Teilen hilft eine Strichliste. Fehlt etwas oder ist ein Teil beim Transport beschädigt worden, notieren Sie es gleich auf dem Lieferschein und machen Sie Fotos.
Lagern Sie das Material danach geordnet: Rahmen stehend oder liegend auf Kanthölzern, Beläge flach und abgedeckt, Kleinteile wie Kupplungen und Fallstecker in Kisten. Wer gleich beim Abladen sortiert, spart beim ersten Aufbau viel Sucherei. Und wer weiß, was er hat, kann fehlende Teile rechtzeitig nachbestellen, statt mitten im Aufbau festzustellen, dass zwei Geländer fehlen.
Vor dem ersten Einsatz gehen Sie die Teile noch einmal durch, so wie es die Anleitung für jedes Gerüst verlangt: Sichtprüfung auf Verformungen, Risse und fehlende Sicherungen. Was auffällt, kommt beiseite und wird nicht verbaut.
Was kostet ein gebrauchtes Gerüst?
Stand Oktober 2026 liegen gebrauchte Rahmengerüste aus unseren Paketen meist bei 28 bis 36 € netto je m² Gerüstfläche, die Spanne reicht von etwa 15 bis 55 €. Gebrauchtes Layher Allround als Modulgerüst liegt um 42 € je m². Kleine Pakete und Komplettausstattung sind teurer pro Quadratmeter. Fracht und Mehrwertsteuer kommen hinzu. Diese Werte sind Richtwerte zur Orientierung, den verbindlichen Preis nennt die Auftragsbestätigung.
Checkliste: gebrauchtes Gerüst kaufen
- System festgelegt, bei Bestand: System sicher bestimmt
- Breite und Feldlänge gewählt
- Gerüstfläche je Seite gemessen und addiert
- Basis- oder Komplettpaket entschieden
- Stückliste auf Plausibilität geprüft
- Zustand besprochen, bei Bedarf Besichtigung oder Video vereinbart
- AuV und Zulassungsunterlagen beschafft
- Abladestelle und Lagerplatz geklärt
- Auftragsbestätigung geprüft und unterschrieben, Vorkasse überwiesen
Häufige Fehler beim Gebrauchtkauf
Nur auf den Quadratmeterpreis schauen. Ein günstiges Paket ohne Bordbretter und Durchstieg ist kein Schnäppchen, wenn Sie beides nachkaufen müssen. Vergleichen Sie immer die Ausstattung.
Systeme mischen. Ein günstiger Posten eines anderen Herstellers passt nicht zu Ihrem Bestand, auch wenn er ähnlich aussieht. Bleiben Sie bei einem System.
Die Höhe unterschätzen. Wer nur bis zur Traufe rechnet, steht beim Dach eine Lage zu tief. Planen Sie eine Arbeitslage über der Traufe ein, oder ein Dachfanggerüst, wenn am Dach gearbeitet wird.
Anker vergessen. Anker werden nach dem Abbau oft abgeschnitten oder bleiben in der Wand. Prüfen Sie, ob genug für Ihr Ankerraster in der Liste stehen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Basispaket und Komplettpaket?
Beim Basispaket fehlen zwei Dinge: Bordbretter liegen nicht in jedem Feld, und ein Durchstieg ist nicht dabei. Alles Tragende samt Belägen, Geländern, Diagonalen und Ankern ist enthalten. Das Komplettpaket deckt dagegen alles ab, was die Aufbau- und Verwendungsanleitung für die Regelausführung verlangt.
Sind die Fotos beim Paket die Teile, die ich bekomme?
Nein, es sind Beispielfotos aus unserem gemischten Lager. Das gelieferte Material entspricht System und Stückliste, sieht aber im Einzelnen anders aus. Wer die Teile vorher sehen möchte, kann sie in Leipzig oder per Video besichtigen.
Kann ich auf Rechnung kaufen?
Nein, wir liefern nur gegen Vorkasse. Nach Ihrer Unterschrift unter die Auftragsbestätigung überweisen Sie den Betrag, danach geht das Material in die Lieferung oder steht zur Abholung bereit.
Bekomme ich die Aufbau- und Verwendungsanleitung mitgeliefert?
Die AuV stammt vom Hersteller des Systems und ist bei vielen Herstellern online oder auf Anfrage erhältlich. Besorgen Sie die passende Fassung vor dem Aufbau und halten Sie sich daran.
Mit welcher Gerüstfläche muss ich beim Einfamilienhaus rechnen?
Grundriss und Höhe entscheiden. Rundum eingerüstet kommen bei einem typischen Einfamilienhaus schnell 250 bis 350 m² Gerüstfläche zusammen, für zwei Seiten entsprechend weniger. Der Gerüstkalkulator rechnet es für Ihre Maße aus.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.