Kosten & Planung · 9 Min. Lesezeit

Einrüsten planen: in zehn Schritten zum passenden Gerüst

Von der Frage, wer auf dem Gerüst arbeitet, bis zum Lkw vor der Tür: zehn Planungsschritte, die Ärger auf der Baustelle ersparen, mit Zeitplan und Checkliste.

Die meisten Probleme mit einem Gerüst entstehen nicht beim Aufbau, sondern vorher: Die Lage passt nicht zur Arbeitshöhe, die Breite reicht nicht für das Material, der Lkw kommt nicht ans Haus, oder die Genehmigung für den Gehweg fehlt am Liefertag. Mit einer halben Stunde Planung am Schreibtisch und einem Rundgang ums Haus lassen sich diese Fallen umgehen. Die folgenden zehn Schritte bauen aufeinander auf; arbeiten Sie sie am besten der Reihe nach ab. Am Ende jedes Schritts steht eine Notiz, die Sie später für die Anfrage, für die Absprache mit den Handwerkern und für den Aufbau selbst wieder brauchen. Ein einfaches Blatt pro Hausseite genügt.

Schritt 1: Arbeiten und Gewerke klären

Am Anfang steht die Frage, was vom Gerüst aus gemacht wird und von wem. Ein Anstrich stellt andere Anforderungen als eine Dämmung, und ein Dachdecker braucht die oberste Lage an anderer Stelle als ein Maler. Schreiben Sie auf:

  • welche Arbeiten anstehen und in welcher Reihenfolge,
  • welche Gewerke beteiligt sind, auch Eigenleistung,
  • welches Material auf den Belägen abgestellt wird: Farbeimer, Putzsäcke, Dämmplatten, Steine, Dachziegel,
  • wie lange das Gerüst stehen soll, mit einem realistischen Puffer.

Nutzen mehrere Gewerke dasselbe Gerüst, richtet sich die Ausführung nach dem anspruchsvollsten Einsatz. Wer das Gerüst stellt und wer es benutzt, sollte vorher feststehen, denn daran hängen Prüfung und Verantwortung.

Schritt 2: Lastklasse und Breite wählen

Aus den Arbeiten ergeben sich Lastklasse und Breite. Die Lastklassen nach DIN EN 12811-1 geben an, welche gleichmäßig verteilte Last je m² der Belag tragen muss: LK1 0,75, LK2 1,50, LK3 2,00, LK4 3,00, LK5 4,50 und LK6 6,00 kN/m². Die Breite wird in Klassen von W06 bis W24 angegeben; W06 steht für 0,6 bis unter 0,9 m.

Arbeitübliche Wahl
Anstrich, Ausbesserung, Fensterarbeitenschmal, etwa 0,73 m, Lastklasse 3
Putz mit Material auf der LageLastklasse prüfen, bei Bedarf breiter
Mauerwerk, Natursteinbreit, etwa 1,09 m, höhere Lastklasse
Dacharbeitenwie Fassade, zusätzlich Fanggerüst mit Schutzwand

Was die Klassen im Einzelnen bedeuten, erklärt der Ratgeber zu den Gerüstklassen. Für die meisten Arbeiten am Wohnhaus genügt ein schmales Rahmengerüst; das breite Gerüst ist schwerer, teurer und braucht mehr Platz vor der Wand.

Schritt 3: Höhe und Fläche festlegen

Bestimmen Sie für jede Seite den höchsten Punkt, an dem gearbeitet wird. Die oberste Belaglage liegt etwa 2 m darunter, denn so weit reichen Sie vom Belag aus. Bei einem Lagenabstand von 2,00 m ergeben sich daraus die übrigen Lagen. Die Fläche je Seite ist Gerüstlänge mal oberste Lage plus 2 m; an Ecken und freien Enden kommt etwas Länge hinzu. Notieren Sie die Werte je Seite, nicht nur die Summe, damit später klar ist, welche Seite wie hoch wird.

Schritt 4: Untergrund prüfen

Alle Lasten des Gerüsts landen über wenige Fußplatten im Boden. Gibt eine Stelle nach, verzieht sich das ganze Gerüst. Gehen Sie deshalb die Aufstellfläche Meter für Meter ab:

  • Pflaster und Beton: meist unproblematisch, trotzdem auf Hohlstellen achten.
  • Rasen, Beet, Kies: Lastverteilende Unterlagen unter jede Fußspindel, keine losen Steine als Ausgleich.
  • Gefälle: Die Fußspindeln gleichen nur begrenzt aus. Bei stärkerer Neigung braucht es zusätzliche Maßnahmen nach Anleitung.
  • Lichtschächte, Kellerabgänge, frische Gräben: tragfähig überbrücken oder umgehen.
  • Frost: Gefrorener Boden kann bei Tauwetter nachgeben; bei Arbeiten im Winter nachprüfen.

Schritt 5: Hindernisse erfassen

Machen Sie Fotos von jeder Seite und markieren Sie alles, was dem Gerüst im Weg ist: Vordächer, Balkone, Erker, Markisen, Fallrohre, Außenlampen, Satellitenschüsseln, Wintergärten, Bäume und Hecken. Für jedes Hindernis gibt es eine Lösung: Abbauen, Überbrücken mit Gitterträgern, Ausweichen mit Konsolen oder ein kürzeres Feld an dieser Stelle. Wichtig ist, dass Sie die Lösung vorher kennen, denn sie verändert die Stückliste.

Ein Sonderfall sind Stromleitungen am Haus oder in der Nähe. Freileitungen und Hausanschlüsse über Dach müssen vor dem Aufbau mit dem Netzbetreiber geklärt werden; das Gerüst darf ihnen nicht zu nahe kommen.

Schritt 6: Zugang planen

Wie kommen Menschen und Material auf das Gerüst? Bei kleinen Gerüsten am Wohnhaus ist der innenliegende Leitergang üblich: Durchstiegsböden mit eingebauter Leiter, von Lage zu Lage versetzt angeordnet, damit niemand durch mehrere Lagen fallen kann. Die Klappen bleiben geschlossen, außer beim Durchsteigen. Bei großen Gerüsten, vielen Nutzern oder häufigem Materialtransport ist ein Treppenturm die bequemere und sicherere Lösung. Für schwere Materialien wie Dachziegel oder Putzsäcke lohnt ein Aufzug oder ein Kran, statt alles über die Leitern zu tragen.

Denken Sie beim Zugang auch an die Zeit nach Feierabend. Ein Gerüst lädt Kinder zum Klettern und Fremde zum Einsteigen ins Obergeschoss ein. Entfernen Sie die unterste Leiter, sperren Sie den Aufstieg ab oder verschließen Sie den untersten Durchstieg. Ein Hinweisschild am Zugang, ob das Gerüst freigegeben oder gesperrt ist, gehört ohnehin dazu.

Schritt 7: Verankerungsgrund prüfen

Ein Fassadengerüst wird an der Wand verankert, und das Raster der Anker schreibt die Aufbau- und Verwendungsanleitung vor. Die Wand muss die Kräfte aufnehmen können. Prüfen Sie deshalb, woraus sie besteht:

  • Beton und Vollziegel: gut geeignet.
  • Lochsteine und Porenbeton: nur mit passenden Dübeln, gegebenenfalls mit Probebelastung.
  • Wärmedämmverbundsystem: Verankerung durch die Dämmung bis ins tragende Mauerwerk, mit entsprechend langen Haltern.
  • Fachwerk, Klinkervorsatz, Naturstein: Ankerpunkte gezielt wählen, im Zweifel fachlich beraten lassen.

Planen Sie außerdem ein, ob Netze oder Planen angebracht werden. Sie vergrößern die Windangriffsfläche erheblich, und das Gerüst muss dann dichter verankert werden. Mehr dazu im Ratgeber Gerüst verankern.

Schritt 8: Genehmigungen und Nachbarn

Sobald auch nur eine Fußspindel auf Gehweg oder Fahrbahn landet, ist eine Erlaubnis der Gemeinde nötig. Die Regeln und Bearbeitungszeiten sind von Ort zu Ort verschieden; fragen Sie früh beim zuständigen Amt nach. Was dabei üblicherweise verlangt wird, beschreibt der Ratgeber Gerüst auf Gehweg und Straße.

Muss das Gerüst auf dem Nachbargrundstück stehen, regeln die Nachbarrechtsgesetze der Länder, unter welchen Bedingungen das zulässig ist. Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Nachbarn und halten Sie die Absprache schriftlich fest. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Gerüst auf dem Nachbargrundstück.

Schritt 9: Termine abstimmen

Ein Gerüst ist ein Glied in einer Kette. Planen Sie rückwärts vom ersten Arbeitstag des ersten Gewerks:

ZeitpunktWas passiert
frühGenehmigungen beantragen, Nachbarn informieren
vor der BestellungMaße, Klasse, Breite, Stückliste festlegen
nach der AnfrageAuftragsbestätigung prüfen, unterschreiben, Vorkasse leisten
LiefertagZufahrt frei, Helfer da, Material geprüft abgeladen
vor ArbeitsbeginnAufbau, Prüfung, Kennzeichnung am Zugang
während der ArbeitenPrüfung vor Benutzung, nach Sturm und längeren Pausen
EndeAbbau, Sortieren, Rücktransport oder Verkauf

Gebrauchte Ware aus unserem Lager ist meist kurzfristig lieferbar; bei neuen Systemen gilt die jeweils genannte Lieferzeit. Rechnen Sie zwischen Unterschrift und Lieferung die Zeit für die Vorkasse-Zahlung mit ein.

Schritt 10: Materialliste und Lieferung

Jetzt laufen alle bisherigen Entscheidungen zusammen. Prüfen Sie vor der Bestellung, ob Ihre Notizen zu jedem Schritt vollständig sind; eine fehlende Angabe zu Hindernissen oder Wandaufbau zeigt sich sonst erst beim Aufbau, wenn Teile fehlen.

Aus Fläche, System, Breite und Anleitung entsteht die Stückliste. Am schnellsten erstellt sie der Gerüstkalkulator; einzelne Teile können Sie zusätzlich über den Anfragekorb anfragen. Denken Sie auch an das, was nicht im Paket steckt: Dübel und Ringschrauben, Unterlagen für weichen Boden, Netze, Werkzeug, Schutzausrüstung.

Für die Lieferung zählt der Platz vor dem Haus. Ein Gerüst für ein Einfamilienhaus wiegt grob 10 bis 20 kg je m², rundum also mehrere Tonnen. Klären Sie, wo der Lkw halten darf, ob er zum Abladen auf den Gehweg muss und wer ablädt. Legen Sie das Material sortiert und nah an der Stelle ab, an der der Aufbau beginnt; das spart später viele Wege.

Checkliste: Ist die Planung vollständig?

  • Arbeiten, Gewerke, Reihenfolge und Standzeit stehen fest.
  • Lastklasse und Breite passen zu den Arbeiten und zum abgestellten Material.
  • Oberste Lage und Fläche sind je Seite notiert.
  • Untergrund ist geprüft, Unterlagen sind eingeplant.
  • Hindernisse sind fotografiert, Lösungen sind festgelegt.
  • Zugang und Materialtransport nach oben sind geklärt.
  • Wandaufbau ist bekannt, Dübel passen, Netze sind berücksichtigt.
  • Genehmigung für öffentlichen Grund liegt vor oder ist beantragt.
  • Nachbar ist informiert, Absprache ist schriftlich.
  • Termine sind mit allen Gewerken abgestimmt.
  • Stückliste ist vollständig, Zubehör ist bestellt.
  • Zufahrt, Abladestelle und Helfer sind organisiert.
  • Eine Person mit Erfahrung baut auf oder begleitet den Aufbau und prüft das Gerüst vor der ersten Benutzung.

Häufige Planungsfehler

  1. Nur an den Maler gedacht: Später kommt der Dachdecker dazu, und die oberste Lage liegt zu tief oder es fehlt der Dachfang.
  2. Dämmstärke vergessen: Nach dem Anbringen der Platten ist der Spalt zur Wand zu groß, und Innenkonsolen müssen nachbestellt werden.
  3. Genehmigung zu spät beantragt: Der Lkw steht vor der Tür, das Gerüst darf aber noch nicht auf den Gehweg.
  4. Kein Platz zum Abladen: Mehrere Tonnen Material landen im Vorgarten oder auf der Straße.
  5. Zugang als Nebensache: Ohne durchdachten Aufstieg wird über Leitern von außen geklettert, was unsicher und mühsam ist.
  6. Standzeit zu knapp angesetzt: Bei Miete wird es teuer, beim Kauf drängt sich der Wiederverkauf nach hinten.

Wer hilft bei der Planung?

Bei einem schlichten Haus kommen Sie mit diesem Ratgeber, dem Kalkulator und der Anleitung des Herstellers weit. Wird es komplizierter, etwa bei Hanglage, großen Vorsprüngen, Dachfang, hohen Gebäuden oder Abweichungen von der Regelausführung, holen Sie fachlichen Rat ein. Weicht der Aufbau von der Regelausführung der Anleitung ab, ist ein Standsicherheitsnachweis im Einzelfall nötig. Schicken Sie uns gern Maße und Fotos mit Ihrer Anfrage; dann können wir einschätzen, welche Teile Sie brauchen.

Häufige Fragen

Wie lange vorher sollte ich ein Gerüst planen?

So früh, dass Genehmigungen, Absprachen mit Nachbarn und die Lieferung vor dem ersten Arbeitstag erledigt sind. Die Bearbeitungszeit für eine Erlaubnis auf öffentlichem Grund ist örtlich verschieden; fragen Sie deshalb zuerst dort nach.

Welche Lastklasse brauche ich für Malerarbeiten?

Farbe, Werkzeug und zwei, drei Personen trägt ein Belag der Lastklasse 3 (2,00 kN/m²) ohne Weiteres. Wird viel Material auf den Belägen abgestellt, etwa beim Putzen oder Mauern, prüfen Sie, ob eine höhere Klasse nötig ist.

Wann muss ich bei der Gemeinde etwas beantragen?

Wenn das Gerüst öffentlichen Grund wie Gehweg oder Straße belegt. Bleibt es vollständig auf Ihrem Grundstück, ist das in der Regel nicht nötig; für das Nachbargrundstück gelten die Nachbarrechtsgesetze der Länder.

Was tun, wenn die Fassade gedämmt ist?

Die Anker müssen durch die Dämmung bis in das tragende Mauerwerk reichen, dafür gibt es lange Gerüsthalter. Klafft zwischen Belag und Fassade mehr als 0,30 m, gehören Innenkonsolen oder ein wandseitiger Seitenschutz dazu.

Kann ich die Stückliste selbst erstellen?

Ja, mit Fläche, System und Anleitung des Herstellers. Schneller geht es mit dem Gerüstkalkulator, der aus den Maßen je Seite Fläche und Materialbedarf berechnet.

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Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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