Aufbau & Technik · 9 Min. Lesezeit

Gerüst verankern: Halter, Dübel und Ankergrund richtig wählen

Woran ein Fassadengerüst hängt: Welche Gerüsthalter es gibt, welcher Dübel in welchen Wandbaustoff gehört, wie das Ankerraster aus der Anleitung zu lesen ist und warum Netze und Planen mehr Anker verlangen.

Gerüsthalter zum Verankern an der Fassade
Gerüsthalter zum Verankern an der Fassade

Ein Fassadengerüst ist schmal, hoch und bietet dem Wind viel Fläche. Ohne Verbindung zur Wand würde es schon bei einer kräftigen Böe umkippen. Die Anker halten das Gerüst nicht in der Höhe, das Gewicht geht über die Stiele in den Boden. Sie halten es senkrecht und verhindern, dass es sich von der Fassade weg oder auf sie zu bewegt. Wer das Prinzip verstanden hat, erkennt schnell, wo an einem Gerüst gespart wurde.

Was ein Anker leisten muss

Am Gerüst wirken drei Arten von Kräften, die über die Anker in die Wand gehen:

  • Zug und Druck rechtwinklig zur Fassade: Wind drückt das Gerüst gegen die Wand oder saugt es von ihr weg. Der Sog auf der windabgewandten Seite eines Gebäudes wird oft unterschätzt.
  • Kräfte parallel zur Fassade: Wind, der seitlich am Haus entlangstreicht, will das Gerüst längs verschieben. Diese Kräfte nehmen in erster Linie die Diagonalen auf, an bestimmten Stellen zusätzlich spezielle Anker.
  • Stabilisierung der Stiele: Ein Stiel, der über viele Meter frei steht, kann seitlich ausknicken. Jeder Anker verkürzt diese freie Länge.

Deshalb ist nicht nur die Zahl der Anker entscheidend, sondern auch ihre Lage. Ein Anker an der falschen Stelle, etwa mitten am Riegel statt nahe am Knoten, bringt deutlich weniger.

Die Gerüsthalter im Überblick

Der Gerüsthalter ist ein Rohr mit Haken am Wandende und wird mit einer Normalkupplung am Gerüststiel befestigt. Der Haken greift in eine Öse, die in der Wand verschraubt ist. Je nach Aufgabe gibt es verschiedene Formen:

HaltertypBefestigung am GerüstTypischer Einsatz
Kurzer HalterEine Kupplung am inneren StielStandardanker, wenn das Gerüst nah an der Wand steht
Langer HalterZwei Kupplungen, an innerem und äußerem StielVerteilt die Kraft auf beide Stiele, nötig bei größerem Wandabstand oder nach AuV an bestimmten Stellen
V-Halter (Dreiecksanker)Zwei Halter im Winkel an einer ÖseNimmt zusätzlich Kräfte parallel zur Fassade auf, etwa an den Gerüstenden
Ringöse mit Rohr und KupplungenIndividuell, mit Rohren und Kupplungen gebautSonderfälle: Pfeiler, Stahlträger, Dachüberstände

Welcher Typ an welche Stelle gehört, legt die Aufbau- und Verwendungsanleitung fest. Bei Rahmengerüsten sieht sie häufig eine Mischung vor: kurze Halter im Regelfeld, V-Halter in bestimmten Abständen. Sie finden alle drei Formen in unseren Gerüstankern, die Kupplungen dazu unter Gerüstkupplungen.

Dübel und Ringschrauben

Die eigentliche Verbindung zur Wand bilden ein Dübel und eine Ringschraube mit Öse. Verbreitet sind Ringschrauben mit 12 mm Gewinde in Kunststoffdübeln mit 14 mm Bohrdurchmesser. Die Schraube muss so lang sein, dass sie den Dübel ganz ausfüllt und die Öse nicht in der Putzschicht, sondern dicht vor dem tragenden Mauerwerk sitzt.

  • Kunststoffdübel: Standard für Beton und Vollsteine, preiswert, verbleiben nach dem Abbau in der Wand.
  • Dübel für Lochsteine: Längere Spreizzonen oder Injektionsanker mit Siebhülse, damit der Dübel nicht nur in einem Steg hält.
  • Schwerlastanker aus Stahl: Für Beton, wenn hohe Kräfte zu erwarten sind, zum Beispiel bei bekleideten Gerüsten.

Halten Sie sich an die Angaben des Dübelherstellers zu Bohrdurchmesser, Bohrtiefe, Randabstand und Untergrund. Ein mit Schlagbohrung aufgeweitetes Loch in einem Lochziegel ist der häufigste Grund, warum Anker beim Ausziehversuch versagen. In Lochsteinen deshalb ohne Schlag bohren.

Der Ankergrund: Wo hält ein Anker?

Die Wand ist das schwächste Glied. Vor dem Bohren lohnt sich ein genauer Blick auf den Aufbau der Fassade.

Beton und Stahlbeton

Der beste Ankergrund. Ideal sind Deckenstirnen und Ringbalken, weil sie massiv sind und meist ohnehin in der Ankerebene liegen. Achten Sie auf Bewehrung: Trifft der Bohrer Stahl, setzen Sie das Loch etwas versetzt neu.

Mauerwerk

Vollziegel und Kalksandstein halten gut. Hochlochziegel und Porenbeton sind heikel, weil der Dübel nur wenig Material zum Verspreizen findet. Hier sind passende Dübel und vor allem ein Ausziehversuch Pflicht. Bei altem Mauerwerk mit mürbem Mörtel setzen Sie den Anker lieber in den Stein als in die Fuge.

Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Dämmplatten tragen keine Ankerkräfte. Der Anker muss durch die Dämmung hindurch bis ins tragende Mauerwerk reichen. Dafür gibt es lange Ringschrauben oder spezielle Gerüstanker für gedämmte Fassaden. Nach dem Abbau werden die Löcher mit passenden Dämmstopfen verschlossen, damit keine Feuchtigkeit eindringt und keine Wärmebrücke sichtbar bleibt. Mehr dazu im Ratgeber Gerüst für Fassadendämmung.

Holz, Fachwerk, Vorhangfassade

Bei Holz verwendet man Holzschrauben mit Öse in tragenden Balken, nicht in Verkleidungsbrettern. Vorgehängte Fassaden aus Platten oder Blech sind als Ankergrund ungeeignet; hier wird durch die Fuge in den Rohbau dahinter verankert oder an Fensterlaibungen und Deckenstirnen ausgewichen.

Das Ankerraster aus der AuV lesen

Die Aufbau- und Verwendungsanleitung zeigt in Skizzen, wo die Anker in der Regelausführung sitzen. Diese Skizzen sind nach mehreren Fällen unterschieden:

  • Unbekleidetes Gerüst: die geringste Ankerzahl, weil Wind durch das offene Gerüst hindurchgeht.
  • Mit Netzen bekleidet: dichteres Raster, weil Netze einen Teil des Windes auffangen.
  • Mit Planen bekleidet: nochmals dichter. Eine geschlossene Plane wirkt wie ein Segel.

Zusätzlich unterscheidet die AuV meist nach Gerüstbreite und danach, ob Konsolen außen angebaut sind. Lesen Sie das Raster für genau Ihren Fall ab. Das Raster für ein offenes Gerüst gilt nicht mehr, sobald Sie später Netze aufhängen. Wer erst nach dem Aufbau Netze gegen Farbnebel oder Staub anbringt, muss vorher nachankern.

Ist die passende AuV nicht zur Hand, etwa bei älterem Gebrauchtmaterial, lassen Sie sich die zum System passende Fassung geben. Warum das wichtig ist, erklärt der Ratgeber Aufbau- und Verwendungsanleitung. Weicht Ihr Gerüst von der Regelausführung ab, braucht es einen Standsicherheitsnachweis im Einzelfall.

Wo genau der Anker sitzt

Neben dem Raster selbst zählen ein paar praktische Details, die in keiner Skizze ausführlich stehen, aber über die Wirksamkeit entscheiden:

  • Nah am Knoten: Der Halter wird am Stiel möglichst dicht unter oder über dem Anschluss der Beläge befestigt. Dort ist das Gerüst am steifsten, und die Kraft muss keinen langen Umweg nehmen.
  • Waagerecht zur Wand: Ein schräg nach oben oder unten laufender Halter überträgt einen Teil der Kraft als Hebel auf die Öse. Setzen Sie die Bohrung deshalb auf Höhe der Kupplung.
  • Randabstand beachten: Zu dicht an einer Fensterlaibung, Gebäudekante oder Fuge bricht das Material eher aus. Lieber eine Steinreihe tiefer oder ein Stück seitlich bohren.
  • Oberste Lage: Das Gerüst ragt über die letzte Ankerlage hinaus. Wie weit es dort frei auskragen darf, gibt die Anleitung vor. Häufig ist in der obersten Lage ein zusätzlicher Anker nötig, gerade wenn dort Seitenschutz für Dacharbeiten montiert ist.

Hindernisse wie Fallrohre, Markisen oder Außenleuchten verschieben einzelne Anker. Weichen Sie dann im Rahmen der Anleitung auf den nächsten zulässigen Punkt aus, statt den Anker ersatzlos wegzulassen.

Ausziehversuch: Hält der Anker wirklich?

Ob ein Dübel im konkreten Mauerwerk die nötige Kraft aufnimmt, sieht man ihm nicht an. Deshalb wird ein Teil der Anker probebelastet. Ein Prüfgerät mit Kraftanzeige wird an der Öse eingehängt und zieht mit einer festgelegten Kraft. Hält der Dübel ohne Bewegung, ist er in Ordnung.

  • Wie viele Anker zu prüfen sind und mit welcher Prüflast, ergibt sich aus der AuV, der Zulassung des Dübels und der Handlungsanleitung DGUV Information 201-011. Bei unbekanntem oder schwachem Ankergrund werden mehr Anker geprüft.
  • Die Ergebnisse gehören ins Prüfprotokoll: Ort, Ankergrund, Dübeltyp, Prüflast, Ergebnis.
  • Versagt ein Anker, wird nicht nur dieser ersetzt. Die Ursache wird geklärt, denn meist betrifft sie die ganze Wand.

Für Privatleute ohne Prüfgerät: Viele Gerüstbaubetriebe und manche Verleiher führen den Ausziehversuch als Dienstleistung durch. Das ist gut investiertes Geld, gerade bei Hochlochziegeln.

Netze und Planen: mehr Fläche, mehr Kraft

Netze gegen Farbnebel und Planen gegen Staub oder Witterung machen aus einem luftigen Gerüst eine geschlossene Fläche. Die Windlast steigt damit erheblich. Drei Regeln:

  1. Netz oder Plane erst aufhängen, wenn genügend zusätzliche Anker für diesen Fall gesetzt sind.
  2. Bei angekündigtem Sturm Planen öffnen oder abnehmen, wenn die AuV dies vorsieht. Ein Gerüst mit gerissener Plane schlägt hin und her und lockert Anker.
  3. Nach jedem Sturm Anker und Kupplungen kontrollieren, bevor jemand das Gerüst wieder betritt.

Ausführlicher beschreibt das der Ratgeber Wind und Wetter.

Häufige Fehler bei der Verankerung

  • Anker entfernen, weil er stört: Ein Halter vor dem Fenster, das gerade getauscht wird, wird kurzerhand abgebaut. Richtig ist, vorher einen Ersatzanker daneben zu setzen.
  • Kupplung lose: Die Kupplung am Stiel wird nur handfest angezogen. Normalkupplungen werden mit dem vorgesehenen Drehmoment angezogen, typischerweise mit dem Gerüstschlüssel SW 22.
  • Öse im Putz: Die Ringschraube steckt nur wenige Zentimeter im Mauerwerk, der Rest im Putz. Beim ersten Zug bricht der Putz aus.
  • Anker fern vom Knoten: Halter in Feldmitte am Riegel befestigt statt nah am Stiel und Knotenpunkt.
  • Zu spät verankert: Das Gerüst wird erst bis oben aufgebaut und dann verankert.

Checkliste vor dem Bohren

  • Ankerraster für den richtigen Fall (offen, Netz, Plane) aus der AuV herausgesucht?
  • Fassadenaufbau bekannt: Putzstärke, Dämmung, Mauerstein?
  • Dübel und Ringschraube passend zum Untergrund, Länge bis ins tragende Material?
  • Haltertypen in ausreichender Zahl vorhanden, inklusive V-Halter?
  • Prüfgerät oder Dienstleister für den Ausziehversuch organisiert?
  • Dämmstopfen oder Mörtel zum Verschließen der Löcher nach dem Abbau besorgt?

Anker beim Gebrauchtkauf

Gerüsthalter sind einfache Teile, verschleißen aber trotzdem. Prüfen Sie gebrauchte Halter auf aufgebogene oder angerostete Haken, gequetschte Rohrenden und eingerissene Schweißnähte am Hakenansatz. Ein Haken, der sich unter Last aufbiegt, löst den Anker, ohne dass es vorher auffällt. Kupplungen am Halter sollten leichtgängig sein, ihre Schrauben dürfen kein ausgerissenes Gewinde haben. Ringschrauben und Dübel kauft man ohnehin neu, sie bleiben nach dem Abbau zum Teil in der Wand oder werden durch das Ein- und Ausdrehen schwächer.

Wenn Sie ein gebrauchtes Paket kaufen, gehören Anker zum Basispaket dazu. Prüfen Sie trotzdem, ob die Anzahl für Ihr Raster und Ihre Bekleidung reicht, und ergänzen Sie sie bei Bedarf. Den Aufbau insgesamt beschreibt der Ratgeber Gerüst aufbauen.

Häufige Fragen

Wie viele Anker braucht ein Fassadengerüst?

Das hängt vom System, der Gerüstbreite, der Höhe und der Bekleidung ab und steht im Ankerraster der Aufbau- und Verwendungsanleitung. Ein mit Planen bekleidetes Gerüst braucht deutlich mehr Anker als ein offenes.

Kann ich ein Gerüst an einer gedämmten Fassade verankern?

Ja, aber nicht in der Dämmung. Der Anker muss durch die Dämmschicht bis ins tragende Mauerwerk reichen, wofür es lange Ringschrauben und spezielle Gerüstanker gibt. Die Löcher werden nach dem Abbau mit Dämmstopfen verschlossen.

Was ist ein V-Halter?

Ein V-Halter besteht aus zwei Gerüsthaltern, die im Winkel an einer gemeinsamen Öse befestigt sind. Er nimmt nicht nur Kräfte rechtwinklig zur Wand, sondern auch parallel zur Fassade auf und wird an Stellen eingesetzt, die die Anleitung vorgibt.

Muss jeder Anker probebelastet werden?

Nein, in der Regel wird ein Teil der Anker geprüft. Wie viele und mit welcher Last, ergibt sich aus der Anleitung, der Dübelzulassung und den Unfallverhütungsregeln. Bei schwierigem Ankergrund werden mehr geprüft.

Bleiben die Dübel nach dem Abbau in der Wand?

Kunststoffdübel bleiben meist in der Wand, die Ringschraube wird herausgedreht. Die Öffnung wird anschließend mit einem Stopfen, Mörtel oder einer Abdeckkappe verschlossen.

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