Feldlängen, Breiten und Raster beim Gerüst
Welche Feldlängen und Breiten es gibt, wie Sie Felder sinnvoll auf eine Fassade verteilen und wie Sie Ihr Gerüst für den Nachkauf richtig ausmessen.

Ein Fassadengerüst ist aus gleichartigen Abschnitten zusammengesetzt, den Feldern. Wie lang ein Feld ist, bestimmt, welche Beläge, Geländer, Bordbretter und Diagonalen hineinpassen. Wer die Rastermaße seines Systems kennt, plant schneller, bestellt die richtigen Teile und vermeidet Lücken an der Fassade. Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Maße, zeigt an Beispielen, wie man eine Wand einteilt, und worauf es beim Ausmessen für den Nachkauf ankommt.
Begriffe: Feld, Feldlänge, Breite, Lage
- Feld: der Abschnitt zwischen zwei Stielpaaren beziehungsweise zwei Rahmen in Längsrichtung des Gerüsts.
- Feldlänge: der Abstand von Mitte Stiel bis Mitte Stiel in Längsrichtung, also das Achsmaß. Nicht der lichte Abstand zwischen den Rohren und nicht die Gesamtlänge eines Belags.
- Gerüstbreite: ebenfalls ein Achsmaß, gemessen quer zur Fassade von Stielmitte zu Stielmitte.
- Lage: eine Arbeitsebene mit Belägen. Der senkrechte Abstand zwischen zwei Lagen heißt Lagenabstand oder Lagenhöhe.
Alle Systemteile sind auf diese Achsmaße abgestimmt. Ein Belag für ein 2,57-m-Feld ist deshalb etwas länger als 2,57 m, weil er auf den Riegeln aufliegen muss, und der lichte Raum zwischen den Stielen ist etwas kürzer.
Die gängigen Feldlängen
Bei Systemgerüsten in Deutschland haben sich zwei Maßreihen durchgesetzt. Die weit verbreitete Reihe beruht auf einem eigenen Raster, dessen Werte keine runden Meterzahlen sind. Daneben gibt es Systeme mit metrischen Maßen.
| Maßreihe | Feldlängen | Breiten |
|---|---|---|
| Verbreitetes Standardraster | 0,73 · 1,09 · 1,57 · 2,07 · 2,57 · 3,07 m | 0,73 m und 1,09 m |
| Metrische Systeme | 2,50 · 3,00 m (dazu kürzere Ergänzungsfelder) | um 0,70 m und um 1,00 m |
Im Standardraster tauchen die Breiten 0,73 und 1,09 m auch als kurze Feldlängen auf. Das ist praktisch: Beläge und Geländer dieser Länge lassen sich bei manchen Systemen sowohl in Längs- als auch in Querrichtung verwenden, etwa an Gerüstecken oder bei Modulgerüsten, die in alle Richtungen erweitert werden. Ob Ihr System das erlaubt, verrät die AuV des Herstellers.
Welche Feldlänge für welchen Zweck?
Lange Felder sparen Material und Arbeitszeit, weil weniger Stiele, Anker und Fußpunkte nötig sind. Kurze Felder tragen mehr, weil die Beläge weniger weit spannen. Grob gilt:
- 3,07 m bzw. 3,00 m: wirtschaftlich für lange, glatte Fassaden mit leichten Arbeiten. Die erreichbare Lastklasse ist meist niedriger.
- 2,57 m bzw. 2,50 m: das Arbeitspferd am Wohnhaus. Guter Kompromiss aus Tragfähigkeit und Materialaufwand.
- 2,07 m: für höhere Lasten, für kurze Wandabschnitte oder als Ausgleichsfeld.
- 1,57 m und kürzer: Ausgleichsfelder, Ecken, Überbrückungen zwischen Hindernissen, schwere Lasten.
Welche Lastklasse in welcher Feldlänge mit welchem Belag erreicht wird, zeigt die AuV. Die Klassen selbst erklärt die Seite Gerüstklassen.
Gerüstbreite: schmal oder breit?
Die Breite entscheidet über Bewegungsraum und Ablagefläche. Schmale Gerüste mit 0,73 m bzw. rund 0,70 m sind leichter, schneller aufgebaut und genügen für Anstrich, Reinigung und kleinere Reparaturen. Breite Gerüste mit 1,09 m bzw. rund 1,00 m braucht man, sobald Material auf der Lage abgestellt wird, etwa beim Mauern, Putzen oder Dämmen. Mit Konsolen lässt sich eine Lage zur Wand hin verbreitern, wenn der Abstand zwischen Belag und Fassade sonst größer als 0,30 m wäre.
Lagenabstand und Höhe
Der übliche Lagenabstand beträgt 2,00 m. Die Rahmen eines Rahmengerüsts sind entsprechend 2,00 m hoch, bei Modulgerüsten liegen die Anschlussknoten in einem Raster, das ebenfalls 2,00 m Lagenhöhe erlaubt. Für die Planung heißt das: Die Lagen liegen bei rund 2, 4, 6, 8 m und so weiter über der Aufstandsfläche, wobei die Fußspindeln den Ausgleich bei unebenem Gelände schaffen.
Beispiel: Bei einer Traufhöhe von 6,30 m reicht in vielen Fällen eine oberste Lage auf etwa 6 m, sofern von dort aus bequem gearbeitet werden kann und die Absturzkante am Dach berücksichtigt ist. Für Dacharbeiten gelten zusätzliche Anforderungen an den Fangschutz. Wie man aus Länge und Höhe die Gerüstfläche errechnet, zeigt der Ratgeber Gerüstfläche ermitteln.
Felder auf eine Wand verteilen
Die Kunst besteht darin, die Fassade mit möglichst wenigen unterschiedlichen Feldlängen sauber abzudecken. Jede zusätzliche Länge bedeutet eigene Beläge, Geländer, Bordbretter und Diagonalen im Bestand.
Vorgehen in vier Schritten
- Gesamtlänge festlegen: Wandlänge plus Überstand an den Enden. An Gebäudeecken führt man das Gerüst meist etwas über die Kante hinaus, damit auch die Ecke von der Lage aus erreichbar ist.
- Hauptfeldlänge wählen: passend zur Last, in der Regel 2,57 m oder 3,07 m bzw. 2,50 m oder 3,00 m.
- Durch die Hauptlänge teilen: Die Anzahl ganzer Felder ermitteln, den Rest mit einem kürzeren Ausgleichsfeld schließen.
- Hindernisse prüfen: Fallrohre, Fenster, Eingänge, Kellerschächte. Notfalls Feldgrenzen verschieben, damit Fußpunkte und Anker an brauchbaren Stellen sitzen.
Rechenbeispiele im Standardraster
| Benötigte Länge | Variante A | Variante B |
|---|---|---|
| ca. 10,5 m | 4 × 2,57 m = 10,28 m (knapp, ggf. Überstand prüfen) | 3 × 3,07 m + 1 × 1,57 m = 10,78 m |
| ca. 12,0 m | 4 × 3,07 m = 12,28 m | 4 × 2,57 m + 1 × 1,57 m = 11,85 m |
| ca. 15,0 m | 5 × 3,07 m = 15,35 m | 5 × 2,57 m + 1 × 2,07 m = 14,92 m |
| ca. 8,0 m | 3 × 2,57 m = 7,71 m | 2 × 3,07 m + 1 × 2,07 m = 8,21 m |
Welche Variante besser ist, hängt von den Arbeiten ab. Für den Fassadenanstrich am Einfamilienhaus spricht vieles für einheitliche Felder mit 2,57 m. Für eine lange Lagerhalle mit leichten Arbeiten sind 3,07-m-Felder wirtschaftlicher. Wer ohnehin einen Bestand hat, richtet sich nach den Längen, von denen er die meisten Teile besitzt.
Ecken und Stirnseiten
An einer Gebäudeecke treffen zwei Gerüststränge aufeinander. Beim Rahmengerüst wird die Ecke meist mit einem kurzen Feld oder mit Konsolen und Belägen überbrückt, beim Modulgerüst schließt man die Ecke über Riegel direkt am Knoten an. Jede offene Stirnseite braucht einen vollständigen Seitenschutz. Planen Sie dafür Stirngeländer und Bordbretter ein.
Hindernisse überbrücken
Nicht immer lässt sich ein Fußpunkt dort setzen, wo das Raster ihn verlangt. Vor Hauseingängen, Garageneinfahrten oder über einem Wintergarten müssen Felder überbrückt werden. Dafür gibt es Gitterträger, die über ein oder zwei Felder spannen und die Stiele darüber abfangen. Auch hier gilt das Raster: Ein Gitterträger ist für bestimmte Feldlängen gebaut, und die AuV beschreibt, welche zusätzlichen Diagonalen und Anker an den Auflagern nötig sind.
Vom Raster zur Materialliste
Steht die Feldeinteilung, lässt sich der Materialbedarf ableiten. Je Feld und Lage brauchen Sie Beläge über die volle Breite, Geländer- und Zwischenholm bzw. ein Doppelgeländer an der Außenseite sowie ein Bordbrett. Je Stielpaar und Lage kommt ein Rahmen oder ein Stielpaar mit Riegeln dazu. Diagonalen und Gerüsthalter richten sich nach der Vorgabe der AuV, an den Stirnseiten zusätzlich Stirngeländer und Bordbretter. Ganz unten stehen Fußspindeln, oben schließt ein Geländer die letzte Lage ab. Wer diese Liste je Feldlänge getrennt führt, sieht sofort, welche Teile er mehrfach braucht und welche nur für ein einzelnes Ausgleichsfeld.
Typische Planungsfehler
- Zu viele Feldlängen: Wer jede Wand millimetergenau ausfüllen will, braucht am Ende fünf verschiedene Belaglängen und hat bei jeder zu wenig.
- Nur die Wandlänge gerechnet: Überstände an Ecken und der Platz für den Aufstieg fehlen in der Planung.
- Lange Felder bei schwerer Arbeit: Mit 3,07-m-Feldern wird die nötige Lastklasse für Maurerarbeiten oft nicht erreicht.
- Breite vergessen: Das schmale Gerüst reicht für die Malerarbeiten, aber nicht für die anschließende Dämmung mit Plattenlagerung.
- Feldgrenzen vor dem Fenster: Sitzt ein Stiel genau vor einer Fensterachse, stört er bei der Arbeit und beim Verankern.
Richtig messen für den Nachkauf
Wer Teile nachbestellt, sollte genau wissen, welches Rastermaß er hat. Ein Belag, der zwei Zentimeter zu kurz ist, liegt nicht auf. So messen Sie zuverlässig:
- Feldlänge am aufgebauten Gerüst: von Mitte Stiel bis Mitte Stiel. Einfacher geht es, wenn Sie bei beiden Stielen an derselben Seite ansetzen, also von der linken Kante des einen bis zur linken Kante des nächsten; das ergibt dasselbe Achsmaß.
- Lichter Abstand als Gegenprobe: Messen Sie zwischen den Rohren, ziehen Sie keinen Rohrdurchmesser ab, sondern addieren Sie ihn. Bei einem Rohr mit 48,3 mm ergibt ein lichter Abstand von etwa 2,02 m eine Feldlänge von 2,07 m.
- Belag im Lager: Die Gesamtlänge ist etwas größer als die Feldlänge. Ordnen Sie das Ergebnis dem nächstliegenden Rasterwert zu und vergleichen Sie mit einem Belag, dessen Feldlänge Sie sicher kennen.
- Breite: quer zur Fassade wieder als Achsmaß. Bei Rahmen hilft oft zusätzlich die Prägung am Bauteil weiter.
- Diagonalen: Ihre Länge hängt von Feldlänge und Lagenhöhe ab. Notieren Sie, für welche Feldlänge sie gebraucht werden, statt die Diagonale selbst zu vermessen.
Ein Foto vom Anschluss und vom Typenschild hilft zusätzlich, das System zu bestimmen. Denn gleiche Feldlängen bedeuten nicht, dass Teile verschiedener Systeme zusammenpassen; nachgekauft wird immer im eigenen System.
Schreiben Sie bei einer Anfrage am besten System, Feldlänge, Breite und Stückzahl je Bauteil auf, zum Beispiel „20 Stahlbeläge für 2,57 m, Breite 0,73 m“. Je genauer die Angaben, desto schneller lässt sich klären, was passt und vorrätig ist.
Checkliste: Raster planen und bestellen
- Welches System und welche Maßreihe haben Sie oder wollen Sie kaufen?
- Welche Breite verlangen die Arbeiten: rund 0,70 m oder rund 1,00 m?
- Welche Hauptfeldlänge passt zur benötigten Lastklasse?
- Wie viele Felder und welches Ausgleichsfeld ergeben sich je Wandseite?
- Wie viele Lagen bei 2,00 m Lagenabstand bis zur gewünschten Arbeitshöhe?
- Sind Ecken, Stirnseiten und Hindernisse mit eingeplant?
- Sind beim Nachkauf alle Maße als Achsmaß gemessen?
Mit diesen Angaben ist eine Materialliste schnell erstellt. Den Flächenbedarf und einen Richtpreis liefert unser Gerüstkalkulator. Einzelne Beläge, Diagonalen oder Geländer in Ihrer Feldlänge können Sie über die Seite Gerüstteile bestellen anfragen.
Häufige Fragen
Wie messe ich die Feldlänge richtig?
Von Mitte Stiel bis Mitte Stiel, also als Achsmaß. Am einfachsten setzen Sie bei beiden Stielen an derselben Seite an, etwa jeweils an der linken Kante. Den lichten Abstand zwischen den Rohren müssen Sie um einen Rohrdurchmesser ergänzen.
Warum heißen die Felder 2,57 m und nicht 2,50 m?
Das verbreitete Standardraster beruht auf einem eigenen Maßsystem, dessen Werte keine runden Meterzahlen ergeben. Daneben gibt es metrische Systeme mit 2,50 und 3,00 m. Beide Reihen sind etabliert, Teile werden aber immer im eigenen System nachgekauft.
Darf ich in einem Gerüst verschiedene Feldlängen kombinieren?
Innerhalb eines Systems ja, das ist üblich, um eine Wand passgenau abzudecken. Jede Feldlänge braucht allerdings eigene Beläge, Geländer, Bordbretter und Diagonalen. Bei der Lastklasse gilt jeweils der Wert des einzelnen Feldes.
Wie hoch ist eine Gerüstlage?
Der übliche Lagenabstand beträgt 2,00 m. Die Höhe der untersten Lage lässt sich mit den Fußspindeln an das Gelände anpassen. Die genauen Grenzen für den Spindelauszug stehen in der Anleitung des Herstellers.
Welche Feldlänge ist für ein Einfamilienhaus sinnvoll?
Häufig 2,57 m bzw. 2,50 m als Hauptlänge, ergänzt um ein kürzeres Ausgleichsfeld. Damit erreicht man bei vielen Systemen eine für Malerarbeiten und Putz passende Lastklasse und kommt mit überschaubarem Material aus.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.