Gerüstteile erklärt – vom Fuß bis zum Geländer
Ein Gerüst besteht aus einer Handvoll Bauteilarten mit klaren Aufgaben. Hier lernen Sie jedes Teil kennen: Funktion, übliche Maße und typische Fehlerquellen.

Wer zum ersten Mal ein Gerüst kauft, steht vor einer Stückliste voller Fachbegriffe: Fußspindel, Stellrahmen, Durchstieg, Bordbrett, Gerüsthalter. Dahinter steckt ein überschaubares Prinzip. Jedes Teil hat genau eine Aufgabe: Last abtragen, aussteifen, eine Fläche bilden, vor Absturz schützen oder das Gerüst am Gebäude halten. Fehlt eine dieser Funktionen, ist das Gerüst nicht vollständig.
Dieser Ratgeber stellt die Bauteile von unten nach oben vor. Zu jedem Teil finden Sie die Funktion, übliche Maße und die Punkte, auf die Sie beim Kauf und Aufbau achten sollten.
Übersicht: Teil und Aufgabe
| Bauteil | Aufgabe | Gehört zu |
|---|---|---|
| Fußspindel | Last in den Boden leiten, Höhe ausgleichen | allen Systemgerüsten |
| Stellrahmen | Senkrechte Last tragen, Belag aufnehmen | Rahmengerüst |
| Vertikalstiel | Senkrechte Last tragen, Knoten für Anschlüsse bieten | Modul- und Stielgerüst |
| Riegel | Stiele waagerecht verbinden, Belag tragen | Modul- und Stielgerüst, teils Rahmengerüst |
| Diagonale | Gerüst gegen Verschieben aussteifen | allen Systemgerüsten |
| Belag | Arbeits- und Lauffläche bilden | allen Gerüsten |
| Durchstieg | Sicheren Aufstieg zwischen den Lagen ermöglichen | allen Fassadengerüsten |
| Geländer | Seitenschutz in Hüfthöhe und Kniehöhe | allen Gerüsten |
| Bordbrett | Herabfallen von Gegenständen, Abrutschen der Füße verhindern | allen Gerüsten |
| Konsole | Belagfläche nach innen oder außen verbreitern | Fassadengerüsten |
| Gerüsthalter | Gerüst am Bauwerk verankern | allen Fassadengerüsten |
| Kupplung und Rohr | Freie Verbindungen und Ergänzungen | allen Systemen als Ergänzung |
| Gitterträger | Durchgänge und Hindernisse überbrücken | Fassadengerüsten |
| Treppe | Bequemen, sicheren Zugang schaffen | größeren Gerüsten, Baustellen |
Die tragenden Teile
Fußspindel
Die Fußspindel ist das unterste Bauteil. Sie besteht aus einer Fußplatte, einem Gewinderohr und einer Mutter, auf der der Stiel oder Rahmen aufsitzt. Mit der Mutter gleichen Sie Unebenheiten und Gefälle aus, damit die erste Lage waagerecht steht. Auf weichem Untergrund kommen lastverteilende Unterlagen wie Bohlen oder Kanthölzer unter die Fußplatte.
Worauf achten: Die Spindel darf nur so weit herausgedreht werden, wie es die Aufbau- und Verwendungsanleitung zulässt. Das Gewinde muss sauber laufen, das Rohr gerade sein. Bei starkem Gefälle sind längere Spindeln oder zusätzliche Ausgleichsteile nötig. Mehr unter Gerüstfüße und Spindeln.
Stellrahmen
Beim Rahmengerüst ist der Stellrahmen das Herzstück: zwei senkrechte Rohre, fest durch Querriegel verbunden. Rahmen werden übereinander gesteckt, die Verbindung übernimmt ein Zapfen oder Rohrverbinder. Am oberen Riegel liegen die Böden auf. Die übliche Rahmenhöhe entspricht dem Lagenabstand von 2,00 m; die Breite beträgt meist 0,73 m oder 1,09 m, bei metrischen Systemen um 0,70 m oder 1,00 m.
Daneben gibt es Ausgleichsrahmen mit geringerer Höhe und Sonderrahmen, zum Beispiel mit Durchgang für Fußgänger. Worauf achten: gerade Stiele, intakte Schweißnähte, vollständige Bolzen oder Kippstifte für Geländer und Diagonalen. Die Auswahl finden Sie bei den Stellrahmen.
Vertikalstiel
Modulgerüste und Stielgerüste bestehen nicht aus Rahmen, sondern aus einzelnen Stielen. An ihnen sitzen in festem Abstand Anschlussknoten, etwa Lochscheiben. Weil Riegel in mehrere Richtungen angeschlossen werden können, eignen sich diese Systeme für Ecken, Rundungen und Flächengerüste. Stiele gibt es in mehreren Längen, damit Stöße versetzt werden können. Übersicht unter Vertikalstiele.
Riegel
Riegel verbinden die Stiele waagerecht. Beim Modulgerüst unterscheidet man Längsriegel in Fassadenrichtung und Querriegel, auf denen der Belag aufliegt. Ihre Länge entspricht den Feldlängen und -breiten des Rasters, im verbreiteten Standardraster also 0,73, 1,09, 1,57, 2,07, 2,57 oder 3,07 m. Auch beim Rahmengerüst kommen Riegel vor, etwa als Abschluss oder bei Konsolen. Worauf achten: Keil und Riegelkopf müssen unbeschädigt sein. Siehe Gerüstriegel.
Aussteifung
Diagonale
Ein Gerüst aus Rahmen und Böden würde sich ohne Diagonalen in Fassadenrichtung verschieben wie ein Regal ohne Rückwand. Die Diagonale verbindet zwei Stiele schräg über ein Feld und hält das Gerüst im Winkel. Wie viele Felder ausgesteift werden müssen, regelt die Aufbau- und Verwendungsanleitung. Wichtig ist, dass die Diagonalen in jeder Lage vorhanden sind und vom Fuß bis zur obersten Lage durchlaufen. Diagonalen sind auf eine Feldlänge abgestimmt und daher in mehreren Längen erhältlich. Mehr unter Diagonalen.
Arbeitsfläche und Zugang
Belag
Beläge bilden die Fläche, auf der gearbeitet und gelaufen wird. Es gibt sie als Stahlboden, Aluboden, Robustboden mit Holzplatte im Alurahmen und als Holzbohle. Die meisten Systemböden sind rund 0,30 m breit. Ein Feld mit 0,73 m Breite wird mit zwei Böden belegt, eines mit 1,09 m mit drei. Die Länge folgt der Feldlänge. Welche Last ein Belag aufnehmen darf, hängt von Material und Länge ab und ist über die Lastklasse festgelegt, von LK1 mit 0,75 kN/m² bis LK6 mit 6,00 kN/m².
Worauf achten: Klauen gerade, Abhebesicherung vorhanden, keine bleibende Durchbiegung. Die Auswahl steht unter Gerüstbeläge und Böden, einen ausführlichen Vergleich der Materialien bietet der Ratgeber Gerüstbeläge im Vergleich.
Durchstieg
Der Durchstieg ist ein Belag mit einer Klappe und meist einer eingebauten Leiter. Über ihn steigen Sie im Inneren des Gerüsts von Lage zu Lage. Durchstiege werden von Lage zu Lage versetzt angeordnet, damit niemand durch mehrere Öffnungen hindurchfallen kann. Die Klappe bleibt außer beim Durchsteigen geschlossen. Mehr unter Durchstiege.
Treppe
Bei größeren oder länger stehenden Gerüsten, bei häufigem Materialtransport oder wenn viele Personen auf das Gerüst müssen, ist ein Treppenturm die bequemere Lösung. Treppen werden in ein eigenes Feld oder einen vorgestellten Turm eingebaut und haben eigene Geländer. Siehe Gerüsttreppen.
Seitenschutz
Geländer
Der Seitenschutz besteht aus drei Teilen: Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett. Der Geländerholm liegt mindestens 1,00 m über dem Belag, der Zwischenholm etwa auf halber Höhe. Bei Rahmengerüsten werden Geländer meist auf Bolzen am Stiel gesteckt und gesichert, bei Modulgerüsten an den Knoten befestigt. An den Stirnseiten eines Gerüsts sorgen Stirngeländer oder Geländerrahmen für den Abschluss. Siehe Geländer.
Bordbrett
Das Bordbrett steht hochkant am Rand des Belags und ist mindestens 0,15 m hoch. Es verhindert, dass Werkzeug, Material oder ein Fuß über die Kante rutschen. Bordbretter gibt es aus Holz und aus Metall, jeweils in den Feldlängen des Systems und als Stirnbordbrett für die Seitenenden. Siehe Bordbretter.
Erweiterung und Verankerung
Konsole
Konsolen werden seitlich an den Stiel gesetzt und tragen zusätzliche Böden. Innenkonsolen schließen den Spalt zwischen Gerüst und Wand, wenn dieser größer als 0,30 m ist. Außenkonsolen verbreitern die Arbeitsfläche oder tragen in der obersten Lage eine Schutzwand für Dacharbeiten. Es gibt sie für einen oder zwei Böden Breite. Auf einer Außenkonsole ist ein eigener Seitenschutz nötig. Siehe Gerüstkonsolen.
Gerüsthalter
Ein Fassadengerüst ist ohne Verankerung nicht standsicher. Gerüsthalter verbinden den Stiel mit einer Ringschraube, die in einem Dübel im Mauerwerk oder Beton sitzt. Es gibt kurze und lange Halter, je nach Wandabstand, und V-förmige Halter, die zwei Stiele gleichzeitig fassen und zusätzlich quer zur Fassade wirken. Wie viele Anker in welchem Abstand nötig sind, legt das Ankerraster des Herstellers fest. Netze oder Planen fangen mehr Wind und verlangen deshalb meist ein dichteres Raster. Siehe Gerüstanker.
Ergänzungsteile
Kupplung und Rohr
Mit Gerüstrohren mit 48,3 mm Durchmesser und Kupplungen lassen sich Teile verbinden, für die das System kein eigenes Bauteil vorsieht. Normalkupplungen verbinden zwei Rohre im rechten Winkel, Drehkupplungen in beliebigem Winkel. Halbkupplungen sitzen zum Beispiel an Gerüsthaltern. Rohre gibt es in vielen Längen; sie dienen als Zusatzaussteifung, Abstützung oder für Sonderlösungen an Vorsprüngen. Siehe Gerüstkupplungen und Gerüstrohre.
Gitterträger
Ein Gitterträger überbrückt Bereiche, in denen keine Stiele stehen können: Hauseingänge, Garagenzufahrten, Durchfahrten oder Vordächer. Er ist ein fachwerkartiger Träger, dessen Länge einem Vielfachen der Feldlänge entspricht. Auf ihm stehen die Stiele der darüberliegenden Lagen. Gitterträger brauchen zusätzliche Aussteifung und Verankerung nach Anleitung. Siehe Gitterträger.
Checkliste: Ist mein Gerüst vollständig?
Bevor Sie bestellen oder aufbauen, gehen Sie diese Liste durch. Sie zeigt, welche Teile in einem typischen Fassadengerüst aus Rahmen nicht fehlen dürfen.
- Unter jedem Stiel eine Fußspindel, bei weichem Boden lastverteilende Unterlagen
- Je Feld und Lage ein Rahmen, dazu einer am Ende jeder Lage
- Je Feld und Lage die volle Anzahl Böden für die Gerüstbreite
- In jeder Lage Durchstiege, versetzt angeordnet
- Diagonalen nach Vorgabe der Anleitung, durchgehend von unten nach oben
- Außen je Feld und Lage Geländer- und Zwischenholm sowie ein Bordbrett
- An den Stirnseiten Stirngeländer und Stirnbordbretter
- Innen Seitenschutz oder Konsolen, wenn der Wandabstand über 0,30 m liegt
- Gerüsthalter, Ringschrauben und Dübel nach Ankerraster
- Ergänzend: Kupplungen und Rohre für Sonderstellen
Typische Lücken in der Stückliste
Bei Bestellungen und beim Aufbau fehlen immer wieder dieselben Teile. Meist sind es nicht die großen Bauteile, sondern das, woran beim Zählen niemand denkt:
- Stirnseiten vergessen: Am Anfang und Ende jeder Lage braucht es eigenen Seitenschutz. Wer nur Felder zählt, übersieht ihn.
- Zu wenige Anker: Gerüsthalter werden oft knapp kalkuliert. Planen Sie zusätzlich Ringschrauben und Dübel ein, denn diese werden nicht wiederverwendet.
- Durchstiege übereinander: Wer alle Durchstiege in dasselbe Feld legt, schafft einen Schacht durch mehrere Lagen. Sie gehören versetzt eingebaut.
- Falsche Bodenlänge: Böden werden nach der Feldlänge im Achsmaß bestellt, nicht nach ihrer gemessenen Länge.
- Keine Reserve: Ein paar Böden, Geländer und Kupplungen mehr ersparen eine zweite Lieferung, wenn auf der Baustelle ein Teil aussortiert werden muss.
Fehlende Einzelteile lassen sich gezielt nachbestellen. Achten Sie darauf, im selben System zu bleiben, damit alle Teile zueinander passen.
Welche Teile brauche ich wofür?
Je nach Vorhaben verschiebt sich der Schwerpunkt. Diese Hinweise helfen bei der Auswahl:
- Fassade streichen: Standardfelder mit Innenkonsolen, damit der Abstand zur Wand klein bleibt.
- Dach decken: In der obersten Lage Außenkonsolen und eine Schutzwand gegen Absturz von der Dachfläche.
- Eingang freihalten: Gitterträger über der Tür oder ein Durchgangsrahmen.
- Viele Personen, viel Material: Treppenturm statt Leiterdurchstieg.
- Eckige oder runde Grundrisse: Modulgerüst mit Stielen und Riegeln.
Wenn Sie wissen wollen, wie viele Teile Ihr Vorhaben braucht, hilft der Gerüstkalkulator. Er schlägt aus Länge und Höhe eine Materialliste vor, die Sie anschließend anpassen können.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Stellrahmen und Vertikalstiel?
Ein Stellrahmen besteht aus zwei Stielen, die fest mit Querriegeln verschweißt sind, und gehört zum Rahmengerüst. Ein Vertikalstiel ist ein einzelnes Rohr mit Anschlussknoten, an das beim Modul- oder Stielgerüst Riegel und Diagonalen angeschlossen werden.
Wie viele Böden brauche ich je Feld?
Das hängt von der Gerüstbreite ab. Bei 0,73 m Breite liegen meist zwei Systemböden nebeneinander, bei 1,09 m drei. Hinzu kommen in jeder Lage Durchstiege, die einen Teil der Böden ersetzen.
Wozu dient das Bordbrett?
Es verhindert, dass Werkzeug, Material oder ein Fuß über den Rand des Belags rutschen. Bordbretter sind mindestens 0,15 m hoch und gehören zum vollständigen Seitenschutz.
Brauche ich Konsolen?
Innenkonsolen brauchen Sie, wenn der Abstand zwischen Belag und Wand mehr als 0,30 m beträgt und kein Innenseitenschutz angebracht wird. Außenkonsolen sind nötig, wenn Sie mehr Arbeitsfläche oder eine Schutzwand für Dacharbeiten brauchen.
Was ist ein Gitterträger?
Ein Gitterträger ist ein fachwerkartiger Träger, mit dem Sie Eingänge, Einfahrten oder Vordächer überbrücken. Auf ihm stehen die Stiele der höheren Lagen, sodass darunter ein freier Bereich bleibt.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.