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Welches Gerüstsystem habe ich? In fünf Schritten zur Antwort

Bevor Sie Teile nachkaufen oder Ihr Gerüst verkaufen, müssen Sie wissen, was Sie haben. So bestimmen Sie Bauart, Maße und Hersteller Ihres Gerüsts.

Gebrauchte Vertikalrahmen verschiedener Systeme am Lager Leipzig
Gebrauchte Vertikalrahmen verschiedener Systeme am Lager Leipzig

„Ich brauche noch zwanzig Böden für mein Gerüst“ – solche Anfragen erreichen uns oft. Die Rückfrage lautet dann fast immer: Welches System ist es? Viele Besitzer wissen das nicht genau. Das Gerüst wurde mit dem Haus übernommen, stammt aus einer Betriebsauflösung oder ist über Jahre aus verschiedenen Quellen zusammengekommen.

Die Antwort ist wichtig, weil Gerüstteile nur innerhalb ihres Systems zusammengehören. Ein Boden, der „fast passt“, ist auf dem Gerüst ein Risiko. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber Gerüstteile mischen. Hier geht es darum, Ihr System sicher zu erkennen. Dafür brauchen Sie kein Fachwissen, nur ein Maßband, eine Drahtbürste und einen genauen Blick.

Schritt 1: Rahmengerüst oder Modulgerüst?

Die erste Unterscheidung gelingt in wenigen Sekunden. Schauen Sie sich das senkrechte Hauptteil an.

  • Rahmengerüst: Zwei senkrechte Rohre sind fest mit einem oder mehreren Querriegeln verschweißt. Das Teil sieht aus wie ein großes, schmales Tor und heißt Stellrahmen oder Vertikalrahmen. Es ist meist 2 m hoch, entsprechend dem üblichen Lagenabstand.
  • Modulgerüst: Einzelne senkrechte Rohre ohne Querverbindung. An ihnen sitzen in regelmäßigen Abständen Anschlussknoten, an denen Riegel und Diagonalen in mehreren Richtungen befestigt werden.
  • Rohr-Kupplungsgerüst: Nur glatte Rohre und lose Kupplungen, keine vorgefertigten Anschlüsse. Das ist kein Systemgerüst im engeren Sinn, sondern wird frei zusammengesetzt.

Daneben gibt es eine neuere Bauart: das Stielgerüst, bei dem ein vorlaufender Seitenschutz eingebaut ist. Unser neues CETRAC MGS zählt dazu (lieferbar ab 2027, DIBt-Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen). Im Gebrauchtbestand begegnet Ihnen aber in den allermeisten Fällen ein Rahmen- oder ein Modulgerüst.

Schritt 2: Wie werden die Teile verbunden?

Die Anschlussart ist das wichtigste Merkmal eines Systems. Selbst Rahmen, die auf den ersten Blick gleich aussehen, unterscheiden sich hier oft im Detail.

Beim Rahmengerüst

Achten Sie auf drei Stellen:

  1. Das obere Ende der Stiele. Ist dort ein Zapfen fest eingeschweißt, auf den der nächste Rahmen gesteckt wird? Oder gibt es einen separaten Rohrverbinder? Messen Sie die Länge des Zapfens und prüfen Sie, ob er eine Bohrung für einen Sicherungsstift hat.
  2. Die Befestigung von Geländer und Diagonale. Häufig sind am Stiel kleine Bolzen angeschweißt, über die das Geländer gesteckt wird. Ein umklappbarer Stift, der Kippstift oder Kippfinger, sichert es dann gegen Abheben. Andere Bauarten arbeiten mit Steckbolzen, Laschen oder Keilen. Notieren Sie, welche Variante Sie sehen, und fotografieren Sie sie aus der Nähe.
  3. Die Auflage der Böden. Liegen die Böden in einem U-förmigen Profil, das am oberen Querriegel angeschweißt ist? Oder greifen ihre Klauen um ein rundes Rohr? Diese Unterscheidung bestimmt, welche Böden überhaupt in Frage kommen.

Beim Modulgerüst

Hier ist der Knoten am Stiel das Erkennungszeichen. Weit verbreitet ist die Lochscheibe, auch Rosette genannt: eine runde Stahlscheibe mit mehreren Öffnungen, in die der Riegelkopf eingeschoben und mit einem Keil festgeschlagen wird. Bei manchen Ausführungen haben die Öffnungen zwei Größen, die einen für rechtwinklige, die anderen für frei wählbare Winkel. Andere Systeme arbeiten mit topfförmigen oder kelchartigen Aufnahmen, in die Riegelenden eingelegt und von oben verriegelt werden.

Messen Sie den Abstand zwischen zwei Knoten am Stiel. Er ist bei einem System immer gleich und ein gutes Unterscheidungsmerkmal. Fotografieren Sie außerdem einen Riegelkopf mit Keil von der Seite.

Schritt 3: Messen, aber richtig

Maße helfen, ein System einzugrenzen und die richtigen Ersatzteile zu bestimmen. Wichtig ist, immer gleich zu messen, sonst entstehen Missverständnisse.

WasWie messenTypische Werte
FeldlängeVon Mitte Stiel bis Mitte Stiel, also im Achsmaß, nicht die Länge des BodensStandardraster 0,73 / 1,09 / 1,57 / 2,07 / 2,57 / 3,07 m; metrische Systeme 2,50 / 3,00 m
GerüstbreiteRahmen von Mitte linker Stiel bis Mitte rechter Stiel0,73 m oder 1,09 m; metrisch um 0,70 m oder 1,00 m
RahmenhöheVon Unterkante bis Oberkante Rahmen, ohne ZapfenMeist 2,00 m, dazu kürzere Ausgleichsrahmen
RohrdurchmesserAußendurchmesser mit MessschieberÜblich 48,3 mm
Knotenabstand (Modul)Von Mitte Knoten bis Mitte Knoten am StielBei jedem System fest vorgegeben

Die Feldlänge erkennen Sie am schnellsten an einem Geländer oder einer Diagonale, weil diese genau auf ein Feld abgestimmt sind. Bei Böden kommen je nach Bauart einige Zentimeter Überstand hinzu. Wer nur den Boden misst und das Ergebnis als Feldlänge angibt, bestellt leicht das falsche Maß. Mehr zu Rastern und Feldern lesen Sie im Ratgeber Feldlängen und Raster.

Schritt 4: Prägungen und Zulassungsnummern finden

Hersteller kennzeichnen ihre Bauteile. Diese Kennzeichnung ist der sicherste Weg, ein System zu bestimmen. Sie ist allerdings oft klein, verschmutzt oder unter Farbe verborgen.

Wo Sie suchen sollten

  • Bei Rahmen auf einem Stiel, meist in der Nähe des unteren oder oberen Querriegels
  • Bei Böden auf der Stirnkappe oder an der Unterseite nahe den Klauen
  • Bei Diagonalen und Geländern an einem der Endstücke
  • Bei Modulstielen in der Nähe einer Lochscheibe oder am Fußende

Was Sie dort finden können

Typisch sind ein Herstellerzeichen oder Logo, eine Jahreszahl oder ein Kürzel für das Herstellungsjahr und bei vielen Teilen eine Zulassungsnummer. Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik für Gerüste tragen häufig ein Kürzel, das mit „Z-8.1“ beginnt, gefolgt von einer Nummer. Mit dieser Nummer lässt sich das System eindeutig zuordnen und die passende Aufbau- und Verwendungsanleitung finden.

Bürsten Sie die Stelle mit der Drahtbürste ab und leuchten Sie mit einer Taschenlampe schräg darauf. Erhabene oder eingeschlagene Zeichen werden so besser lesbar. Verwechseln Sie die Prägung nicht mit Farbmarkierungen oder Aufklebern früherer Besitzer: Diese zeigen nur, wem das Material einmal gehört hat.

Schritt 5: Material und Belag bestimmen

Nehmen Sie einen Magneten mit. Haftet er, ist das Teil aus Stahl, in der Regel feuerverzinkt. Haftet er nicht, handelt es sich um Aluminium. Es gibt Rahmengerüste in beiden Werkstoffen, und auch bei Böden sind Stahl, Aluminium, Alurahmen mit Holzplatte und Holz verbreitet.

Notieren Sie außerdem die Breite der einzelnen Böden. Ein Feld mit 0,73 m Breite wird meist mit zwei schmalen Böden ausgelegt, ein Feld mit 1,09 m mit drei. Wer nachkaufen will, muss neben dem System auch die Belagart festlegen. Hilfe dabei gibt der Vergleich der Gerüstbeläge.

Welche Gebrauchtsysteme bei uns vorkommen

In unserem Lager in Leipzig sortieren wir gebrauchtes Material nach System. Regelmäßig im Bestand sind gebrauchte Rahmengerüste der Systeme Layher Blitz, Plettac SL, Hünnebeck Bosta und Rux Super; beim Modulgerüst ist es vor allem Layher Allround. Auch beim Ankauf von Altgerüsten nehmen wir diese Systeme an. Daneben gibt es zahlreiche weitere, teils ältere oder regionale Systeme, die wir auf Anfrage beurteilen.

Wichtig: Ähnliches Aussehen sagt nichts darüber aus, ob Teile zusammengehören. Für den gemeinsamen Einsatz von Teilen unterschiedlicher Hersteller braucht es eine Zulassung, die genau diesen Fall abdeckt, oder einen Standsicherheitsnachweis im Einzelfall. Kaufen Sie deshalb immer im selben System nach.

Foto schicken: so bestimmen wir Ihr System

Wenn Sie unsicher sind, schicken Sie uns Bilder. Mit guten Fotos können wir die meisten Systeme zuordnen. Diese Aufnahmen helfen am meisten:

  1. Ein ganzer Rahmen oder Stiel, flach liegend, mit Maßband daneben
  2. Das obere Stielende mit Zapfen oder Rohrverbinder in Nahaufnahme
  3. Die Befestigung eines Geländers oder einer Diagonale am Stiel
  4. Die Belagauflage mit eingehängtem Boden, von der Seite
  5. Die Klaue eines Bodens und seine Stirnkappe
  6. Jede gefundene Prägung, so scharf wie möglich

Achten Sie bei den Fotos auf gutes Licht und einen ruhigen Hintergrund. Ein Rahmen, der auf dunklem Asphalt liegt, ist im Detail schlecht zu erkennen; ein Bild vor einer hellen Wand oder auf Pflaster zeigt mehr.

Ein kurzes Video, bei dem Sie einmal um einen aufgebauten Gerüstabschnitt herumgehen, ersetzt oft mehrere Fotos. Legen Sie dazu eine Liste an, wie viele Teile welcher Art Sie haben. Für den Nachkauf genügt das, um Ihnen über die Seite Gerüstteile bestellen ein Angebot zu machen. Wenn Sie Ihren Bestand abgeben möchten, geht es auf der Seite Gerüst verkaufen weiter.

Typische Stolperfallen

Gemischte Bestände

Gerüste, die über Jahre gewachsen sind, enthalten nicht selten Teile mehrerer Systeme. Das fällt erst auf, wenn ein Boden nicht sauber einhängt oder ein Geländer klemmt. Bestimmen Sie deshalb nicht nur ein Teil, sondern Stichproben aus jedem Stapel. Sortieren Sie fremde Teile aus und lagern Sie sie getrennt.

Ältere Baureihen

Hersteller entwickeln ihre Systeme weiter. Ältere Baureihen unterscheiden sich mitunter von neueren in Details wie dem Zapfen, der Belagauflage oder dem Geländeranschluss. Ob alte und neue Teile gemeinsam eingesetzt werden dürfen, steht in der jeweiligen Zulassung und Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers.

Umgebaute oder reparierte Teile

Nachträglich angeschweißte Laschen, abgesägte Zapfen oder ersetzte Klauen deuten auf Eigenbau-Reparaturen. Solche Teile entsprechen nicht mehr der Zulassung und gehören nicht ins Gerüst.

Warum sich die Mühe lohnt

Nehmen wir an, ein Dachdecker will sein Rahmengerüst um zehn Felder verlängern und bestellt Böden „in 2,50 m“, weil er einen Boden nachgemessen hat. Sein Gerüst hat aber eine Feldlänge von 2,57 m im Achsmaß. Die Böden würden nicht passen, und Rücksendung, Fracht und Wartezeit kosten Geld und Nerven. Ein Foto des Geländers neben einem Maßband hätte das in einer Minute geklärt.

Auch beim Verkauf zahlt sich die genaue Bestimmung aus. Wer System, Mengen und Zustand klar beschreibt, bekommt schneller ein belastbares Angebot und erlebt bei der Abholung keine Überraschungen.

Checkliste zur Systembestimmung

  • Bauart festgestellt: Rahmen, Modul oder Rohr-Kupplung
  • Anschlussart notiert und fotografiert: Zapfen, Geländerbefestigung, Belagauflage oder Knoten
  • Feldlänge im Achsmaß gemessen, nicht am Boden
  • Gerüstbreite und Rahmenhöhe gemessen
  • Bei Modulgerüst: Knotenabstand am Stiel gemessen
  • Prägungen gesucht, abgebürstet und fotografiert
  • Zulassungsnummer notiert, falls vorhanden
  • Werkstoff mit Magnet geprüft, Belagart und Bodenbreite festgehalten
  • Stichproben aus jedem Stapel genommen, Fremdteile aussortiert

Mit diesen Angaben kommen Sie bei jedem Händler schnell zu einem passenden Angebot. Auch unser Anfragekorb wird damit präziser.

Häufige Fragen

Wo finde ich die Zulassungsnummer an meinem Gerüst?

Meist ist sie zusammen mit dem Herstellerzeichen am Stiel eines Rahmens, an der Stirnkappe eines Bodens oder am Ende einer Diagonale eingeprägt. Die Stelle ist oft verschmutzt, deshalb hilft eine Drahtbürste. Gerüstzulassungen des DIBt beginnen häufig mit Z-8.1.

Wie messe ich die Feldlänge richtig?

Immer von Mitte Stiel bis Mitte Stiel. Am einfachsten geht das an einem Geländer oder einer Diagonale, weil diese genau für ein Feld gebaut sind. Die Länge des Bodens selbst weicht durch Klauen und Überstände ab.

Mein Gerüst hat keine lesbaren Prägungen. Was nun?

Dann helfen Fotos der Anschlüsse und genaue Maße weiter. Senden Sie uns Bilder vom Stielende, von der Geländerbefestigung, der Belagauflage und einer Bodenklaue, jeweils mit Maßband. Damit lassen sich die meisten Systeme zuordnen.

Kann ich Teile kaufen, die bei meinem Gerüst gut aussehen?

Nur wenn sie aus demselben System stammen. Ähnlich aussehende Teile anderer Hersteller dürfen nur eingesetzt werden, wenn eine Zulassung das ausdrücklich erlaubt oder ein Standsicherheitsnachweis im Einzelfall vorliegt. Kaufen Sie deshalb systemrein nach.

Welche gebrauchten Systeme kauft geruest.com an?

Angekauft werden unter anderem gebrauchte Rahmengerüste der Systeme Layher Blitz, Plettac SL, Hünnebeck Bosta und Rux Super, außerdem das Modulgerüst Layher Allround. Andere Systeme beurteilen wir nach Fotos auf Anfrage.

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Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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