Aufbau & Technik · 9 Min. Lesezeit

Aufstieg am Gerüst: Leitergang, Leiterturm oder Treppe

Durchstieg, Leiterturm oder Treppe: Welcher Aufstieg zu Ihrem Gerüst passt, wie die Durchstiege angeordnet werden und warum die Klappe immer zu sein muss.

Alu-Podesttreppen für den Gerüstaufstieg
Alu-Podesttreppen für den Gerüstaufstieg

Auf ein Gerüst kommt man nicht über die Diagonalen, nicht über eine angelehnte Haushaltsleiter und auch nicht durchs Fenster im ersten Stock, zumindest nicht als regelmäßigen Weg. Jedes Gerüst braucht einen festen, sicheren Zugang, über den alle Lagen erreicht werden können. Welche Form er hat, hängt von Gerüstgröße, Zahl der Nutzer und dem Material ab, das hochgebracht werden muss. Hier vergleichen wir die drei üblichen Lösungen und zeigen, worauf Sie bei der Planung und beim Kauf achten sollten.

Ein guter Aufstieg ist dabei mehr als eine Pflichtübung. Er bestimmt, wie schnell die Leute morgens an ihrem Arbeitsplatz sind, wie oft sie für ein vergessenes Werkzeug wieder herunterklettern und wie sicher sie das bei Nässe oder Dunkelheit tun. Auf einer Baustelle, die mehrere Wochen dauert, summieren sich diese Wege zu vielen Stunden.

Die drei Arten des Aufstiegs

AufstiegAufbauStärkenSchwächen
Innenliegender LeitergangDurchstiegsbeläge mit Klappe und Leiter im Gerüstfeld, Lage für Lage versetztKein Zusatzplatz, wenig Material, schnell montiertSchmale Öffnung, nichts tragen möglich, Klappe muss geschlossen werden
Außenliegender LeiteraufstiegZusätzliches Feld vor dem Gerüst mit Leitern und PodestenArbeitslagen bleiben frei von ÖffnungenMehr Material, mehr Platz vor der Fassade, eigener Seitenschutz und Anker
TreppenturmEigener Turm mit Gerüsttreppen und Podesten, an das Gerüst angeschlossenBequem, sicher auch mit Werkzeug in der Hand, für viele NutzerHöchster Materialaufwand und Platzbedarf, teurer

Innenliegender Leitergang mit Durchstiegen

Das ist die Standardlösung an Fassadengerüsten von Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern. In einem Feld jeder Lage liegt statt eines normalen Bodens ein Durchstiegsbelag: eine Rahmenplatte mit Klappe, an deren Unterseite meist eine Leiter befestigt ist. Die Leiter führt von der darunterliegenden Lage durch die Öffnung nach oben.

Versetzt anordnen

Die Durchstiege liegen nicht senkrecht übereinander, sondern wechseln von Lage zu Lage das Feld, etwa im Zickzack zwischen zwei benachbarten Feldern. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: Stehen mehrere Klappen gleichzeitig offen, entsteht bei übereinanderliegenden Durchstiegen ein Schacht über mehrere Geschosse. Bei versetzter Anordnung fällt ein Mensch, der stürzt, höchstens eine Lage tief und landet auf einem Belag.

Klappe zu

Eine offene Klappe ist ein Loch im Arbeitsboden, und zwar an einer Stelle, an der niemand ein Loch erwartet. Wer rückwärts arbeitet, mit einem Eimer in der Hand oder auf die Fassade konzentriert, tritt hinein. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Nach dem Durchsteigen wird die Klappe geschlossen. Einige Durchstiegsbeläge haben Klappen, die von selbst zufallen; bei allen anderen muss es zur Gewohnheit werden. Stellen Sie auch kein Material auf die Klappe, sonst kommt von unten niemand mehr hoch.

Leiter und Öffnung

Die Leiter muss fest mit dem Durchstiegsbelag verbunden sein oder sicher eingehängt werden. Losen Leitern, die nur gegen die Öffnung gelehnt sind, fehlt der Halt. Achten Sie beim Gebrauchtkauf auf vollständige Leitern ohne verbogene Sprossen und auf Klappen, deren Scharniere und Verschlüsse funktionieren.

Außenliegender Leiteraufstieg

Hier wird vor dem eigentlichen Arbeitsgerüst ein zusätzliches Feld angebaut, oft in Form eines Leiterturms. In diesem Feld liegen versetzte Podeste, verbunden mit Leitern. Der Vorteil: Die Arbeitslagen bleiben vollständig geschlossen, nirgends gibt es eine Klappe, auf der Material abgestellt werden könnte. Das ist angenehm bei schmalen Gerüsten, bei denen ein Durchstieg einen großen Teil der Lage blockiert, und bei Gerüsten, die viele Gewerke nacheinander benutzen.

Der Leiterturm braucht eigenen Seitenschutz an allen offenen Seiten und muss mit dem Hauptgerüst oder der Fassade standsicher verbunden sein. Er beansprucht zusätzlichen Platz vor dem Haus, was auf engen Grundstücken oder Gehwegen schnell zum Problem wird.

Treppenturm

Ein Treppenturm besteht aus Gerüsttreppen, die in einem eigenen Turm von Podest zu Podest führen. Man geht ihn wie eine normale Treppe, kann sich am Handlauf festhalten und dabei Werkzeug oder einen Eimer tragen. Das macht ihn zur bequemsten und zugleich sichersten Form des Aufstiegs.

Treppentürme sind sinnvoll, wenn

  • viele Personen das Gerüst nutzen, etwa auf größeren Baustellen mit mehreren Gewerken,
  • das Gerüst hoch ist und Leitern über viele Lagen anstrengend und riskant wären,
  • regelmäßig Werkzeug, Kleinmaterial oder Messgeräte hochgetragen werden,
  • das Gerüst lange steht und der Aufstieg täglich mehrfach genutzt wird,
  • Personen arbeiten, die mit Leitern wenig Erfahrung haben.

Die Handlungsanleitung für Gerüste (DGUV Information 201-011) empfiehlt Treppen als Zugang bei höheren Gerüsten und auf Baustellen mit vielen Beschäftigten. Für den Treppenturm gelten dieselben Grundsätze wie für das Gerüst selbst: Aufbau nach Anleitung, Verankerung, vollständiger Seitenschutz an Podesten und Treppenläufen. Gebrauchte und neue Treppen finden Sie unter Gerüsttreppen.

Sonderfall Fahrgerüst

Rollbare Arbeitsgerüste nach DIN EN 1004 haben ihren Aufstieg meist schon eingebaut: Sprossen im Rahmen oder schräg gestellte Leitern im Inneren des Turms, dazu Bühnen mit Klappe. Hier gilt dasselbe wie am Fassadengerüst: Aufgestiegen wird innen, nicht außen am Rahmen, und die Klappe wird nach dem Durchsteigen geschlossen. Die Rollen sind beim Hinaufsteigen immer festgestellt, und niemand bleibt oben, während der Turm verschoben wird.

Wie viele Aufstiege braucht ein Gerüst?

Mindestens einen. Bei langen Fassaden mehrere, damit niemand weite Wege über das Gerüst laufen muss und im Notfall schnell herunterkommt. Als Richtwert gilt, dass Zugänge nicht mehr als 50 m auseinanderliegen sollen; wie genau die Abstände für Ihr Gerüst zu wählen sind, regeln TRBS 2121 Teil 1 und die Anleitung des Herstellers.

Bei einem Rundum-Gerüst am Einfamilienhaus genügt meist ein Leitergang. Legen Sie ihn so, dass er von der Seite erreicht wird, an der Material angeliefert wird, und nicht hinter einer Hecke oder über einem Kellerabgang.

Zugang aus dem Gebäude

Manchmal liegt es nahe, das Gerüst über einen Balkon, eine Dachterrasse oder ein bodentiefes Fenster zu betreten. Das kann als zusätzlicher Zugang funktionieren, wenn der Übergang eben ist, keine Lücke zwischen Gebäude und Belag bleibt und der Seitenschutz an dieser Stelle nicht unterbrochen wird. Als einziger Zugang taugt es selten: Ist die Wohnung abgeschlossen oder der Balkon gerade gefliest, kommt niemand mehr aufs Gerüst. Und über eine Fensterbrüstung zu klettern, ist kein sicherer Weg, auch wenn er bequem aussieht.

Der Einstieg von unten

Die erste Lage liegt je nach Gelände rund zwei Meter über dem Boden. Für den Einstieg dorthin gibt es eine Leiter, die fest mit dem Gerüst verbunden ist und oben ausreichend über den Belag hinausragt, damit man sich beim Übersteigen festhalten kann. Eine lose angelehnte Leiter, die beim Betreten wegrutschen kann, ist kein sicherer Zugang.

Wichtig für die Zeit nach Feierabend: Die unterste Leiter ist auch der Weg für Kinder und Einbrecher. Nehmen Sie sie abends ab oder sichern Sie den Einstieg mit einer abschließbaren Sperre. Weitere Hinweise dazu stehen im Ratgeber Gerüst gegen Diebstahl sichern.

Den Aufstieg täglich kontrollieren

Der Zugang ist der am stärksten beanspruchte Teil des Gerüsts. Jeder geht hier mehrmals am Tag hindurch, und Fehler fallen oft erst auf, wenn es zu spät ist. Ein kurzer Blick vor Arbeitsbeginn genügt meist:

  • Sind alle Klappen geschlossen und liegen sie plan?
  • Ist die Leiter zur ersten Lage noch fest und nicht verrutscht?
  • Liegt Material, Putzrest oder Eis auf Sprossen oder Podesten?
  • Hat jemand ein Geländer am Treppenturm abgenommen, um etwas durchzureichen?
  • Ist der Einstieg unten nach der Nacht unverändert oder hat sich jemand daran zu schaffen gemacht?

Im Winter gilt besonders: Raureif auf Aluminiumsprossen ist kaum zu sehen und sehr glatt. Fegen und streuen Sie bei Frost zuerst den Aufstieg, dann die Lagen. Die Prüfpunkte für das ganze Gerüst fasst der Ratgeber zur Gerüstprüfung zusammen.

Im Notfall: schnell herunter

Ein Aufstieg ist auch ein Rettungsweg. Überlegen Sie, wie eine verletzte Person von der obersten Lage nach unten gebracht werden kann. Durch eine enge Klappe mit Leiter ist das schwierig, über einen Treppenturm deutlich leichter. Bei langen Gerüsten verkürzt ein zweiter Zugang am anderen Ende den Weg erheblich. Halten Sie außerdem die Zufahrt für einen Rettungswagen frei und sorgen Sie dafür, dass jeder auf der Baustelle die Adresse und den Weg zum Gerüst nennen kann.

Material gehört nicht auf die Leiter

Ein Leitergang ist zum Steigen da, nicht zum Tragen. Mit einem 25-kg-Sack Putz oder einem Stapel Dachziegel auf der Schulter durch eine Klappe zu klettern, ist ein häufiger Unfallweg. Für Material gibt es bessere Lösungen:

  • Seil mit Umlenkrolle: für Eimer, Werkzeugkisten und einzelne Platten.
  • Bauaufzug oder Schrägaufzug: für Dachziegel, Säcke und Dämmplatten in größerer Menge.
  • Treppenturm: wenn kleine Mengen regelmäßig getragen werden müssen.

Planen Sie den Aufzug schon beim Aufbau ein. Er braucht oft ein freies Feld oder eine Anbaustelle am Gerüst und erzeugt zusätzliche Lasten, die in der Anleitung berücksichtigt sein müssen.

Entscheidungshilfe: Welcher Aufstieg passt?

Ihre SituationEmpfehlung
Einfamilienhaus, ein bis drei Personen, Maler- oder PutzarbeitenInnenliegender Leitergang mit versetzten Durchstiegen
Schmales Gerüst, viel Material auf den LagenAußenliegender Leiteraufstieg oder zusätzlicher Durchstieg in einem Randfeld
Mehrfamilienhaus, mehrere Gewerke, lange StandzeitTreppenturm, ergänzt durch Leitergänge an den Enden
Dacharbeiten mit ZiegeltransportLeitergang für Personen, Aufzug für Material
Gerüst an öffentlichem WegEinstieg nicht zur Straßenseite, abends unten sperren

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Unsere gebrauchten Basispakete enthalten tragende Teile, Beläge, Geländer, Diagonalen und Anker, aber keinen Durchstieg. Der Aufstieg muss also bewusst eingeplant werden: entweder als Ergänzung mit einzelnen Durchstiegsbelägen oder über ein Paket komplett nach AuV. Pro Lage brauchen Sie mindestens einen Durchstieg, bei mehreren Zugängen entsprechend mehr. Passende Teile finden Sie unter Durchstiege, die Pakete unter gebrauchte Gerüste.

Prüfen Sie Durchstiege vor dem Einbau auf diese Punkte:

  • Klappe schließt vollständig und liegt plan im Belag.
  • Scharniere nicht ausgeschlagen, Verschluss funktioniert.
  • Leiter vollständig, Sprossen gerade und fest, Haken nicht aufgebogen.
  • Rahmen des Belags nicht verzogen, Auflagerklauen intakt.
  • Länge und Breite passend zum Feldraster Ihres Systems.

Wie der Leitergang beim Aufbau Lage für Lage mitwächst, beschreibt der Ratgeber Gerüst aufbauen.

Häufige Fragen

Warum werden Durchstiege versetzt angeordnet?

Damit bei offenen Klappen kein durchgehender Schacht über mehrere Lagen entsteht. Wer bei versetzter Anordnung durch eine offene Klappe stürzt, fällt höchstens bis zur nächsten Lage.

Reicht eine angelehnte Leiter als Zugang zum Gerüst?

Als dauerhafter Zugang nicht. Die Leiter zur ersten Lage muss fest mit dem Gerüst verbunden sein und oben über den Belag hinausragen, damit man sicher umsteigen kann.

Ab wann lohnt sich ein Treppenturm?

Wenn viele Personen das Gerüst nutzen, es hoch ist, lange steht oder regelmäßig Werkzeug getragen wird. Am Einfamilienhaus mit wenigen Personen genügt meist ein innenliegender Leitergang.

Sind Durchstiege im gebrauchten Gerüstpaket enthalten?

In unseren Basispaketen nicht. Sie lassen sich als Einzelteile ergänzen, oder Sie wählen ein Paket komplett nach Aufbau- und Verwendungsanleitung.

Darf ich Material über den Leitergang nach oben tragen?

Kleinigkeiten am Werkzeuggürtel ja, schwere oder sperrige Lasten nein. Dafür sind Seil und Rolle, ein Bauaufzug oder ein Treppenturm gedacht.

Gerüst gesucht?

Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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