Gerüst gegen Diebstahl und Einstieg sichern
Ein Gerüst lädt zu zweierlei ein: zum Mitnehmen von Material und zum Einstieg über das Obergeschoss. Mit einfachen Maßnahmen machen Sie beides deutlich schwerer.
Wer ein Gerüst am Haus hat, denkt zuerst an die Arbeit, die damit möglich wird. Diebe und Einbrecher denken an etwas anderes. Für die einen ist das Gerüst ein Lager voller verwertbarer Stahl- und Aluteile, die schnell verladen sind. Für die anderen ist es eine bequeme Treppe zu Fenstern, die sonst unerreichbar wären. Beides lässt sich nicht ganz ausschließen, aber mit überschaubarem Aufwand deutlich erschweren. Die meisten Täter suchen den einfachen Weg. Ein Gerüst, das gesichert und beleuchtet ist, ist kein einfacher Weg mehr.
Zwei Risiken, zwei Strategien
| Risiko | Was passiert | Wichtigste Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Materialdiebstahl | Kupplungen, Beläge, Bordbretter, Spindeln oder ganze Rahmen verschwinden, meist nachts oder am Wochenende | Kennzeichnung, Inventarliste, Lagerung, Bauzaun |
| Einstieg ins Haus | Täter klettern über das Gerüst zu Fenstern und Balkontüren im Obergeschoss | Aufstieg sperren, Fenster sichern, Licht |
| Unbefugte Nutzung | Jugendliche klettern abends hinauf, verschieben Beläge, verletzen sich | Aufstieg sperren, Absperrung, Kontrolle vor Arbeitsbeginn |
Den Aufstieg unten sperren
Die wirksamste Einzelmaßnahme ist, den Zugang zur ersten Lage zu verhindern. Wer nicht bequem hinaufkommt, kommt meist gar nicht hinauf.
- Leiter entfernen: Ist die erste Lage über eine Anlegeleiter oder eine Innenleiter erreichbar, nehmen Sie die unterste Leiter nach Feierabend ab und schließen sie weg.
- Durchstieg verschließen: Bei Gerüsten mit Durchstiegen lässt sich die Klappe der ersten Lage mit einem Brett oder einer Platte überdecken und fixieren.
- Erste Lage verkleiden: Platten oder Bretter an der Außenseite bis auf etwa 2,00 m Höhe erschweren das Hochklettern an den Rahmen. Jede Verkleidung erhöht aber die Windlast; sie ist nur zulässig, wenn die Verankerung laut Anleitung dafür ausgelegt ist.
- Treppenturm absperren: Hat das Gerüst eine Gerüsttreppe, verschließen Sie den Zugang unten mit einem abschließbaren Gitter oder einer Tür.
- Bauzaun: Ein Zaun rund um das Gerüst hält Gelegenheitstäter fern und macht deutlich, dass das Gelände nicht offen ist.
Wichtig: Diese Maßnahmen dürfen die Standsicherheit nicht beeinträchtigen. Entfernen Sie keine Diagonalen, Anker oder Beläge, die für das Tragverhalten nötig sind. Wenn Sie unsicher sind, was entfernt werden darf, gibt die Aufbau- und Verwendungsanleitung Auskunft.
Licht und Sichtbarkeit
Dunkelheit ist die beste Deckung für Täter. Eine helle Baustelle schreckt ab, weil sie gesehen werden können. Bewährt haben sich:
- Strahler mit Bewegungsmelder an den Hausecken, die das Gerüst bis zur oberen Lage ausleuchten
- Beleuchtung am Aufstieg, auch wenn dieser gesperrt ist
- Solarleuchten, wenn keine Steckdose in der Nähe ist
- Rückschnitt von Hecken und Büschen, die den Blick von der Straße verdecken
Achten Sie darauf, dass die Strahler weder Nachbarn noch Autofahrer blenden; ein schräg nach unten gerichtetes Licht reicht völlig. Sprechen Sie außerdem mit den Nachbarn. Wer weiß, dass am Haus gerade gearbeitet wird und abends niemand oben sein sollte, ruft eher die Polizei, wenn sich doch jemand bewegt.
Das Haus gegen Einstieg schützen
Mit Gerüst sind Fenster im ersten und zweiten Obergeschoss plötzlich so leicht erreichbar wie im Erdgeschoss. Behandeln Sie sie für die Dauer der Baustelle auch so:
- Fenster und Balkontüren beim Verlassen des Hauses immer schließen; ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster.
- Rollläden nachts herunterlassen und, wenn möglich, gegen Hochschieben sichern.
- Abschließbare Fenstergriffe oder Zusatzschlösser nachrüsten, wenn sie ohnehin geplant waren.
- Eine vorhandene Alarmanlage auf die oberen Etagen erweitern oder aktivieren.
- Wertsachen nicht sichtbar am Fenster im Obergeschoss liegen lassen.
Werden ohnehin Fenster getauscht, liegt es nahe, die Reihenfolge so zu planen, dass offene Fensteröffnungen nicht über Nacht ungesichert bleiben. Folie oder eine provisorische Platte ist besser als nichts, aber keine echte Barriere.
Material kennzeichnen
Gerüstteile sehen sich sehr ähnlich. Wird Material gestohlen und später irgendwo gefunden, ist ohne Kennzeichnung kaum zu beweisen, wem es gehört. Gleichzeitig mindert eine sichtbare Markierung den Wiederverkaufswert für Diebe. Gängige Methoden:
- Farbmarkierung: Ein Farbstrich in einer eigenen Kombination, etwa Blau-Gelb, an jedem Rahmen, Stiel und Belag. Schnell gemacht, gut sichtbar, muss aber gelegentlich erneuert werden.
- Schlagstempel: Buchstaben oder Zahlen in Fußplatten, Rahmen oder Kupplungen eingeschlagen. Dauerhaft und schwer zu entfernen, ohne Spuren zu hinterlassen.
- Gravur oder Plakette: Bei größeren Teilen eine aufgenietete Plakette mit Firmenname oder Kürzel.
- Brandzeichen oder Farbe an Holzbelägen: Für Holzbohlen und Holzbeläge an den Stirnseiten.
Achten Sie darauf, keine tragenden Querschnitte zu schwächen. Schlagstempel gehören an Stellen, die der Hersteller dafür vorsieht oder die nicht tragend sind, etwa an Fußplatten oder an den Enden der Beläge. Bohren oder Schweißen an tragenden Teilen ist tabu.
Inventarliste mit Fotos
Eine Liste, was Sie besitzen, ist bei Diebstahl doppelt nützlich: Sie können der Polizei und der Versicherung genau sagen, was fehlt, und Sie bemerken Verluste überhaupt erst. Notieren Sie je Teileart Stückzahl, Maße und Kennzeichnung. Ergänzen Sie Fotos vom aufgebauten Gerüst und vom gestapelten Material. Wer das Gerüst gekauft hat, kann die Lieferliste als Grundlage nutzen. Gleichen Sie die Liste nach dem Abbau ab, bevor das Material ins Lager kommt. Wie Sie dabei vorgehen, steht im Beitrag Gerüst lagern und pflegen.
Material auf der Baustelle lagern
Am meisten gefährdet sind Teile, die nicht verbaut sind: der Stapel Reservebeläge neben dem Haus, die Kiste Kupplungen, die Spindeln für den nächsten Abschnitt. Lagern Sie solche Teile:
- in einem abschließbaren Container, einer Garage oder einem Schuppen
- wenn das nicht geht, in Gitterboxen mit Vorhängeschloss oder mit Kette gesichert
- nicht direkt an der Straße und möglichst außer Sichtweite
Kleinteile wie Kupplungen verschwinden am schnellsten, weil sie in jede Tasche passen und Metallwert haben. Sie gehören nach Feierabend weggeschlossen.
Wochenenden, Urlaub und Bauphasen ohne Arbeit
Die meisten Diebstähle passieren nicht unter der Woche, sondern dann, wenn länger niemand auf der Baustelle ist: über das Wochenende, über Feiertage oder wenn zwischen zwei Gewerken eine Pause von mehreren Wochen liegt. Gerade die Pause zwischen Maurer und Maler wird oft unterschätzt. Das Gerüst steht vollständig, aber niemand schaut täglich danach.
Für solche Zeiten lohnt ein kurzer Plan: Bitten Sie einen Nachbarn, ab und zu einen Blick auf das Gerüst zu werfen. Räumen Sie lose Teile vollständig weg. Prüfen Sie, ob der Aufstieg dauerhaft gesperrt werden kann. Wenn die Pause lang ist, kann es wirtschaftlicher sein, das Gerüst teilweise abzubauen und später wieder zu stellen, als es ungenutzt stehen zu lassen.
Kamera und Alarm am Gerüst
Eine Kamera mit Bewegungserkennung oder ein einfacher Alarmmelder am Aufstieg kann abschrecken und im Ernstfall Hinweise liefern. Bei Kameras gilt es aber, den Datenschutz zu beachten: Öffentliche Gehwege, Straßen und Nachbargrundstücke dürfen in der Regel nicht dauerhaft gefilmt werden. Richten Sie die Kamera auf das eigene Grundstück und das Gerüst aus und informieren Sie sich im Zweifel bei der Datenschutzbehörde Ihres Landes oder bei einem Fachbetrieb für Sicherheitstechnik. Ein gut sichtbarer Hinweis auf die Überwachung hat oft schon die gewünschte Wirkung.
Versicherung: vorher fragen
Ob der Diebstahl von Gerüstmaterial versichert ist, hängt von Ihrer Police ab. Private Hausratversicherungen decken Material außerhalb der Wohnung oft nur eingeschränkt oder gar nicht ab. Betriebe haben andere Möglichkeiten, etwa eine Inhalts- oder Geräteversicherung, die auch Material auf Baustellen umfassen kann. Klären Sie vor Baubeginn:
- Ist Gerüstmaterial auf dem eigenen Grundstück gegen Diebstahl versichert?
- Welche Sicherungen verlangt der Versicherer, damit der Schutz greift?
- Muss das Gerüst am Haus der Hausrat- oder Gebäudeversicherung gemeldet werden, weil das Einbruchsrisiko steigt?
Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben. Mehr zum Thema Verantwortung und Versicherungen lesen Sie unter Haftung und Versicherung am Gerüst.
Wenn doch etwas fehlt
- Bereich sperren: Fehlen Teile am stehenden Gerüst, darf es nicht mehr genutzt werden, bis die Lücken geschlossen und das Gerüst erneut geprüft ist. Ein fehlender Belag oder ein fehlendes Geländer ist eine Absturzstelle.
- Dokumentieren: Fotos machen, Inventarliste abgleichen, Fehlmengen notieren.
- Anzeige erstatten: Bei der Polizei, mit Liste, Fotos und Angabe der Kennzeichnung.
- Versicherung informieren: Zeitnah, mit Anzeigenbestätigung.
- Ersatz beschaffen: Passende Teile desselben Systems nachkaufen, nicht mit fremden Teilen improvisieren. Prüfen Sie vorher anhand der Inventarliste, welche Längen und Ausführungen genau fehlen, damit die Nachlieferung auf Anhieb passt.
Für Betriebe: Material auf mehreren Baustellen
Gerüstbaubetriebe haben ihr Material oft gleichzeitig auf vielen Baustellen verteilt. Hier hilft ein einfaches System: jede Baustelle mit eigener Ladeliste, jeder Abbau mit Rückmeldung der Stückzahlen, und Fehlmengen werden sofort gemeldet, nicht erst bei der Inventur. Je schneller ein Verlust auffällt, desto größer ist die Chance, ihn aufzuklären, und desto eher lässt sich nachvollziehen, auf welcher Baustelle er entstanden ist. Einheitliche Kennzeichnung über den ganzen Bestand macht das Material zudem für Dritte uninteressant, weil es sich schlecht unauffällig weiterverkaufen lässt.
Wer seinen Bestand erweitert, um Verluste auszugleichen, kann gezielt gebrauchte Teile desselben Systems nachkaufen. Unsere gebrauchten Gerüste und Einzelteile sind nach System sortiert, sodass sich Lücken im Bestand passend schließen lassen.
Checkliste für jeden Feierabend
- Unterste Leiter abgenommen oder Aufstieg verschlossen
- Lose Teile und Werkzeug weggeschlossen
- Fenster und Balkontüren im Haus zu, Rollläden unten
- Beleuchtung an oder Bewegungsmelder aktiv
- Bauzaun geschlossen
- Kurzer Blick: Fehlt etwas im Vergleich zum Morgen?
Das sind fünf Minuten am Ende des Tages. Sie verringern das Risiko eines Einbruchs, eines Materialverlusts und eines Unfalls mit Unbefugten gleichermaßen.
Beim Kauf von gebrauchtem Material
Auch beim Einkauf lohnt ein Gedanke an das Thema. Wer gebrauchtes Gerüst kauft, sollte auf eine nachvollziehbare Herkunft und eine ordentliche Rechnung achten. Ein Angebot weit unter dem Marktpreis ohne Beleg ist ein Warnsignal. Bei uns kommt die Gebrauchtware aus dem Lager in Leipzig, wird nach System sortiert und vor dem Verladen durchgesehen. Sie erhalten eine Auftragsbestätigung und eine Rechnung, die Sie für Ihre Inventarliste und gegenüber der Versicherung verwenden können.
Häufige Fragen
Wie verhindere ich, dass jemand nachts auf das Gerüst klettert?
Sperren Sie den Aufstieg zur ersten Lage, indem Sie die unterste Leiter abnehmen oder den Durchstieg verschließen. Ein Bauzaun und Licht mit Bewegungsmelder erhöhen die Hürde zusätzlich. Tragende Teile dürfen dabei nicht entfernt werden.
Welche Gerüstteile werden am häufigsten gestohlen?
Am gefährdetsten sind Kleinteile wie Kupplungen und Spindeln sowie lose gelagerte Beläge und Bordbretter. Sie sind leicht zu transportieren und haben Materialwert. Schließen Sie nicht verbaute Teile nach Feierabend weg.
Wie kennzeichne ich Gerüstteile dauerhaft?
Üblich sind Farbmarkierungen in eigener Kombination, eingeschlagene Stempel an nicht tragenden Stellen wie Fußplatten sowie Plaketten. Holzbeläge kennzeichnet man an den Stirnseiten. An tragenden Teilen wird nicht gebohrt oder geschweißt.
Muss ich das Gerüst meiner Hausratversicherung melden?
Das hängt von den Bedingungen Ihres Vertrags ab. Manche Versicherer werten ein Gerüst als erhöhtes Einbruchsrisiko. Fragen Sie vor Baubeginn nach und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.
Was tun, wenn Teile vom stehenden Gerüst fehlen?
Das Gerüst sofort sperren, denn fehlende Beläge oder Geländer sind Absturzstellen. Danach dokumentieren, Anzeige erstatten, die Versicherung informieren und passende Teile desselben Systems nachkaufen. Vor der erneuten Nutzung wird das Gerüst geprüft.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.