Dachfanggerüst und Schutzwand: wann, wie hoch, womit
Das Dachfanggerüst stoppt, wer auf dem Dach ins Rutschen kommt. Wie Fanglage, Konsolen und Schutzwand zusammenspielen und worauf Sie bei der Planung achten.

Wer auf einem geneigten Dach arbeitet, hat an der Traufe eine Absturzkante vor sich – und nichts, was einen Ausrutscher aufhält. Diese Lücke schließt das Dachfanggerüst. Es ist ein Schutzgerüst: Es fängt Personen und Material auf, die über die Dachfläche nach unten rutschen. Meist entsteht es aus der obersten Lage eines Fassadengerüsts, ergänzt um eine Schutzwand aus Pfosten und Netz oder Gitter. Damit es im Ernstfall wirkt, müssen Höhe, Abstand und Ausstattung zur Traufe passen. Das wird bei der Bestellung oft zu spät bedacht.
Fanggerüst, Dachfanggerüst, Schutzwand – die Begriffe
- Fanggerüst: Schutzgerüst unterhalb einer Arbeitsstelle mit Absturzkante, zum Beispiel unter einer Deckenkante im Rohbau. Es fängt Personen auf, die über die Kante fallen.
- Dachfanggerüst: die Sonderform an der Traufe geneigter Dächer. Es nimmt Personen auf, die die Dachfläche hinabrutschen, und hält herabgleitendes Material zurück.
- Schutzwand: der senkrechte Teil des Dachfanggerüsts. Sie besteht aus Pfosten, die über die oberste Gerüstlage hinausragen, und einem Netz oder Schutzgitter dazwischen.
Wie sich Arbeits- und Schutzfunktion an einem Gerüst verbinden lassen, zeigt der Beitrag zum Arbeits- und Schutzgerüst. Geregelt sind Schutzgerüste in DIN 4420-1; die praktischen Anforderungen fasst die DGUV Information 201-011 zusammen. Für die konkrete Ausführung mit einem bestimmten System gilt die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) des Herstellers.
Wann ein Dachfang nötig ist
Ein Dachfanggerüst kommt immer dann ins Spiel, wenn auf einem geneigten Dach gearbeitet wird und an der Traufe Absturzgefahr besteht. Typische Anlässe sind:
- Neueindeckung und Dachsanierung,
- Austausch von Dachrinne, Traufblech oder Schneefanggitter,
- Montage von Photovoltaik, Solarthermie oder Dachfenstern,
- Arbeiten am Schornstein, an Gauben und am Ortgang,
- Dämmung von außen auf den Sparren.
Ob ein Dachfang im Einzelfall vorgeschrieben ist, hängt von Absturzhöhe, Dachneigung und Art der Arbeiten ab. Betriebe klären das in ihrer Gefährdungsbeurteilung auf Grundlage von BetrSichV und TRBS 2121 Teil 1. Private Bauherren sind formal anders gestellt, das Risiko auf dem Dach ist aber dasselbe. Wer selbst aufs Dach steigt oder Helfer hinaufschickt, sollte sich an denselben Maßstäben orientieren.
Je steiler das Dach, desto schneller wird, wer den Halt verliert, und desto höher muss die Schutzwand sein. Bei flach geneigten Dächern kann ein Seitenschutz an der Traufe genügen, bei Flachdächern ist ein Geländer an der Dachkante die übliche Lösung. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Gurt und Seil – ist nur dort vorgesehen, wo Gerüst oder Seitenschutz technisch nicht möglich sind.
Aufbau: Fanglage, Konsole, Schutzwand
Ein Dachfanggerüst setzt sich aus drei Bausteinen zusammen:
- Fanglage: ein durchgehender Belag knapp unterhalb der Traufe. Er nimmt eine abrutschende Person auf und dient zugleich als Arbeitsfläche, etwa für Dachrinne und Traufbrett.
- Verbreiterung: Mit Außenkonsolen wird die Fanglage nach außen verbreitert, damit genug Fangfläche vor der Traufkante liegt. Innenkonsolen schließen auf der anderen Seite die Lücke zur Wand. Beide gibt es passend zum jeweiligen System unter Gerüstkonsolen.
- Schutzwand: Schutzwandpfosten werden auf die Rahmen oder Stiele der obersten Lage gesteckt oder an den Außenkonsolen befestigt. Dazwischen hängt ein Dachfangnetz oder ein Schutzgitter. Unten schließt ein Bordbrett die Fläche ab, damit nichts unter der Schutzwand durchrutscht.
Die Schutzwand steht an der Außenseite der Fanglage. Sie ersetzt dort das normale Geländer und muss deshalb mindestens dieselbe Schutzwirkung haben. An den Stirnseiten des Gerüsts wird sie um die Ecke geführt oder durch ein Stirngeländer ergänzt.
Abstand und Höhe zur Traufe – die Größenordnung
Die genauen Maße stehen in DIN 4420-1, in der DGUV Information 201-011 und in der AuV Ihres Systems. Für die Planung helfen diese Faustwerte:
| Maß | Größenordnung | warum |
|---|---|---|
| Höhenunterschied Traufkante bis Fanglage | höchstens rund 1,50 m | Je tiefer der Fall, desto härter der Aufprall. |
| waagerechter Abstand Traufkante bis Schutzwand | mindestens rund 0,70 m | Die Fangfläche muss eine rutschende Person tatsächlich aufnehmen. |
| Oberkante der Schutzwand | deutlich über der Dachlinie, bei steilen Dächern höher | Wer schnell rutscht, darf nicht über die Wand kippen. |
| Wandabstand Belag bis Fassade | höchstens 0,30 m, sonst Innenkonsole oder Innenseitenschutz | gilt wie bei jeder Arbeitslage |
Für die Bestellung heißt das: Die Höhe der obersten Lage muss zur Traufhöhe passen. Messen Sie die Traufhöhe deshalb vorher und nicht erst beim Aufbau. Ein Beispiel: Die Traufe liegt 6,40 m über dem Gelände. Bei einem Lagenabstand von 2,00 m und etwas Spindelauszug liegt der dritte Belag bei gut 6,00 m – knapp unter der Traufe, wie gewünscht. Läge die Traufe bei 8,00 m, wäre derselbe Belag fast 2 m darunter; dann muss die Höhe angepasst werden, etwa mit einer weiteren Lage, bei der das Gerüst unter dem Dachüberstand bleibt. Beim Modulgerüst erleichtert das feine Knotenraster der Stiele solche Anpassungen.
Netz oder Schutzgitter?
Dachfangnetze sind leicht, schnell eingehängt und lassen den Wind zum Teil durch. Schutzgitter aus Stahl sind robuster, halten auch Ziegelbruch und Werkzeug zuverlässig zurück und überstehen viele Einsätze, wiegen aber mehr. Welche Variante zu Ihrem System gehört und wie sie befestigt wird, regelt die AuV. In beiden Fällen gilt: Löcher im Netz, fehlende Befestigungen oder Spalten zwischen zwei Feldern machen die Schutzwand wirkungslos. Netze werden deshalb vor jeder Benutzung angesehen und nach einem Sturm erneut geprüft; UV-Strahlung und Kanten setzen ihnen auf Dauer zu. Nach dem Einsatz gehören Netze gereinigt, trocken und dunkel gelagert; aufgescheuerte Randseile oder gerissene Maschen sind ein Grund zum Aussortieren. Schutzgitter stapelt man flach, damit sie sich nicht verziehen. Wer mehrere Baustellen im Jahr mit Dachfang ausstattet, sollte einen kleinen Vorrat an Ersatznetzen und Befestigungen einplanen.
Kombination mit dem Fassadengerüst
In den meisten Fällen ist das Dachfanggerüst kein eigenes Bauwerk, sondern der obere Abschluss eines Fassadengerüsts. Unten wird an der Fassade gearbeitet, oben am Dach, mit demselben Material. Drei Punkte verdienen dabei Aufmerksamkeit:
- Verankerung: Die Schutzwand ragt über das Gerüst hinaus und bietet dem Wind Fläche. Die oberste Lage braucht deshalb Gerüsthalter nach AuV; mit Netzen oder Gittern sind oft zusätzliche Anker nötig. Mehr dazu im Beitrag Gerüst verankern.
- Dachüberstand: Ragt das Dach weit über die Wand hinaus, steht das Gerüst trotzdem nah an der Fassade. Die oberste Lage liegt dann unter dem Überstand, und Außenkonsolen tragen Fangfläche und Schutzwand nach außen vor die Traufe.
- Giebelseiten: Am Ortgang endet die Dachfläche seitlich. Wird bis an den Giebel gearbeitet, führt man die Schutzwand um die Ecke weiter oder sichert den Ortgang mit einem eigenen Seitenschutz. Rüstet man nur eine Traufseite ein, endet der Schutz an der Hausecke – Arbeiten darüber hinaus sind dann ungesichert.
Bei Häusern mit unterschiedlichen Traufhöhen, etwa mit Anbau oder Garage, braucht jede Traufe ihre eigene Fanglage. Das Gerüst springt dann in der Höhe, und an den Übergängen ist ein Stirnseitenschutz nötig.
Dacharbeiten auf dem Fanggerüst
Das Dachfanggerüst ist oft zugleich Lager und Arbeitsplatz. Ziegel, Lattung, Dämmung und Bleche kommen per Schrägaufzug oder Kran nach oben und werden auf der Fanglage zwischengelagert. Ein Stapel Dachziegel ist schwer: Die Lastklasse der Lage muss dazu passen, und neben dem Material bleibt ein Durchgang von mindestens 0,20 m frei. Wird die Fangfläche mit Konsolen verbreitert, gilt für diesen Bereich deren eigene, oft geringere Belastbarkeit. Und die Fanglage darf nie so zugestellt werden, dass sie ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllt – wer abrutscht, soll auf einem freien Belag landen, nicht auf einer Ziegelpalette.
Wer ein Dach saniert, findet im Beitrag Gerüst für Dacharbeiten den Ablauf von der Planung bis zum Abbau, einschließlich Materialaufzug und Lasten. Für die Montage von Solarmodulen gibt es einen eigenen Ratgeber zur PV-Montage.
Reihenfolge beim Auf- und Abbau
Der Dachfang muss vollständig stehen, bevor der erste Handwerker das Dach betritt – mit Netz, Bordbrett und den Ecken an den Giebeln. Beim Aufbau selbst arbeiten die Gerüstbauer auf der obersten Lage an einer offenen Kante; Montagesicherungsgeländer oder ein System mit vorlaufendem Seitenschutz entschärfen diese Phase. Beim Abbau dreht sich die Logik um: Die Schutzwand bleibt, bis auf dem Dach niemand mehr arbeitet und keine losen Teile mehr liegen. Erst danach wird sie demontiert, und das Gerüst geht Lage für Lage von oben nach unten zurück. Folgen nach der Eindeckung noch Rinnen, Schneefanggitter oder Anschlussbleche, stimmen Sie den Abbautermin mit allen Gewerken ab. Wer zu früh abbaut, steht für die letzte Stunde Arbeit ohne Schutz auf dem Dach.
Typische Fehler am Dachfang
- Fanglage zu tief, weil die Traufhöhe nicht gemessen wurde.
- Schutzwand an der Hausecke abgeschnitten, obwohl über die Ecke hinaus gearbeitet wird.
- Netz nur oben eingehängt, unten offen – herabrutschendes Material fällt durch die Lücke.
- Zusätzliche Anker für die bespannte Schutzwand vergessen.
- Fanglage als Ziegellager vollgestellt.
- Gerüst nach Sturm wieder benutzt, ohne Netz und Verankerung zu prüfen.
Checkliste Dachfanggerüst
- Traufhöhe und Dachneigung gemessen?
- Höhenunterschied zwischen Traufkante und Fanglage im Rahmen der Regeln (Größenordnung höchstens rund 1,50 m)?
- Fanglage breit genug, gegebenenfalls mit Außenkonsolen verbreitert?
- Schutzwandpfosten, Netz oder Gitter und Bordbrett vollständig – auch an den Giebelecken?
- Verankerung der obersten Lage nach AuV, zusätzliche Anker für Netz oder Gitter eingeplant?
- Materiallagerung mit Lastklasse und Durchgang abgestimmt?
- Prüfung vor der Benutzung erledigt und am Zugang gekennzeichnet?
Teile für den Dachfang kaufen
Zusätzlich zum Fassadengerüst brauchen Sie für einen Dachfang vor allem Schutzwandpfosten, Netze oder Gitter, Außen- und Innenkonsolen, Beläge für die Konsolen und Bordbretter. Diese Teile müssen zu Ihrem Gerüstsystem gehören, kaufen Sie also systemrein nach. Gebrauchte Konsolen, Geländer und weiteres Zubehör halten wir in unserem Lager in Leipzig nach System sortiert vor; alle Teile werden vor dem Verladen durchgesehen. Ob ein Dachfang in einem Gerüstpaket enthalten ist, steht in dessen Stückliste – fehlende Teile fragen Sie einfach mit an. Bezahlt wird per Vorkasse nach Auftragsbestätigung, geliefert per Spedition oder abgeholt in Leipzig.
Häufige Fragen
Brauche ich für eine neue Dachrinne ein Dachfanggerüst?
Für die Rinne selbst genügt oft eine Arbeitslage knapp unter der Traufe mit Seitenschutz. Wird dabei auch auf der Dachfläche gearbeitet, etwa an den unteren Ziegelreihen, gehört eine Schutzwand dazu. Betriebe klären das in ihrer Gefährdungsbeurteilung.
Wie tief darf die Fanglage unter der Traufe liegen?
Als Größenordnung gilt ein Höhenunterschied von höchstens rund 1,50 m zwischen Traufkante und Belag. Die genauen Werte stehen in DIN 4420-1, der DGUV Information 201-011 und der Anleitung Ihres Systems. Messen Sie die Traufhöhe vor der Bestellung.
Reicht ein Netz oder brauche ich Schutzgitter?
Beides ist üblich, entscheidend ist, was die Anleitung Ihres Systems vorsieht. Netze sind leichter und schneller montiert, Gitter robuster gegen Ziegelbruch und Werkzeug. Beide müssen lückenlos befestigt sein.
Kann ich mein vorhandenes Fassadengerüst zum Dachfang erweitern?
In der Regel ja, mit Schutzwandpfosten, Netz oder Gitter und gegebenenfalls Außenkonsolen. Diese Teile müssen zum vorhandenen System gehören. Prüfen Sie außerdem, ob die oberste Lage auf der richtigen Höhe liegt und ausreichend verankert ist.
Brauche ich auch an der Giebelseite eine Schutzwand?
Wenn bis an den Ortgang gearbeitet wird, ja – oder einen anderen Seitenschutz an der Giebelkante. Sonst endet der Schutz an der Hausecke, und wer seitlich abrutscht, fällt ungebremst.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.