Gerüstkonsolen: Gerüst verbreitern nach innen und außen
Konsolen machen ein Gerüst breiter, ohne ein zweites Gerüst zu stellen. Wann Innen- und wann Außenkonsolen sinnvoll sind, was sie tragen dürfen und woran Sie eine verschlissene Konsole erkennen.

Eine Gerüstkonsole ist ein Kragarm, der am Stiel oder Rahmen eingehängt wird und eine zusätzliche Belagfläche neben der eigentlichen Gerüstlage trägt. Mit wenigen Teilen löst sie zwei häufige Probleme: den zu großen Spalt zwischen Gerüst und Wand und den Platzmangel auf einer schmalen Lage. Außerdem ist sie die Grundlage für viele Dachfanggerüste. Weil eine Konsole einseitig auskragt, verändert sie aber die Kräfte im Gerüst. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, welche Konsole wo eingesetzt werden darf.
Innenkonsolen: den Spalt zur Wand schließen
Zwischen Belag und Fassade darf höchstens 0,30 m Abstand bleiben. Wird das überschritten, muss die Innenseite gegen Absturz gesichert werden, entweder mit einem Innenseitenschutz oder mit einer Konsole, die den Spalt schließt. Die Konsole ist meist die bessere Wahl, denn sie bringt zusätzlich Arbeitsfläche dicht an die Wand.
Typische Gründe für einen zu großen Wandabstand:
- Vorspringender Sockel: Das Gerüst muss unten Abstand halten, oben klafft dann eine Lücke.
- Geplante Dämmung: Das Gerüst wird mit Blick auf die spätere Dämmstärke aufgestellt. Bis die Platten kleben, ist der Spalt zu breit. Mehr dazu im Ratgeber Gerüst für Fassadendämmung.
- Gesimse, Fensterbänke, Fallrohre: Einzelne Bauteile ragen in den Gerüstraum und zwingen das ganze Gerüst nach außen.
- Erker und Vorbauten: An einem Teil der Fassade passt der Abstand, am anderen nicht.
Nach dem Einbau der Konsole muss der verbleibende Abstand zur Wand wieder bei höchstens 0,30 m liegen. Reicht eine schmale Konsole nicht, kommt eine breitere zum Einsatz, oder es bleibt beim Innenseitenschutz.
Konsolen auf tieferer Höhe
Manche Systeme erlauben es, Innenkonsolen nicht nur auf Höhe der Hauptlage, sondern ein Stück darunter einzuhängen. Das nutzen vor allem Maurer: Sie stehen auf der Konsole und haben die Steine auf der höher liegenden Hauptlage in bequemer Griffhöhe. Ob und in welchen Höhen das bei Ihrem System zulässig ist, zeigt die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV). Mehr zum Arbeiten mit wachsender Mauer lesen Sie unter Maurergerüst.
Außenkonsolen: mehr Platz und Dachfang
Außenkonsolen werden auf der der Wand abgewandten Seite eingehängt und verbreitern die Lage nach außen. Dafür gibt es drei typische Anlässe.
Mehr Arbeitsfläche
Auf einem schmalen Gerüst wird es eng, sobald Material abgestellt werden muss. Wer Steine, Putzeimer oder Dämmplatten auf der Lage lagert, blockiert den Durchgang. Eine Außenkonsole schafft eine Ablage neben dem Laufweg. Der Durchgang auf der Hauptlage soll dabei frei bleiben, sodass man ohne Klettern an abgestelltem Material vorbeikommt.
Dachfanggerüst
Bei Arbeiten am Dach wird die oberste Lage oft mit einer Konsole nach außen verbreitert, auf der eine Schutzwand steht. Sie fängt Personen und Material auf, die vom Dach rutschen. Die Konsole sorgt dafür, dass die Schutzwand weit genug vor der Traufe liegt. Wie ein Dachfang aufgebaut wird, beschreibt der Ratgeber Dachfanggerüst.
Hindernisse umgehen
Steht das Gerüst unten wegen eines Hindernisses ungewöhnlich nah an der Wand, etwa wegen einer Grundstücksgrenze, lassen sich mit Außenkonsolen in den oberen Lagen dennoch breitere Arbeitsflächen schaffen. Für größere Überbrückungen, etwa über einen Hauseingang, sind dagegen Gitterträger das passende Bauteil.
Breiten und Belag
Konsolen werden nach der Zahl der Belagbreiten benannt, die sie aufnehmen. Üblich sind zwei Größen:
| Konsolbreite (ca.) | Aufnahme | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 0,36 m | Ein schmaler Boden | Innenkonsole gegen Wandabstand, schmale Ablage außen |
| 0,73 m | Zwei schmale Böden oder ein breiter | Außenkonsole für Material, Dachfang, Innenkonsole bei großen Dämmstärken |
Die genauen Maße unterscheiden sich je nach System. Beim Nachkauf messen Sie die Konsole am besten von Mitte Stiel bis zur äußeren Belagauflage und vergleichen das Anschlussteil mit Ihrem Gerüst. Der Belag auf der Konsole muss zu ihrem Raster passen; Böden, die überstehen oder nur halb aufliegen, sind nicht zulässig. Passende Gerüstbeläge und Böden finden Sie in unserem Teilesortiment.
Lasten: Was eine Konsole tragen darf
Die Lastklasse eines Gerüsts gilt nicht automatisch für die Konsolen. Ein Kragarm überträgt seine Last als Hebel auf den Stiel, und das Gerüst wird auf dieser Seite stärker beansprucht. In vielen Anleitungen ist der Konsolbelag deshalb für geringere Lasten freigegeben als die Hauptlage. Zur Orientierung die Flächenlasten der Lastklassen nach DIN EN 12811-1:
| Lastklasse | Flächenlast |
|---|---|
| LK 1 | 0,75 kN/m² |
| LK 2 | 1,50 kN/m² |
| LK 3 | 2,00 kN/m² |
| LK 4 | 3,00 kN/m² |
| LK 5 | 4,50 kN/m² |
| LK 6 | 6,00 kN/m² |
Welche Klasse für die Konsolen Ihres Systems gilt, steht in der AuV. Ein paar Grundsätze helfen trotzdem im Alltag:
- Konsolen sind keine Lagerfläche für Paletten. Material wird in überschaubaren Mengen abgelegt.
- Nicht auf einer Außenkonsole springen oder Lasten fallen lassen; dynamische Lasten wirken ein Vielfaches stärker.
- Außenkonsolen verändern oft das Ankerraster. Häufig sind zusätzliche Anker nötig, weil das Gerüst nach außen kippen will.
- Breite Außenkonsolen brauchen je nach System eine Strebe, die die Last schräg nach unten in den Stiel leitet.
Zur Lastklasse insgesamt finden Sie Hintergründe im Ratgeber zu den Gerüstklassen.
Belagsicherung und Seitenschutz
Ein Boden, der auf einer Konsole liegt, kann bei Windsog oder einem Stoß von unten abheben. Im Regelgerüst hält die nächste Lage darüber die Beläge mit. Liegt über der Konsole aber keine weitere Lage, etwa auf der obersten Ebene oder bei einer Konsole unterhalb der Hauptlage, braucht der Belag eine eigene Abhebesicherung. Das kann ein Sicherungsbolzen, ein Riegel oder eine spezielle Belagsicherung sein, je nach System.
Beim Seitenschutz gilt: Bei einer Außenkonsole wandert er an die neue Außenkante. Dafür gibt es Geländerpfosten, die auf die Konsole gesteckt werden und Geländer, Zwischenholm und Bordbrett aufnehmen. Der Geländerholm liegt mindestens 1,00 m über dem Belag, das Bordbrett ist mindestens 0,15 m hoch. Eine Innenkonsole, die den Wandabstand auf höchstens 0,30 m verringert, macht den Innenseitenschutz an dieser Stelle überflüssig.
Konsolen beim Aufbau einplanen
Konsolen werden am besten gleich beim Aufbau Lage für Lage mitmontiert und nicht nachträglich ergänzt. Der Grund ist praktisch: Wer später Konsolen einhängen will, muss Beläge wieder ausbauen, Geländer versetzen und unter Umständen neue Anker setzen. Ein paar Regeln für den Ablauf:
- Konsole einhängen und sichern, bevor der Belag darauf gelegt wird. Der Anschluss muss vollständig eingerastet oder verkeilt sein.
- Belag auflegen und gegen Abheben sichern, sofern die nächste Lage ihn nicht festhält.
- Seitenschutz an der neuen Kante anbringen, bevor die Konsole betreten wird. Bei Außenkonsolen heißt das: Geländerpfosten stecken, Geländer, Zwischenholm und Bordbrett montieren.
- Zusätzliche Anker setzen, wenn die Anleitung sie für Gerüste mit Außenkonsolen verlangt.
Arbeiten Sie dabei immer von einer gesicherten Lage aus. Wer sich zum Einhängen einer Außenkonsole über das Geländer lehnt, steht ungeschützt an der Kante.
Konsolen am Modulgerüst
Beim Modulgerüst sitzen die Anschlussknoten in regelmäßigen Abständen am Stiel. Konsolen lassen sich dort in mehrere Richtungen anschließen, was an Ecken, Rundungen und Vorsprüngen viel Spielraum bietet. Auch hier gilt die Anleitung des jeweiligen Systems für Breiten, Lasten und die nötige Aussteifung. Zur Bauart allgemein lesen Sie mehr im Ratgeber zum Modulgerüst.
Konsolen an Ecken
An Hausecken laufen zwei Gerüstfluchten zusammen. Innenkonsolen der einen Seite können mit dem Belag der anderen Seite kollidieren. Planen Sie die Ecke deshalb vorher auf Papier: Welche Seite läuft durch, wo endet die Konsole, wie wird die Lücke geschlossen? Bleibt an der Ecke ein Spalt, wird er mit einem passenden Boden oder mit Seitenschutz gesichert.
Gebrauchte Konsolen prüfen
Konsolen arbeiten als Hebel. Jede Schwächung am Anschluss wirkt sich deshalb doppelt aus. Prüfen Sie gebrauchte Konsolen vor dem Einbau besonders sorgfältig:
- Schweißnähte am Anschluss: Haarrisse, Rost in der Naht oder abgeplatzte Verzinkung an der Verbindung zwischen Kragarm und Anschlussrohr sind ein Ausschlussgrund.
- Kragarm gerade: Legen Sie die Konsole auf eine ebene Fläche oder halten Sie ein Lineal an. Hängt der Arm am Ende nach unten, ist er überlastet worden.
- Anschluss intakt: Haken, Keil, Zapfen oder Kippstift dürfen weder verbogen noch abgenutzt sein. Der Anschluss muss fest am Stiel sitzen und darf nicht wackeln.
- Belagauflage: Die Aufnahme für den Boden muss gerade und vollständig sein, damit der Belag sauber liegt.
- Strebe: Bei Konsolen mit Abstützung die Strebe auf Knicke und den Anschlusspunkt auf Verformung kontrollieren.
Eine verbogene Konsole wird nicht gerichtet, sondern aussortiert. Die vollständige Prüfliste für gebrauchtes Material steht im Ratgeber gebrauchte Gerüstteile prüfen.
Entscheidungshilfe: Welche Konsole brauche ich?
| Situation | Lösung |
|---|---|
| Wandabstand 0,30 bis rund 0,60 m wegen Sockel oder Dämmung | Innenkonsole 0,36 m |
| Wandabstand deutlich größer, etwa wegen dicker Dämmung | Innenkonsole 0,73 m oder Innenseitenschutz |
| Mauerarbeiten, Steine auf der Lage | Innenkonsole tiefer als Hauptlage, wenn das System es zulässt |
| Schmales Gerüst, viel Material | Außenkonsole 0,36 oder 0,73 m als Ablage |
| Dacharbeiten an der Traufe | Außenkonsole in der obersten Lage mit Schutzwand |
| Durchgang über einem Eingang | Keine Konsole, sondern Gitterträger |
Konsolen nachkaufen
Konsolen sind systemgebundene Teile. Kaufen Sie sie passend zu Ihrem vorhandenen Gerüst, also aus demselben System, und nicht nach Augenmaß. Eine Konsole aus einem anderen System kann ähnlich aussehen und trotzdem nicht sicher sitzen. Gebrauchte Konsolen aus unserem Lager in Leipzig sind nach System sortiert und vor dem Verladen durchgesehen; Sie finden sie unter Gerüstkonsolen. Planen Sie zu jeder Konsole die passenden Böden, Geländerpfosten und gegebenenfalls zusätzliche Anker mit ein.
Für die Stückzahl hilft eine einfache Rechnung: Konsolen sitzen an jedem Rahmen oder Stiel der betreffenden Lage. Eine Gerüstflucht aus zehn Feldern hat elf Rahmen, braucht also je Lage und Seite elf Konsolen. Soll die Verbreiterung über drei Lagen laufen, sind es 33 Stück, dazu zehn Böden je Lage und bei Außenkonsolen elf Geländerpfosten mit Geländern und Bordbrettern. Wer nur einzelne Felder verbreitert, etwa vor einem Erker, zählt die Rahmen dieses Abschnitts plus einen.
Häufige Fragen
Wann brauche ich eine Innenkonsole?
Sobald zwischen Belagkante und Fassade mehr als 0,30 m frei bleiben, etwa wegen eines Sockels oder geplanter Dämmung. Die Konsole schließt den Spalt und schafft zugleich Arbeitsfläche dicht an der Fassade.
Darf ich auf einer Außenkonsole Material lagern?
In überschaubarer Menge ja, solange die in der Anleitung genannte Last für den Konsolbelag eingehalten wird. Die Konsolen sind oft für geringere Lasten freigegeben als die Hauptlage.
Brauche ich mit Außenkonsolen mehr Anker?
Häufig ja, weil die einseitige Last das Gerüst nach außen ziehen will. Das Ankerraster für Gerüste mit Konsolen steht in der Aufbau- und Verwendungsanleitung.
Welche Breiten haben Gerüstkonsolen?
Üblich sind Konsolen für einen schmalen Boden mit rund 0,36 m und für zwei schmale Böden mit rund 0,73 m. Die genauen Maße hängen vom System ab.
Kann ich eine leicht verbogene Konsole noch verwenden?
Nein. Eine verbogene Konsole ist überlastet worden und hat an Tragfähigkeit verloren. Sie wird aussortiert, nicht gerichtet.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.