Projekte am Haus · 9 Min. Lesezeit

Gerüst für Dacharbeiten: Dachsanierung, Dachrinne und Schornstein

Dach neu eindecken, Rinne tauschen, Schornstein sanieren: welches Gerüst Sie brauchen, wie viel Ziegel ein Feld trägt und wie das Material nach oben kommt.

Am Dach ist die Absturzhöhe fast immer groß und der Untergrund geneigt, rutschig oder beides. Ein Gerüst hat bei Dacharbeiten deshalb meist zwei Aufgaben zugleich: Es ist Arbeitsplatz an der Traufe und es fängt Menschen und Material auf, die vom Dach abrutschen. Welche dieser Aufgaben im Vordergrund steht, hängt davon ab, was am Dach gemacht wird. Danach richten sich Höhe der obersten Lage, Schutzwand, Lastklasse und der Weg, auf dem Ziegel und Latten nach oben kommen.

Welche Dacharbeit braucht welches Gerüst?

VorhabenGerüstlösungWorauf es ankommt
Dachrinne und Fallrohr erneuernFassadengerüst bis knapp unter die TraufeRinne in Brusthöhe erreichbar, Dachüberstand beachten
Dach neu eindecken oder dämmenFassadengerüst als Dachfanggerüst mit SchutzwandFangfunktion an der Traufe, Lastklasse für Ziegel, Materialweg
Dachfenster oder Gaube einbauenDachfanggerüst im Bereich der Öffnung, oft nur ein TeilstückSeitenschutz auch seitlich, Platz für große Bauteile
Schornstein sanieren oder abtragenGerüst um den Schornstein auf der Dachfläche oder vom Giebel ausLastableitung, Zugang über das Dach, oft Fachbetrieb nötig
Ortgang und GiebelverkleidungGiebelgerüst, das der Dachschräge folgtAbstufung der Lagen, Stirnseitenschutz

In vielen Fällen ist das Grundgerüst ein ganz normales Fassadengerüst. Es wird nur anders ausgerüstet: mit höherer letzter Lage, mit Schutzwand oder mit zusätzlichen Konsolen unter dem Dachüberstand.

Das Dachfanggerüst: Arbeitsplatz und Auffangebene

Wer auf der Dachfläche arbeitet, braucht an der Traufe eine Einrichtung, die einen abrutschenden Menschen sicher auffängt. Beim Gerüst übernimmt das die oberste Lage zusammen mit einer Schutzwand aus Netz oder Gitter, die über die Traufkante hinausragt. Der Höhenunterschied zwischen Traufkante und Belag des Fanggerüsts darf dabei nicht mehr als 1,50 m betragen. Außerdem muss zwischen Traufe und Schutzwand ein waagerechter Abstand bleiben, damit eine fallende Person auf dem Belag landet und nicht gegen die Wand prallt und darüber kippt. Die genauen Mindestmaße für Abstand und Höhe der Schutzwand stehen in der DGUV Information 201-011 und in der Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) des Systems.

In der Praxis bedeutet das: Die oberste Lage liegt etwas unter der Traufe, die Stiele werden über diese Lage hinaus verlängert, und daran wird die Schutzwand befestigt. Bei Rahmengerüsten gibt es dafür eigene Schutzwandstützen oder Geländerpfosten. Wie das im Detail aufgebaut wird, beschreibt der Beitrag Dachfanggerüst.

Wichtig: Ein Dachfanggerüst ist kein Ersatz für Seitenschutz am Ortgang. Wird nah an der Giebelkante gearbeitet, braucht es dort ebenfalls eine Sicherung, etwa ein Giebelgerüst oder einen Seitenschutz an der Dachkante.

Abstand zur Traufe und zum Dachüberstand

Viele Häuser haben einen Dachüberstand von 30 bis 80 cm. Das Gerüst kann deshalb nicht einfach an der Wand hochgeführt werden, bis es unter der Traufe anstößt. Es gibt drei übliche Lösungen:

  • Gerüst weiter vorn aufstellen: Die Stiele stehen außerhalb des Überstands. Der Spalt zur Wand ist dann in den unteren Lagen größer als 0,30 m und muss mit Innenkonsolen oder einem innenliegenden Seitenschutz gesichert werden.
  • Normal aufstellen, oben verbreitern: Das Gerüst steht im üblichen Wandabstand. Die oberste Lage endet unter dem Überstand, und Konsolen nach außen schaffen die Fläche, die als Fangebene vor der Traufe gebraucht wird.
  • Höhe anpassen: Bei reinen Rinnenarbeiten genügt manchmal eine Lage, die 1,00 bis 1,50 m unter der Rinne liegt. Dann wird nicht in den Überstand hineingebaut.

Welche Variante passt, entscheidet sich am Haus: Wie weit ragt das Dach über? Wie hoch liegt die Traufe? Muss die Rinne von außen montiert werden? Ein Foto der Traufe mit Zollstock und ein paar Maßen klärt die Frage meist schneller als jede Beschreibung. Mehr zu Konsolen lesen Sie unter Konsolen und Verbreiterung.

Wenn die Traufe wandert

Bei einer energetischen Dachsanierung kommt oft eine Aufsparrendämmung auf die Sparren. Die Dachfläche wird dadurch um 15 bis 25 cm dicker, und die Traufkante rückt nach oben und meist auch nach außen. Gleiches gilt, wenn die Fassade im selben Zug gedämmt wird und das Dach verlängert werden muss. Für das Fanggerüst zählt die Traufe im Endzustand. Planen Sie die oberste Lage so, dass die 1,50 m Höhenunterschied auch nach dem Aufbau der Dämmung noch eingehalten sind, sonst muss mitten in der Bauzeit umgebaut werden. Umgekehrt darf die Schutzwand am Anfang nicht so hoch sitzen, dass sie beim Abtragen der alten Eindeckung im Weg ist. Ein kurzer Abgleich mit dem Dachdecker vor dem Aufbau spart hier viel Ärger.

Auch die Dachrinne selbst ist ein Thema. Bei einer Neueindeckung wird sie häufig abgebaut und erst am Ende neu gesetzt. In der Zwischenzeit fließt Regenwasser ungebremst über die Traufe ab – direkt auf die oberste Gerüstlage. Beläge aus Holz werden dann schnell rutschig, und Bordbretter sammeln Laub und Schmutz. Ein paar Minuten Säubern am Abend halten die Lage begehbar.

Wie viel Dachziegel trägt ein Gerüstfeld?

Dachdecker unterschätzen selten das Gewicht der Ziegel, Bauherren in Eigenleistung dafür umso öfter. Ein Tondachziegel wiegt je nach Modell etwa 3 bis 4,5 kg, ein Betondachstein eher 4 bis 5 kg. Pro Quadratmeter Dachfläche liegen 10 bis 15 Stück. Daraus ergeben sich grob 40 bis 55 kg Ziegelgewicht je Quadratmeter Dach – ohne Latten, Konterlatten und Unterspannbahn.

Ein Gerüstfeld mit 2,57 m Länge und einem Belag von 0,73 m hat knapp 1,9 m² Fläche. In Lastklasse 3 (2,00 kN/m²) verträgt es gleichmäßig verteilt rund 375 kg, in Lastklasse 4 (3,00 kN/m²) etwa 560 kg. Davon gehen die Personen ab, die im Feld stehen. Rechnen Sie mit zwei Dachdeckern und Werkzeug, bleibt in Lastklasse 3 Platz für Ziegel von vielleicht fünf bis sechs Quadratmetern Dach. Eine volle Ziegelpalette mit mehreren hundert Kilogramm gehört deshalb niemals auf den Gerüstbelag.

Daraus ergeben sich einfache Regeln:

  • Ziegel in kleinen Stapeln verteilen, nah an den Stielen statt in Feldmitte.
  • Für Dachdeckerarbeiten mindestens Lastklasse 3 wählen; wer Material auf der Lage zwischenlagert, plant Lastklasse 4.
  • Alte Ziegel nicht auf die Lage werfen, sondern über eine Schuttrutsche oder einen Aufzug abtransportieren.
  • Die Schutzwand ist eine Auffangeinrichtung und keine Ablage. Nichts dagegen lehnen.

Material nach oben: Aufzug, Kran oder Handarbeit

Für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Dachfläche kommen schnell sieben bis acht Tonnen Ziegel zusammen. Das trägt niemand über die Treppe. Es gibt drei gängige Wege:

Schrägaufzug

Der klassische Dachdeckeraufzug läuft auf einer Leiterschiene schräg nach oben bis über die Traufe. Er steht auf eigenen Füßen und wird oben am Dach oder am Gerüst gesichert. Wichtig ist, dass er nicht auf dem Seitenschutz aufliegt und dass die Last nicht über den Belag gezogen wird. Solche Aufzüge werden meist für die Bauzeit gemietet.

Gerüstaufzug

Seilwinden oder kleine Bauaufzüge werden direkt am Gerüst befestigt. Sie bringen zusätzliche Kräfte ins Gerüst, die in der AuV berücksichtigt sein müssen. Häufig sind eine verstärkte Verankerung und zusätzliche Riegel an der Befestigungsstelle nötig. Ohne Angabe in der Anleitung ist ein gesonderter Nachweis erforderlich.

Kran oder Ladekran

Bei Neueindeckungen wird das Material oft direkt vom Lkw mit dem Ladekran auf die Dachfläche gesetzt und dort verteilt. Das entlastet das Gerüst am stärksten. Der Lkw braucht dafür eine Standfläche nah am Haus, und der Kranführer muss den Bereich einsehen können.

Für Personen bleibt der Aufstieg über Treppe oder Leitergang im Gerüst. Ein Treppenturm macht bei mehreren Wochen Bauzeit einen spürbaren Unterschied, wenn Werkzeug und Kleinmaterial mehrmals täglich hoch und runter müssen. Passende Treppen finden Sie unter Gerüsttreppe.

Schornstein und Giebel

Ein Schornstein in Firstnähe ist von der Traufe aus nicht erreichbar. Für kleine Arbeiten wie das Erneuern einer Abdeckplatte genügen manchmal Dachleitern mit Dachhaken und Anseilschutz. Für eine Sanierung des Kopfes oder einen Rückbau braucht es eine Arbeitsfläche rund um den Schornstein. Dafür gibt es eigene Schornsteingerüste, die auf der Dachfläche stehen und ihre Last über Dachauflagen in die Sparren ableiten. Das ist Arbeit für Fachleute, weil Dachkonstruktion und Lastabtragung im Einzelfall beurteilt werden müssen.

Steht der Schornstein an der Giebelwand, lässt sich das Gerüst am Giebel bis über die Kaminhöhe führen. Das Giebelgerüst folgt dabei der Dachschräge: Die Lagen werden nach oben schmaler, an jeder Stufe braucht das Gerüstende einen Stirnseitenschutz. Bei hohen, schmalen Giebelabschnitten ist besonders auf eine ausreichende Verankerung zu achten.

Wetter und Bauzeit

Ein offenes Dach braucht Schutz vor Regen, meist durch Planen über der Dachfläche oder ein provisorisches Notdach. Wird die Schutzwand mit dichtem Netz ausgeführt oder kommen Planen am Gerüst hinzu, steigt die Windlast deutlich. Die Verankerung muss dazu passen. Vor angekündigten Sturmtagen lohnt es sich, lose Planen zu sichern und Material von den Lagen zu räumen. Dachdeckerarbeiten werden häufig in mehreren Abschnitten erledigt, und die Gerüststandzeit liegt bei einem Einfamilienhaus schnell bei mehreren Wochen.

Eigenes Gerüst für Dacharbeiten?

Für Dachdecker, Spengler und Zimmerer gehört ein eigenes Gerüst mit Schutzwandteilen zur Grundausstattung. Der Fangschutz an der Traufe wird auf fast jeder Baustelle gebraucht, und Mietkosten summieren sich bei langen Standzeiten. Für den Start eignet sich ein gebrauchtes Rahmengerüst. Als Richtwert kosten solche Pakete bei uns derzeit etwa 28 bis 36 € pro m² Gerüstfläche, netto und ohne Fracht (Stand Oktober 2026). Schutzwandstützen, Netze und Konsolen lassen sich gezielt ergänzen. Aktuelle Pakete finden Sie unter gebrauchte Gerüste.

Für private Bauherren lohnt sich der Kauf vor allem, wenn Dach und Fassade in einem Zug saniert werden oder weitere Projekte folgen. Danach kann das Material wieder verkauft werden.

Checkliste vor dem Betreten der Dachfläche

  • Fanggerüst: Belag höchstens 1,50 m unter der Traufkante, Schutzwand nach AuV montiert?
  • Waagerechter Abstand zwischen Traufe und Schutzwand eingehalten?
  • Seitenschutz an Ortgang oder Giebel, wenn dort gearbeitet wird?
  • Lastklasse passend: mindestens LK3, bei Materiallagerung LK4?
  • Ziegel verteilt statt gestapelt, keine Palette auf dem Belag?
  • Aufzug nach Anleitung befestigt, Zusatzkräfte im Gerüst berücksichtigt?
  • Verankerung an Netze, Planen und Wetterlage angepasst?
  • Gerüst vor der ersten Nutzung geprüft und freigegeben?

Häufige Fragen

Brauche ich für das Erneuern der Dachrinne ein Gerüst?

Ab einer gewissen Höhe und bei mehr als nur kurzen Handgriffen ist ein Gerüst die sichere Lösung. Die Arbeitslage liegt dann so, dass die Rinne etwa in Brusthöhe vor Ihnen hängt. Einen Dachfang mit Schutzwand braucht es dafür nicht, solange niemand auf der Dachfläche arbeitet.

Wie tief darf der Belag eines Dachfanggerüsts unter der Traufe liegen?

Der Höhenunterschied zwischen Traufkante und Belag darf höchstens 1,50 m betragen. Die weiteren Maße, etwa zur Schutzwand, nennen die DGUV Information 201-011 und die Aufbauanleitung des Systems.

Darf ich Dachziegel auf dem Gerüst lagern?

In kleinen Mengen und gut verteilt ja, ganze Paletten aber nicht. Ein Feld mit 2,57 m Länge trägt in Lastklasse 3 gleichmäßig verteilt rund 375 kg einschließlich der Personen. Für größere Mengen ist ein Aufzug oder ein Ladekran die bessere Lösung.

Kann ich einen Aufzug am Gerüst befestigen?

Nur wenn die Aufbauanleitung das vorsieht oder ein gesonderter Nachweis vorliegt. Aufzüge bringen zusätzliche Kräfte ein und erfordern oft mehr Anker und Verstärkungen. Ein frei stehender Schrägaufzug belastet das Gerüst weniger.

Welche Lastklasse brauchen Dachdecker?

Für übliche Dachdeckerarbeiten ist Lastklasse 3 mit 2,00 kN/m² der gängige Ansatz. Wird Material in größerer Menge auf den Lagen zwischengelagert, sollte das Gerüst Lastklasse 4 erfüllen.

Gerüst gesucht?

Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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