Gebraucht kaufen · 8 Min. Lesezeit

Vorhandenes Gerüst erweitern

Mehr Fläche aus dem vorhandenen Gerüst: wie Sie Ihren Bestand aufnehmen, die fehlenden Teile je Feld ausrechnen und im selben System nachkaufen.

Vertikalstiele verschiedener Längen zum Erweitern eines Gerüsts
Vertikalstiele verschiedener Längen zum Erweitern eines Gerüsts

Wenn das Gerüst nicht mehr reicht

Der Auftrag ist größer als gedacht, der zweite Kolonnenstand soll parallel laufen, oder der Bestand ist über die Jahre einfach geschrumpft. Irgendwann reicht das Gerüst nicht mehr für die Fassade, die eingerüstet werden soll. Dann liegt es nahe, ein Paket dazuzukaufen. Das ist aber selten die wirtschaftlichste Lösung, weil ein Paket Teile mitbringt, die Sie schon haben, und andere zu knapp enthält.

Besser ist es, gezielt zu ergänzen: erst den Bestand aufnehmen, dann ausrechnen, was für die Zielgröße fehlt, und genau diese Teile im eigenen System nachkaufen. Das spart Geld, Lagerplatz und Ärger auf der Baustelle.

Schritt 1: Den Bestand aufnehmen

Die Bestandsaufnahme ist lästig, aber ohne sie rechnen Sie im Blindflug. Am besten gelingt sie im Winter oder zwischen zwei Baustellen, wenn das Material auf dem Hof liegt.

  1. Nach Teilarten sortieren: Rahmen nach Breite und Höhe, Beläge nach Länge und Material, Geländer und Bordbretter nach Länge, Diagonalen nach Feldlänge.
  2. Zählen: Jede Teilart mit Länge oder Maß in eine Liste schreiben. Eine einfache Tabelle reicht.
  3. Zustand beurteilen: Drei Stapel bilden: einsatzbereit, prüfen oder richten lassen, aussortieren. Nur der erste Stapel zählt für die Rechnung.
  4. Kleinteile nicht vergessen: Fallstecker, Kupplungen, Fußspindeln, Gerüsthalter. Gerade hier fehlt oft mehr, als man denkt.
  5. Material auf Baustellen erfassen: Was gerade steht, gehört zum Bestand. Lassen Sie sich die Stücklisten der laufenden Gerüste geben.

Zur Bestandsaufnahme gehört auch die Frage, um welches System es sich überhaupt handelt. In vielen Betrieben ist über die Jahre zugekauft worden, nicht immer vom selben Hersteller. Wer unsicher ist, findet im Ratgeber Gerüstsystem bestimmen die Merkmale, an denen man ein System erkennt.

Schritt 2: Die Engpässe finden

Gerüstbestände schrumpfen nicht gleichmäßig. Einige Teile halten praktisch ewig, andere verschwinden oder gehen kaputt. Die üblichen Engpässe:

  • Beläge und Böden: Sie tragen die Last, werden beim Abbau geworfen, verbiegen sich oder brechen an den Auflagern. Holzbeläge altern zusätzlich durch Wetter. Fast jeder Bestand hat zu wenige.
  • Anker: Gerüsthalter bleiben nach dem Abbau oft in der Wand, werden abgeschnitten oder verbogen. Bei Bauvorhaben mit Netzen oder Planen werden zudem mehr gebraucht als im Normalfall.
  • Diagonalen: Sie werden gern als erstes vom Gerüst genommen und landen dann irgendwo. Fehlen sie, fehlt die Aussteifung.
  • Bordbretter und Stirnteile: Leicht, handlich, schnell zweckentfremdet.
  • Fallstecker und Kleinteile: Klein genug, um in jeder Ritze zu verschwinden.

Stellrahmen und Geländer sind dagegen selten das Problem. Wer nur nach Rahmen zählt und daraus seine Fläche ableitet, überschätzt seinen Bestand fast immer.

Schritt 3: Verhältnisse je Feld

Um auszurechnen, was für eine bestimmte Fläche nötig ist, hilft ein grobes Verhältnis je Feld und Lage. Die Werte unten gelten für ein einfaches Wandgerüst als Rahmengerüst ohne Konsolen, mit einer Gerüstbreite um 0,70 m. Maßgeblich bleibt die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) Ihres Systems.

TeilBedarf, grob
Stellrahmenje Lage: Anzahl Felder + 1
Beläge2 je Feld und Lage (bei Breiten um 1,00 m meist 3)
Geländer außen2 je Feld und Lage (Geländer und Zwischengeländer)
Bordbretter1 je Feld und Lage
StirnseitenGeländer und Bordbretter an beiden Enden jeder Lage
Diagonalennach AuV, häufig 1 Zug je 5 Felder über die ganze Höhe
Fußspindeln2 je Rahmen der untersten Lage
Durchstieg1 je Lage im Aufstiegsfeld
Ankernach Ankerraster der AuV, bei Netz oder Plane deutlich mehr

Bei Lagen, die nicht als Arbeitslage dienen, verlangen manche Anleitungen weniger Bordbretter. Konsolen, Innengeländer und Schutzdächer kommen je nach Bauvorhaben dazu. Mehr zur Verbreiterung des Belags steht im Ratgeber Konsolen und Verbreiterung.

Rechenbeispiel: von 10 auf 15 Felder

Ein Malerbetrieb hat einen Bestand für 10 Felder à 2,57 m mit 4 Lagen. Künftig will er Fassaden mit 15 Feldern und 5 Lagen einrüsten können, also rund 38,5 m Länge und 10 m Höhe, knapp 390 m² Gerüstfläche. Diagonalen rechnen wir mit einem Zug je 5 Felder.

TeilBedarf 15 × 5Bestand einsatzbereitNachkauf
Stellrahmen804634
Beläge1507278
Geländer1508466
Bordbretter753144
Diagonalen1569
Fußspindeln32248
Durchstiege532

Das Beispiel zeigt das typische Bild: Bei den Rahmen fehlen gut 40 Prozent, bei Belägen und Bordbrettern mehr als die Hälfte. Hätte der Betrieb einfach ein Paket über 200 m² gekauft, wären Rahmen übrig geblieben und Beläge trotzdem knapp gewesen. Anker und Stirnseiten sind hier nicht aufgeführt, sie hängen vom Gebäude und vom Ankerraster ab. Rechnen Sie sie getrennt.

Höher bauen statt länger

Nicht jede Erweiterung geht in die Länge. Wer künftig höhere Gebäude einrüsten will, braucht vor allem mehr Lagen. Dann verschiebt sich das Bild: Je zusätzlicher Lage kommen Rahmen, Beläge, Geländer und Bordbretter für alle Felder hinzu, Fußspindeln dagegen nicht. Dafür wächst der Bedarf an Ankern, weil mit jeder Lage weitere Ankerpunkte im Raster hinzukommen. Prüfen Sie außerdem, bis zu welcher Höhe die AuV Ihres Systems die Regelausführung erlaubt. Darüber ist ein gesonderter Nachweis nötig.

Anker getrennt rechnen

Anker lassen sich schlecht über ein festes Verhältnis je Feld schätzen. Ihre Zahl hängt vom Ankerraster der AuV ab, von der Gebäudehöhe und davon, ob das Gerüst mit Netzen oder Planen bekleidet wird. Bekleidete Gerüste brauchen ein deutlich engeres Raster. Rechnen Sie den Bedarf für Ihr typisches Bauvorhaben aus und legen Sie eine Reserve drauf, denn Anker gehen öfter verloren als jedes andere Teil. Zu jedem Gerüsthalter gehört in der Regel eine Kupplung für den Anschluss am Gerüst, dazu Ringschrauben und Dübel, die je nach Wand verschieden sind.

Schritt 4: Systemrein nachkaufen

Ergänzt wird im eigenen System, und nur dort. Teile anderer Hersteller sehen manchmal ähnlich aus, haben gleiche Rohrdurchmesser oder ähnliche Feldlängen. Für ein regelgerechtes Gerüst zählt das nicht: Die AuV und die Zulassung beziehen sich auf ein System. Wer fremde Teile einbaut, verlässt den Rahmen, für den die Standsicherheit nachgewiesen ist. Warum das so ist und was daraus folgt, steht im Ratgeber Gerüstteile mischen.

Achten Sie beim Nachkauf außerdem auf:

  • gleiche Feldlängen: Beläge, Geländer, Bordbretter und Diagonalen müssen zur Feldlänge Ihres Bestands passen.
  • gleiche Breite: Rahmen und Stirngeländer in derselben Breite wie der Bestand.
  • passende Belagart: Stahl, Alu oder Holz lassen sich innerhalb eines Systems oft kombinieren, wenn die AuV es vorsieht. Klären Sie das vorher.
  • Baureihe: Manche Systeme wurden über die Jahre geändert. Prüfen Sie, ob alte und neue Teile laut AuV zusammen verwendet werden dürfen.

Schritt 5: Bestellen mit Stückzahlen

Mit der Differenzliste aus Schritt 3 bestellen Sie gezielt. Geben Sie je Teil an: Bezeichnung, Maß (Länge oder Breite), Material und Stückzahl, dazu das System. Ein Foto eines Teils aus Ihrem Bestand hilft, wenn Sie bei der Bezeichnung unsicher sind. Die Bestellung läuft über Gerüstteile bestellen oder den Anfragekorb.

Der weitere Ablauf ist derselbe wie bei jedem Kauf: Sie erhalten eine Auftragsbestätigung per E-Mail, unterschreiben, überweisen per Vorkasse, und das Material kommt per Spedition oder steht zur Abholung in Leipzig bereit. Gebrauchte Teile stammen aus unserem Lager, sind nach System sortiert und werden vor dem Verladen durchgesehen.

Ein Hinweis zu Mengen: Runden Sie bei Verschleißteilen wie Belägen, Bordbrettern und Fallsteckern großzügig auf. Ein paar Teile Reserve sind günstiger als ein Gerüst, das auf der Baustelle nicht fertig wird.

Wenn die Lieferung da ist, zählen Sie nach, kennzeichnen die neuen Teile wie den übrigen Bestand und tragen sie in Ihre Bestandsliste ein. So bleibt die Liste aktuell, und die nächste Erweiterung beginnt nicht wieder bei null. Wer die Liste jedes Jahr nach der Saison fortschreibt, sieht außerdem früh, welche Teilarten schneller schwinden als andere.

Gebraucht oder neu ergänzen?

Für die Erweiterung eines vorhandenen Bestands kommt fast immer Gebrauchtware im eigenen System in Frage. Sie liegt im Lager, ist kurzfristig verfügbar und passt zu dem, was Sie schon haben. Ein neues System ist nur dann eine Option, wenn Sie ohnehin einen zweiten, getrennten Bestand aufbauen oder den alten Bestand ganz ablösen wollen. Neue Teile eines anderen Systems als Ergänzung zum alten Gerüst scheiden aus, aus denselben Gründen wie gebrauchte Fremdteile.

Ein guter Zeitpunkt für die Ergänzung ist die ruhige Zeit im Winter. Dann liegt das Material auf dem Hof, die Bestandsaufnahme ist vollständig, und die Teile sind zum Saisonstart da.

Mischbestände vermeiden

Ein Betrieb, der über Jahre bei verschiedenen Gelegenheiten Gerüst gekauft hat, sitzt oft auf einem Mischbestand. Das ist mehr als ein Ordnungsproblem: Auf der Baustelle wird verbaut, was greifbar ist, und ein Teil aus dem falschen System ist schnell eingehängt.

  • Getrennt lagern: Jedes System bekommt seinen eigenen Lagerplatz, eigene Gestelle, eigene Kisten für Kleinteile.
  • Kennzeichnen: Farbmarkierung je System, etwa ein Farbpunkt an jedem Teil.
  • Getrennt laden: Ein Lkw, ein System. Wer gemischt lädt, baut gemischt auf.
  • Entscheiden: Lohnt sich das kleinere System noch? Oft ist es sinnvoller, es zu verkaufen und den Erlös in das Hauptsystem zu stecken.

Wenn Sie ein System abgeben wollen, nehmen wir gebrauchtes Gerüst an. Und wenn Sie über einen Wechsel auf ein ganz anderes System nachdenken, etwa mit vorlaufendem Seitenschutz, lohnt ein Blick auf den Gerüsttausch, bei dem vorhandenes Material angerechnet wird.

Checkliste: Gerüst erweitern

  • System sicher bestimmt, bei Mischbestand nach Systemen getrennt
  • Bestand nach Teilarten und Maßen gezählt
  • Defekte Teile aussortiert und nicht mitgezählt
  • Zielgröße festgelegt (Felder, Lagen, Breite, Feldlänge)
  • Bedarf je Teilart nach Verhältnis und AuV berechnet
  • Anker und Stirnseiten getrennt gerechnet
  • Differenzliste mit Reserve bei Verschleißteilen erstellt
  • Bestellung mit System, Maß, Material und Stückzahl abgeschickt

Häufige Fragen

Welche Gerüstteile fehlen bei einer Erweiterung am häufigsten?

Meist sind es Beläge, Anker, Diagonalen und Bordbretter. Stellrahmen und Geländer reichen dagegen oft länger, weil sie seltener beschädigt werden oder verloren gehen.

Kann ich mein Gerüst mit Teilen eines anderen Herstellers erweitern?

Nein. Aufbau- und Verwendungsanleitung und Zulassung gelten für ein System. Ergänzen Sie nur im eigenen System, auch wenn fremde Teile ähnlich aussehen.

Wie viele Beläge brauche ich je Feld?

Bei einer Gerüstbreite um 0,70 m sind es meist zwei Beläge je Feld und Lage, bei Breiten um 1,00 m meist drei. Die genaue Belegung steht in der Anleitung Ihres Systems.

Lohnt sich ein Paket statt einzelner Teile?

Für eine Erweiterung selten. Ein Paket enthält Teile in einem festen Verhältnis, Ihr Bestand hat aber eigene Lücken. Mit einer Differenzliste kaufen Sie genau das, was fehlt.

Was mache ich mit einem kleinen Zweitsystem im Lager?

Prüfen Sie, ob es sich noch lohnt. Oft ist es sinnvoller, das kleinere System zu verkaufen und das Hauptsystem gezielt aufzustocken. So vermeiden Sie Verwechslungen auf der Baustelle.

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Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.

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