Gerüst abbauen: von oben nach unten, sortiert bis auf den Lkw
Der Abbau ist kein Aufbau rückwärts im Schnelldurchlauf. Wie Sie Lage für Lage zurückbauen, wann die Anker fallen dürfen und wie das Material sortiert, geprüft und transportfertig gebündelt wird.
Am Ende einer Baustelle soll es schnell gehen. Die Fassade ist fertig, das Wetter hält, der Lkw kommt morgen früh. Genau in dieser Stimmung passieren beim Abbau die meisten Fehler: Anker werden zu früh gelöst, Böden fliegen vom zweiten Stock auf den Rasen, und hinterher liegt ein unsortierter Haufen Stahl im Garten. Dabei entscheidet der Abbau darüber, ob Ihr Material beim nächsten Einsatz noch vollständig und brauchbar ist. Und ob Sie es später zu einem vernünftigen Preis weiterverkaufen können.
Vorbereitung: Freigabe, Absperrung, Platz
Bevor das erste Teil gelöst wird, sollten drei Dinge geklärt sein.
- Alle Gewerke sind fertig. Fragen Sie nach: Muss der Maler noch eine Stelle ausbessern, fehlt am Fallrohr eine Schelle? Ein Gerüst wieder aufzubauen, weil ein Detail vergessen wurde, kostet mehr als ein Tag Wartezeit.
- Der Bereich unten ist gesperrt. Unter einem Gerüst im Rückbau hat niemand etwas zu suchen. Flatterband, Bauzaun oder zumindest eine klare Ansage an Familie und Nachbarn. Auf Gehwegen gelten die Auflagen aus der Sondernutzungserlaubnis weiter, bis das letzte Teil weg ist.
- Es gibt einen Ablageplatz. Ebener, fester Boden, nah am Gerüst, gut erreichbar für das Abholfahrzeug. Legen Sie Kanthölzer aus, damit Böden und Rahmen nicht im Matsch landen.
Räumen Sie außerdem alle Lagen leer: Eimer, Werkzeug, Reste von Putz und Dämmung. Was beim Abbau noch auf den Belägen liegt, fällt sonst herunter.
Die Grundregel: genau umgekehrt zum Aufbau
Abgebaut wird Lage für Lage von oben nach unten. Jede Lage wird vollständig zurückgebaut, bevor die nächste darunter angegangen wird. Es wird nie an zwei Lagen übereinander gleichzeitig gearbeitet, weil sonst Teile auf Kollegen fallen.
Innerhalb einer Lage gilt diese Reihenfolge:
- Vorlaufenden Seitenschutz sichern: Bei Rahmengerüsten das Montagesicherungsgeländer von der darunterliegenden Lage aus so einsetzen, dass beim Ausbau der oberen Geländer niemand ungesichert an der Kante steht. Bei Stielgerüsten mit eingebautem vorlaufendem Seitenschutz bleibt der Schutz Teil des Systems.
- Bordbretter, Zwischen- und Geländerholme lösen und nach unten weitergeben.
- Beläge ausheben, zuerst die Böden, die nicht zum Stand gebraucht werden, zuletzt den Durchstieg.
- Diagonalen lösen, aber erst, wenn der Rahmen darüber weg ist.
- Rahmen oder Stiele abziehen und nach unten reichen.
- Anker dieser Höhe entfernen, und zwar erst ganz zum Schluss.
Anker zuletzt – warum das so wichtig ist
Ein teilweise abgebautes Gerüst ist leichter und hat weniger Aussteifung als ein fertiges. Dafür greift der Wind an derselben Fläche an. Deshalb gilt: Ein Anker wird erst gelöst, wenn alles, was über ihm steht, bereits abgebaut ist. Die oberste noch stehende Lage muss immer an der Wand gehalten sein.
Ein beliebter Fehler ist es, morgens zuerst alle Anker abzuschrauben, „damit es nachher schneller geht“. Damit steht das ganze Gerüst über Stunden frei. Ebenso gefährlich: einen Anker herauszunehmen, weil er beim Ausheben eines Bodens im Weg ist. Lösen Sie stattdessen den Boden etwas anders oder setzen Sie den Anker an anderer Stelle neu, bis die Lage abgebaut ist. Wie die Anker überhaupt sitzen und welche Rolle sie spielen, erklärt der Ratgeber Gerüst verankern.
Wenn sich der Wind während des Abbaus deutlich verstärkt, wird unterbrochen. Lassen Sie das Gerüst lieber über Nacht in einer stabilen, verankerten Höhe stehen, als es mit wenigen Ankern in den Sturm zu schicken.
Sonderteile: Netze, Konsolen, Überbrückungen
Nicht jedes Gerüst besteht nur aus Rahmen und Böden. Einige Bauteile verlangen beim Rückbau besondere Aufmerksamkeit:
- Netze und Planen kommen als Erstes ab, noch bevor die oberste Lage angefasst wird. Lose flatternde Bahnen ziehen am Gerüst und behindern die Sicht. Abgenommene Netze werden gleich zusammengelegt und gebündelt, sonst verheddern sie sich mit Kupplungen.
- Außenkonsolen und Schutzwände eines Dachfangs werden mit der jeweiligen Lage abgebaut, nicht vorher. Sie sind oft zusätzlich verankert oder mit Diagonalen gesichert. Lösen Sie zuerst den Belag auf der Konsole, dann die Konsole selbst.
- Gitterträger über Eingängen oder Vordächern tragen die Rahmen darüber. Sie dürfen erst entfernt werden, wenn auf ihnen nichts mehr steht. Weil sie lang und sperrig sind, braucht es dafür zwei Personen.
- Treppentürme bleiben bis zuletzt stehen, wenn sie der einzige Zugang sind. Bauen Sie den Turm Lage für Lage mit dem Hauptgerüst zurück, damit Sie immer sicher nach unten kommen.
Team und Zeitbedarf
Der Rückbau braucht wie der Aufbau mindestens zwei Personen, bei mehr als zwei Lagen besser drei: eine oben, die löst und reicht, eine in der Mitte, eine unten, die annimmt und sortiert. Allein ein Gerüst abzubauen ist nicht nur mühsam, sondern gefährlich, weil schwere Teile über Kopf übergeben werden müssen.
Als grobe Orientierung geht der Abbau oft in der Hälfte der Aufbauzeit, weil nichts ausgerichtet und nicht gebohrt werden muss. Planen Sie die gewonnene Zeit aber für Sortieren, Reinigen und Verladen ein. Wer den Lkw für den frühen Nachmittag bestellt und um elf Uhr noch die oberste Lage abbaut, gerät unter Druck, und unter Druck wird geworfen.
Material nach unten bringen, ohne zu werfen
Gerüstteile werfen ist verboten, und zwar aus gutem Grund: Ein Stahlboden, der aus vier Metern Höhe herabfällt, gefährdet jeden in der Nähe, verbiegt sich beim Aufprall und zerschlägt Pflaster. Auch Kupplungen oder Bordbretter werden nicht fallen gelassen.
Es gibt drei sinnvolle Wege:
- Weitergabe von Hand: Eine Person steht auf der Lage, eine auf der Lage darunter. Teile werden Stück für Stück übergeben. Bei zwei Lagen Höhe ist das der schnellste Weg.
- Seil und Rolle: Eine Umlenkrolle am Gerüst und ein Seil mit Haken. Gut für Kleinteile in einem Eimer oder Korb und für einzelne Böden.
- Bauaufzug: Bei höheren Gerüsten und großen Mengen spart ein Schrägaufzug oder ein Gerüstaufzug viel Kraft.
Unten wird jedes Teil sofort sortiert abgelegt, nicht erst „nachher“. Wer abends vor einem Haufen aus Rahmen, Böden und Geländern steht, braucht für das Sortieren länger als für den Abbau.
Sortieren und bündeln
Gut sortiertes Material lässt sich schneller verladen, zählen und beim nächsten Mal wieder aufbauen. Dazu ein bewährtes Schema:
| Teil | So lagern und bündeln |
|---|---|
| Rahmen, Stellrahmen | Flach gestapelt, gleiche Größen zusammen, je Stapel eine feste Stückzahl |
| Böden und Beläge | Nach Länge getrennt, auf Kanthölzern, bei Holzbelägen mit Luft dazwischen |
| Geländer, Diagonalen | Nach Länge gebündelt, mit Band oder Draht fixiert |
| Bordbretter | Nach Länge gestapelt, nicht unter schwere Teile |
| Kupplungen, Halter, Spindeln | In Gitterbox oder Kiste, nach Art getrennt |
| Durchstiege, Konsolen | Eigener Stapel, Klappen geschlossen, Leitern eingeklappt |
Legen Sie gleich bei diesem Schritt eine einfache Liste an: wie viele Rahmen, Böden je Länge, Geländer, Diagonalen und Kleinteile. Diese Inventur ist Gold wert, wenn Sie das Gerüst später erweitern, verleihen oder verkaufen wollen. Für Erweiterungen sehen Sie sofort, wo Engpässe liegen; mehr dazu im Ratgeber Gerüst erweitern.
Prüfen und aussortieren
Beim Abbau hat jedes Teil einmal durch Ihre Hände gehen müssen. Nutzen Sie die Gelegenheit für eine kurze Sichtprüfung. Was beschädigt ist, wird gekennzeichnet und getrennt gelagert, damit es nicht wieder verbaut wird.
- Rahmen und Stiele: verbogene Rohre, eingedrückte Stellen, gerissene Schweißnähte, verformte Zapfen.
- Böden: durchgebogen, Klauen aufgebogen, Holz weich oder gerissen, Rutschhemmung abgenutzt.
- Kupplungen: Schraube schwergängig, Gewinde beschädigt, Gehäuse verformt.
- Geländer und Diagonalen: geknickt, Endstücke beschädigt, Bolzen fehlt.
Gerüstteile werden nicht gerichtet. Ein krummer Rahmen, der mit dem Hammer wieder gerade geklopft wurde, hat seine Tragfähigkeit verloren. Ersatz für ausgesonderte Teile finden Sie einzeln in unseren Gerüstteilen. Ausführliche Prüfpunkte stehen im Ratgeber gebrauchte Gerüstteile prüfen.
Reinigen und lagern
Frischer Putz, Mörtel und Farbe lassen sich direkt nach dem Abbau leicht entfernen. Eingetrocknet kleben sie in Klauen und Kupplungen fest und erschweren den nächsten Aufbau. Ein Spachtel und ein Wasserschlauch reichen meist. Danach gilt:
- Trocken lagern, am besten überdacht oder zumindest abgedeckt mit Luftzirkulation.
- Nicht direkt auf Erde oder Rasen, sondern auf Kanthölzern.
- Holzbeläge und Bohlen mit Abstandshölzern, damit sie durchtrocknen.
- Kupplungen gelegentlich leicht ölen, damit Schrauben gängig bleiben.
Weitere Hinweise zum Winterlager und zur Pflege finden Sie im Ratgeber Gerüst lagern und pflegen.
Die Fassade nach dem Abbau
Nach dem Gerüst bleiben in der Wand die Bohrlöcher der Anker zurück. Die Ringschrauben werden herausgedreht, die Kunststoffdübel bleiben meist stecken. Verschließen Sie die Öffnungen zeitnah: in Putzfassaden mit Mörtel oder Abdeckkappen in Fassadenfarbe, in gedämmten Fassaden mit passenden Dämmstopfen. Offene Löcher lassen Regenwasser in die Wand und sind im Streiflicht noch Jahre später sichtbar. Prüfen Sie außerdem den Boden unter den Fußplatten: Abdrücke im Rasen erholen sich, gerissene Pflastersteine dagegen nicht.
Rücktransport oder Verkauf
Haben Sie das Gerüst geliehen, gehört es in dem Zustand zurück, in dem es übernommen wurde, und in der vereinbarten Sortierung. Bei eigenem Material stellt sich nach dem Abbau oft die Frage, ob es behalten werden soll. Wer kein weiteres Projekt absehen kann, verkauft es weiter. Sortiert und gezählt lässt sich Gerüstmaterial wesentlich besser bewerten. Wir nehmen gebrauchte Gerüste an; den Ablauf beschreibt die Seite Gerüst verkaufen.
Zum Verladen: Stapel so bilden, dass sie mit Stapler oder Kran aufgenommen werden können, und schwere Teile unten. Hinweise zu Gewicht, Fahrzeugen und Ladungssicherung bündelt der Ratgeber zum Gerüsttransport.
Checkliste für den Abbautag
- Alle Arbeiten abgeschlossen, Abbau mit allen Beteiligten abgestimmt.
- Gefahrenbereich unten abgesperrt, Gehweg gesichert.
- Lagen leer geräumt, Ablagefläche mit Kanthölzern vorbereitet.
- Abbau Lage für Lage von oben, nie an zwei Lagen übereinander gleichzeitig.
- Vorlaufender Seitenschutz an jeder Lage, Anker als letztes.
- Material weitergeben oder per Seil und Aufzug, nichts werfen.
- Teile sofort sortiert ablegen und zählen.
- Beschädigte Teile kennzeichnen und getrennt lagern.
- Ankerlöcher in der Fassade verschließen.
- Material gereinigt, trocken und gestapelt.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge wird ein Gerüst abgebaut?
Von oben nach unten, Lage für Lage, also umgekehrt zum Aufbau. Innerhalb jeder Lage kommen zuerst Seitenschutz und Beläge, dann Diagonalen und Rahmen, die Anker dieser Höhe zuletzt.
Wann dürfen die Gerüstanker gelöst werden?
Erst wenn alles, was über dem jeweiligen Anker steht, bereits abgebaut ist. Die oberste noch stehende Lage muss immer verankert sein.
Darf man Gerüstteile beim Abbau herunterwerfen?
Nein. Geworfene Teile gefährden Menschen, beschädigen Boden und Pflaster und verbiegen sich selbst. Sie werden von Hand weitergereicht oder mit Seil, Rolle oder Aufzug heruntergelassen.
Was mache ich mit beschädigten Gerüstteilen?
Kennzeichnen und getrennt lagern, damit sie nicht wieder eingebaut werden. Verbogene oder gerissene Teile werden nicht gerichtet, sondern ersetzt.
Geht der Rückbau schneller als das Aufstellen?
Meist deutlich kürzer, weil nichts ausgerichtet und nicht gebohrt werden muss. Rechnen Sie aber genug Zeit für das Sortieren, Zählen und Reinigen ein, sonst dauert der nächste Aufbau umso länger.
Gerüst gesucht?
Fertige Pakete mit Teileliste finden Sie unter gebrauchte Gerüste und neue Gerüste, einzelne Teile unter Gerüstteile. Für Ihr Haus rechnet der Gerüstkalkulator Fläche, Stückliste und Preis.